Polizisten knien auf einem, am Boden liegenden, Mann.

Jugendlicher am Boden fixiert Polizei-Einsatz in Düsseldorf wird überprüft

Stand: 18.08.2020 17:28 Uhr

Ein Polizist kniet auf dem Kopf eines Jugendlichen in Düsseldorf. Das hat bundesweit für Kritik gesorgt. Jetzt äußert sich der Anwalt des Polizisten.

Der Anwalt eines Polizisten, der nach einem umstrittenen Einsatz in der Düsseldorfer Altstadt gegen einen 15-Jährigen in die Kritik geraten war, hat das Vorgehen jetzt verteidigt. "Der Einsatz ist genauso abgelaufen, wie man das trainiert", sagte Rechtsanwalt Christoph Arnold am Dienstag. "Das war ein vorbildlicher Ablauf."

In dem Social-Media-Video ist zu sehen, wie zwei Polizisten einen Jugendlichen am Boden festhalten. Einer der Beamten drückt sein Knie auf den Hals und Kopf des Minderjährigen, der sichtlich zu keiner Bewegung mehr fähig ist. Im Hintergrund sind empörte Rufe von Passanten zu hören: "Nimm dein Knie runter, Bruder!" Und: "Ey, das ist nicht lustig!" Das Video erinnert an den Tod des US-Amerikaners George Floyd in Polizei-Gewahrsam.

Anwalt rechtfertigt das Fixieren

Wie der Anwalt des Polizisten ausführt, hatte der Jugendliche am Boden noch einen Arm frei unter dem Körper. Das sei eine gefährliche Situation für die Polizisten, da er sich hochstemmen oder zum Beispiel auch eine Waffe hervor holen könnte.

Daher habe sein Mandant ihn mit dem Schienbein am Kopf auf dem Boden fixiert. "Das wird so gelehrt", sagte Arnold. Auf den Hals würde ein Beamter niemals drücken.

Reul: "Auch ich habe mich erschrocken"

NRW-Innenminister Herbert Reul kündigte an, den Fall aufzuklären. "Auch ich habe mich erschrocken", sagte Reul zu dem Video und forderte dazu einen Zwischenbericht an.

Die Polizei sei am Samstagabend wegen zehn randalierender Personen zu einem Schnellimbiss gefahren. Der 15-Jährige hatte zwar nicht mit dem eigentlichen Einsatz zu tun, habe sich aber eingemischt. Es sei zu einem tätlichen Angriff auf einen Beamten gekommen, so Reul.

Danach sei der 15-Jährige zu Boden gebracht, gefesselt und zum Streifenwagen gebracht worden. Dies sei ein Zeitraum von zwei bis drei Minuten gewesen. Eines der Videos im Internet ist 40 Sekunden lang. Auf dem Ausschnitt des Geschehens ist zu sehen, wie ein Polizeibeamter den Jugendlichen mit dem Knie zu Boden drückt.

Fixieren wird von Polizei trainiert

Der Einsatz wirft die Frage auf, ob die Polizei überhaupt so eingreifen durfte. Das Fixieren einer Person auf dem Boden mit Hilfe des Knies werde auch auf der Polizeischule trainiert, sagte Michael Mertens von der Gewerkschaft der Polizei NRW. "Das hat den Grund, dass viele sich noch wehren, indem sie beißen oder spucken, oder sich selber verletzen, indem sie mit dem Kopf auf den Boden stoßen."

Die Knie dürfen dabei aber nur auf den Kopf, nicht aber auf den Hals und Nackenbereich drücken, so Mertens. Im Video kann man deutlich sehen, dass das Knie erst auf dem Kopf ruht, dann aber in Richtung Nacken abrutscht, und den 15-jährigen mit dem Hals auf den Asphalt drückt.

Zahlreiche Anzeigen gegen Polizisten

Die Düsseldorfer Polizei schildert den Fall ähnlich wie Reul. Den Polizeiangaben zufolge hat der Jugendliche auch weiter Widerstand geleistet und ist deshalb mit auf die Wache Stadtmitte genommen worden, wo er dann seinen Eltern übergeben wurde.

Die Art und Weise des Einschreitens der Beamten in der gezeigten Situation werde weiter "intensiv analysiert und bewertet", heißt es in der Stellungnahme der Polizei. Aus Neutralitätsgründen ermittelt jetzt die Polizei Duisburg wegen Verdachts eines Beamtendeliktes. Auch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ist involviert. Staatsanwalt Julius Sterzel sagte, es liegen "diverse Strafanzeigen" gegen den Polizisten vor.

Die Stimmen nach einer unabhängigen Untersuchung werden lauter. Der Sozialpädagoge Samy Charchira hat den 15-Jährigen im Krankenhaus besucht, der unter mehreren Verletzungen leiden soll: "Das Vertrauen in die Polizei sinkt in den letzten Jahren seitens der Bevölkerung und vor allem unter Jugendlichen. Die Polizei würde sich selbst einen Gefallen tun, damit genau der Verdacht, dass Polizei unverhältnismäßig vorgeht, entkräftet werden kann", sagte der Sozialpädagoge.

Auch in Hamburg kursiert derzeit ein Video, in dem wohl ein Jugendlicher von der Polizei fixiert wird, dort prüft die Polizei laut eigener Aussage aktuell den Fall. In Frankfurt gibt es ebenfalls Vorwürfe gegen die Polizei. Dort soll ein Beamter eine am Boden fixierte Person getreten haben - zu sehen auf einem Handyvideo.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. August 2020 um 13:00 Uhr.

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