Weihbischof Ansgar Puff | dpa

Nach Missbrauchsgutachten Erzbistum Köln beurlaubt Weihbischof Puff

Stand: 19.03.2021 15:40 Uhr

Das Missbrauchsgutachten im Erzbistum Köln hat Folgen: Nach dem Rückzug von Erzbischof Stefan Heße und Weihbischof Dominikus Schwaderlapp ist jetzt ein dritter Bischof beurlaubt.

Als Konsequenz aus dem am Donnerstag vorgestellten Missbrauchsgutachten ist ein weiterer Bischof vorläufig beurlaubt worden. Der Kölner Weihbischof Ansgar Puff habe Kardinal Rainer Maria Woelki darum gebeten, teilte das Erzbistum Köln am Freitag mit. Woelki habe dieser Bitte entsprochen und Puff vorläufig von seinen Aufgaben beurlaubt.

Puffs Name taucht im Gutachten nicht auf

Strafrechtler Björn Gercke hatte Puff bei der Vorstellung des Gutachtens am Donnerstag zunächst nicht genannt. Das Erzbistum wies am Freitag jedoch darauf hin, dass in dem Gutachten ein ehemaliger Leiter der Hauptabteilung Seelsorge Personal des Erzbistums aufgeführt werde, der ebenfalls eine Pflichtverletzung begangen habe: einen Verstoß gegen die Aufklärungspflicht. Dieser damalige Personalchef sei der heutige Weihbischof Puff.

Die in dem Gutachten genannte Pflichtverletzung solle jetzt sachgerecht bewertet werden, erklärte das Erzbistum. Der Vorfall ereignete sich in Puffs Zeit als Personalchef im Erzbistum zwischen 2012 und 2013.

Medienberichte als Kampagne dargestellt

Der 65 Jahre alte Puff hatte kürzlich mit einem Video-Beitrag auf dem Kölner Bistumsportal "Domradio" Kritik auf sich gezogen. In dem Beitrag hatte er die kritische Medienberichterstattung über Bischöfe als Kampagne dargestellt und Vergleiche zu Donald Trump und Nazi-Propagandaminister Joseph Goebbels gezogen. Später folgte eine Entschuldigung.

Der Vorsitzende des Deutschen Journalistenverbands (DJV), Frank Überall, hatte dazu gesagt, die legitime Berichterstattung professioneller Medien in eine Linie mit Goebbels und dem ehemaligen US-Präsidenten zu stellen, sei "ein Angriff auf die professionellen Journalistinnen und Journalisten in Deutschland".

Mit dem Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp (53) und dem Kölner Offizial Günter Assenmacher (69) hatte Woelki bereits am Donnerstag zwei kirchliche Entscheidungsträger von ihren Aufgaben freigestellt.

Betroffenen-Sprecher: Heßes Rücktrittsangebot erst der Beginn der Aufarbeitung

Auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße - früher Personalchef in Köln - hatte dem Papst am Donnerstag seinen Amtsverzicht angeboten. Für den Sprecher der Betroffenen-Initiative "Eckiger Tisch", Matthias Katsch, ist Heßes Rücktrittsangebot erst der Beginn der Aufarbeitung. Mit seiner Rücktrittserklärung habe der Erzbischof gezeigt, dass er seinen Anteil an der Verantwortung für das System übernehme, das im Erzbistum Köln sexuellen Missbrauch vertuscht habe, sagte Katsch dem Evangelischen Pressedienst. Woelki selbst wurde durch das Gutachten nicht persönlich belastet.

Gutachter: Vorfälle unter den Teppich gekehrt

Im Auftrag von Woelki hatten Gutachter geprüft, wie Verantwortliche des größten deutschen Bistums von 1975 bis 2018 mit Vorwürfen der sexuellen Gewalt gegen Kinder durch Priester umgegangen waren. Ihr Ergebnis: Das Bistum hat solche Vorfälle unter den Teppich gekehrt, um die Reputation der Kirche zu schützen.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell Radio am 19. März 2021 um 13:30 Uhr.