Eine Gartenlaube mit Kettcar

Kindesmissbrauch in NRW Mutter des Verdächtigen ist Erzieherin

Stand: 07.06.2020 17:46 Uhr

Die Mutter des Hauptverdächtigen im Fall des Kindesmissbrauchs in Münster ist nach WDR-Recherchen Erzieherin. Sie soll in einer Kita arbeiten.

Die Mutter des Hauptverdächtigen im Fall des Kindesmissbrauchs in Münster ist nach WDR-Recherchen Erzieherin. Sie soll in einer Kita in Münster arbeiten. Ermittelt wird aber nur in ihrem privaten Umfeld und nicht an ihrer Arbeitsstelle, so die Staatsanwaltschaft. Die Kita wurde am Sonntagnachmittag (07.06.20) darüber informiert. Der 45-Jährigen gehört die Gartenlaube, in der ihr 27-jähriger Sohn zahlreiche Vergewaltigungen von kleinen Jungen begangen haben soll.

Kaum Kontakt zu anderen Vereinsmitgliedern

Die anderen Kleingärtner des Vereins im Stadtteil Kinderhaus halten sich bedeckt. Die Mutter des Hauptverdächtigen, die sich auch in U-Haft befindet, hatte nach Aussage der meisten hier kaum Kontakt zu den anderen. Ihr Sohn und dessen 10-jähriger Stiefsohn, der als Hauptopfer gilt, hatten demnach noch weniger mit den anderen Kleingärtnern zu tun. Der Junge soll schüchtern gewesen sein, heißt es. Sein Stiefvater war einigen gar nicht bekannt.

Internetzugang für alle installiert

An der Gartenlaube hängt ein Schild "Dieses Objekt ist alarmgesichert und videoüberwacht". | Bildquelle: AFP
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Streng gesichert: In der Gartenlaube befanden sich Videokameras und professionelle Technik

Einen Gefallen hat der mutmaßliche Kinderschänder, ein IT-Experte, aber allen anderen getan - vielleicht um sich selbst so einen besseren Internetzugang zu verschaffen: Er hat W-Lan für die Anlage installiert. Die Antenne steht ganz in der Nähe der Gartenlaube seiner Mutter. Die Laube selbst ist vollgestopft mit Technik. Unzählige kinderpornografische Filme wurden dort aufgenommen, die über das Darknet angeboten wurden.

Noch haben die Ermittler längst nicht alle Daten auswerten können. Sie gehen davon aus, noch weitere Täter und auch Opfer zu finden. Doch die Daten sind so verschlüsselt, dass die Ermittlungen schwierig sind.

Wegen Stromklau verurteilt

Für seine Taten muss der 27-jährige Hauptverdächtige derart viel Strom verbraucht haben, dass er sogar das Stromnetz früherer Nachbarn genutzt haben soll. Der Stromklau wurde angezeigt. Auch dafür wurde der Mann bereits verurteilt, rechtskräftig ist das Urteil aber noch nicht.

Entsetzen im Stadtteil groß

Das Entsetzen im Stadtteil Kinderhaus ist groß. Fußgänger, die am Wochenende an der idyllisch gelegenen Gartenlaube - dem mutmaßlichen Haupttatort - vorbei spazieren, sind schockiert darüber, was sich hier abgespielt haben soll.

Gepflegte Kleingartenanlage

"Erbärmlich und eklig", sagt ein Passant. Ein anderer ist den Tränen nahe. Er wohnt in Sichtweite und hat selbst Kinder. Dass hier in einer Gartenlaube der gepflegten Anlage systematisch Kinder von mehreren Männern vergewaltigt wurden - für alle unfassbar.

Gemeinschaftliche Vergewaltigung von Jungen

Der 27-jährige Münsteraner, seine 45-jährige Mutter sowie fünf weitere Männer aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Brandenburg und Hessen sind derzeit in Untersuchungshaft. Wie Polizei und Staatsanwaltschaft Münster am Samstag (06.06.2020) mitteilten, wird gegen die Männer wegen Kindesmissbrauchs, gegen die Frau wegen Beihilfe ermittelt.

Bisher bekannte Opfer sind der 5-jährige Sohn eines der mutmaßlichen Täter, der 12-jährige Neffe eines anderen und der 10-jährige Stiefsohn des Hauptverdächtigen aus Münster. Zwei der Jungen sollen gemeinschaftlich und über Stunden von den Männern in der Gartenlaube vergewaltigt worden sein. Weitere Taten fanden außerhalb der Gartenlaube statt. Die Ermittlungen sind noch am Anfang.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Juni 2020 um 19:00 Uhr.

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