Eine Patientin wird mit dem Corona-Impfstoff geimpft. | Jens Krick

Corona-Pandemie Impfung und Krebs - für wen gilt was?

Stand: 04.02.2021 06:00 Uhr

Menschen mit einer Krebserkrankung können vermutlich bald früher geimpft werden. Hier steht, worauf sie dabei achten müssen. Zum Weltkrebstag: Drei Fragen, drei Antworten zum Thema Corona-Impfung bei Krebs.

1. Sollten Krebspatienten sich impfen lassen?

Menschen, die an Krebs erkrankt sind, können sich impfen lassen und zumindest einige von ihnen sollten das auch tun. Denn sowohl die Krankheit selbst als auch die Therapie können die Immunabwehr schwächen und dazu führen, dass eine Covid-Erkrankung schwerer verläuft, erklärt Professor Dirk Schadendorf, Direktor des Westdeutschen Tumorzentrums in Essen: „Das Risiko ist in der Größenordnung je nach Krebserkrankung zwischen drei bis fast zehnfach erhöht, tatsächlich Komplikationen einer Covid-19-Infektion zu entwickeln, auf Intensivstationen zu landen beziehungsweise auch zu versterben.“ 

Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum haben Patienten vor allem dann ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf, wenn sie unter einer akuten und fortschreitenden Erkrankung leiden, wenn sie Lungen- oder Blutkrebs haben, wenn ihr Immunsystem durch die Therapie geschwächt ist oder wenn bei ihnen zusätzlich zur Krebserkrankung weitere Risikofaktoren wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht oder Diabetes hinzu kommen.

Wie Nutzen und Risiken im Einzelfall gegeneinander abzuwägen sind und welcher Zeitpunkt für die Impfung der günstigste ist, sollten Krebspatienten mit ihren Ärzten besprechen.

2. Funktioniert die Impfung auch während der Chemotherapie?

Die bisher zugelassenen Impfstoffe wurden nicht an Personen getestet, die eine Krebstherapie machen. Deshalb fehlen Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit speziell für diese Personengruppe. Experten wie Professor Schadendorf gehen aber davon aus, dass die Impfung für die meisten Menschen mit Krebs kein besonderes Sicherheitsrisiko darstellt: „Es besteht absolut keine Sorge von unserer Seite, dass sich Krebspatienten mit den zur Verfügung stehenden Impfstoffen jetzt impfen lassen. Wir würden das dringend empfehlen.“ 

Es kann allerdings sein, dass Patienten mit einem geschwächten Immunsystem nach einer Impfung nicht genug Antikörper bilden und der Impfstoff bei ihnen nicht so gut wirkt. Deshalb sollten diese Personen auch nach einer Impfung darauf achten, sich nicht anzustecken, und Hygiene- und Abstandsregeln möglichst einhalten.

Ideal ist es, wenn die Corona-Impfung bereits vor dem Beginn einer Therapie abgeschlossen werden kann. Britische Krebsforscher weisen aber darauf hin, dass man wegen einer Impfung weder den Therapiebeginn verschieben noch die Therapie unterbrechen muss. 

3. Wann werden Krebspatienten geimpft?

Krebspatienten sind bisher in Gruppe 3 eingestuft und werden im gleichen Zeitraum wie die 60 bis 70-Jährigen geimpft. Wer älter ist als 70, kann aber seinem Alter entsprechend früher geimpft werden. Das gilt auch für Transplantationspatienten.

Dirk Schadendorf schätzt allerdings, dass sehr viele Krebspatienten ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben und deshalb eigentlich bevorzugt geimpft werden müssten. Betroffen sei sicherlich eine Gruppe von deutlich über einer halben Million Menschen.

Viele dieser Patienten könnten demnächst tatsächlich früher geimpft werden, denn das Bundesgesundheitsministerium überarbeitet zur Zeit die Impfverordnung. Geplant ist danach, dass zur Gruppe 3 nur noch die Krebspatienten gehören, die nicht mehr in Behandlung sind und bei denen sich das Krankheitsbild verbessert. Menschen, die unter einer akuten und fortschreitenden Krebserkrankung leiden, gehören dann in die zweite Gruppe, genau wie diejenigen, die sich aktuell in Therapie oder Reha befinden.

Nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission vom 8. Januar können auch die Personen bevorzugt geimpft werden, bei denen die Impfung zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr so gut wirken würde, zum Beispiel im Fall einer unmittelbar bevorstehenden Chemotherapie. Über die passende Priorisierung soll laut STIKO der behandelnde Arzt oder die behandelnde Ärztin entscheiden.

Quelle: wdr.de