Polizeiliche Untersuchungen am Tatort

Beweise verschwunden Kripo-Leiter im Fall Lügde suspendiert

Stand: 22.02.2019 18:24 Uhr

Ein leitender Kriminalbeamter in der Kreispolizeibehörde Lippe ist vom Landrat von seinen Aufgaben entbunden worden. In der Behörde waren Beweismittel verschwunden.

Von Sabine Tenta

Der Landrat des Kreises Lippe, Axel Lehmann (SPD), hat den Leiter der Direktion Kriminalität am Freitag (22.02.2019) von seinen Aufgaben entbunden. Er habe ihn zu spät über die verschwundenen Beweismittel informiert, sagte Lehmann zur Begründung auf einer Pressekonferenz am Freitagnachmittag. Es habe eklatante Fehlleistungen bei der Polizei gegeben.

Unabhängig vom Fall Lügde gebe es schon länger eine Arbeitsgruppe, die darum bemüht sei, die Strukturen in der Behörde zu optimieren.

Am Donnerstag war bekannt geworden, dass bei der Polizei 155 Datenträger mit möglichem Beweismaterial zum Fall des massenhaften sexuellen Missbrauchs in Lügde verschwunden sind. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach von "Polizeiversagen".

Ein Polizeianwärter war mit der Sichtung der Daten beauftragt. Dass ein Auszubildender diese Aufgaben übernimmt, "darf nicht normal sein", so der Landrat. Das sei ein handwerklicher Fehler der Polizei gewesen.

22.02.2019, Detmold: Blick auf das Polizeigebäude. | Bildquelle: dpa
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Kreispolizeibehörde Lippe

Der Sichtungsraum, in dem die Asservate lagerten, war nur unzureichend gesichert. Als Konsequenz sei nun der Kreis der Zugangsberechtigten deutlich reduziert worden, so Lehmann.

Landrat Lehmann bestätigte, dass es einen Personalmangel bei der Polizei im Kreis Lippe gibt. Mit 1,1 Beamten pro 1.000 Einwohnern habe der Kreis die niedrigste Polizeidichte in NRW. Lehmann sagte aber auch, er wolle "keinen Zusammenhang konstruieren zwischen der personellen Ausstattung des Hauses und dem Fall Lügde".

Kritik der Polizei: Personal "ausgeblutet"

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter Sebastian Fiedler sagte im WDR: "Seit mehreren Jahren weisen meine Kollegen in Lippe darauf hin, dass sie am Limit arbeiten." Die Kripo sei "ausgeblutet" und liege am Boden. Allein in Lippe fehlten insgesamt 75 Leute.

Für die Kreispolizeibehörde Lippe habe man "detailliert darauf hingewiesen, dass die Kriminalpolizei nicht mehr in der Lage ist, ihrem gesetzlichen Auftrag nachzukommen", so Fiedler.

Mitte Juli 2018 hat der BDK in einem Brief an die Kreispolizeibehörde die vielen Fehlstellen beklagt. So unterbesetzt sei ein professionelles Arbeiten nicht möglich. Bereits jetzt seien "die Kollegen deutlich gebeutelt".

Auch die Gewerkschaft der Polizei beklagt Personalmangel bei der Kreispolizei: "Die Behörde in Lippe hatte mal 447 Polizisten, heute sind es 359, davon sind 60 Kriminalbeamte", sagte der NRW-GdP-Vorsitzende Michael Mertens.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2019 um 18:00 Uhr.

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