Arbeiter in Schlachthof kontrollieren Schweinehälfte | Bildquelle: dpa

Häufung von Corona-Fällen Was sich in Schlachthöfen ändern könnte

Stand: 19.05.2020 16:25 Uhr

Nach den Corona-Fällen in der Fleischindustrie stehen die Arbeitsbedingungen der Branche im Fokus. Was soll wie geändert werden? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Niedrigste Löhne und Massenunterkünfte: Die unfaire Behandlung osteuropäischer Arbeitskräfte in deutschen Schlachthöfen ist ein soziales Problem, wird in der Corona-Krise aber zusätzlich zum Gesundheitsrisiko für alle.

"Es ist Zeit, in diesem Bereich aufzuräumen und durchzugreifen", meinte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) am Montag (18.05.2020). Die Debatte sorgt für Bewegung in der Politik - und wirft Fragen auf.

Was tut sich bei den Regeln für die Fleischindustrie?

Am Dienstag (19.05.20202) unterzeichnen Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und seine rumänische Amtskollegin Violeta Alexandru ein Memorandum zum Arbeitsschutz. Viele Beschäftigte in der Fleischindustrie kommen aus Rumänien.

Am Mittwoch (20.05.2020) ist nach Heils Einschätzung "der Tag der Entscheidung". Sein Vorschlag für schärfere Regeln in der Fleischindustrie soll dann im Kabinett beraten werden. Der Union geht jener Teil des Konzeptes zu weit, der den Firmen verbieten will, die Verantwortung für Mitarbeiter an Subunternehmer abzutreten.

Unabhängig davon hat die Firma Westfleisch am Montag angekündigt, sich von einem Subunternehmen zu trennen, bei dem besonders viele Fälle von Corona bekannt geworden sind. Die betroffenen 350 Beschäftigten will Westfleisch übernehmen. Zudem will sich die Firma um deren Mietverhältnisse und ihren Transport in die Werke kümmern.

Wie wirken sich neue Regeln für den Verbraucher aus?

Bessere Löhne und mehr Arbeitsschutz führen vermutlich zu höheren Preisen. Derzeit sei Fleisch teilweise so billig, weil unfaire Löhne gezahlt und Umweltschäden nicht eingepreist seien, sagte Robert Schmidt, Professor für Mikroökonomie an der Fernuniversität Hagen, am Dienstagmorgen in der ARD-Infonacht.

Höhere Preise würden den Bauern und den Schlachhof-Mitarbeitern zugute kommen. "Wenn man den Mindestpreis einführt, würde man den Preiswettbewerb künstlich ausschalten und in einen Qualitätswettbewerb überführen", so Professor Schmidt.

Wenn die Anbieter nicht mehr über den Preis konkurrieren könnten, werde sich der Wettbewerb verlagern. Die Frage sei dann: Wer arbeitet am regionalsten, am ökologischsten, am fairsten für Angestellte und Tiere? Dieser Effekt komme über die Fleischqualität wiederum dem Konsumenten zugute.

Wie viel soll Fleisch kosten?

Diese Frage ist umstritten. Robert Habeck, Parteivorsitzender der Grünen, will zum Beispiel mit einem Mindestpreis eine "untere Haltelinie" einziehen, wie er am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin sagte. Dumpingpreise, die unter dem Produktionspreis liegen, müssten untersagt werden.

Dietmar Bartsch, Vorsitzender der Bundestagsfraktion "Die Linke", hingegen sagte im ZDF-Morgenmagazin, die Debatte um Lebensmittelpreise geht an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei. Der von den Grünen verlangte Systemwechsel sei zwar notwendig. Aber das Schnitzel dürfe nicht zur sozialen Spaltung genutzt werden. Es müsse weiter erschwinglich bleiben.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. Mai 2020 um 15:00 Uhr.

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