Nordrhein-Westfalen, Mönchengladbach: Einer von zwei Angeklagten wird von Justizbeamten mit dem Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren. | Bildquelle: dpa

Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach Hohe Strafen für sexuellen Kindesmissbrauch

Stand: 11.09.2020 16:22 Uhr

Das Landgericht hat am Freitag im landesweit ersten Prozess zum Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach zwei Angeklagte zu hohen Haftstrafen verurteilt.

Ein Mann aus Krefeld muss für dreizehneinhalb Jahre ins Gefängnis. Gegen einen Viersener wurde eine Freiheitsstrafe von vierzehneinhalb Jahren verhängt. Die beiden 39-jährigen Männer wurden wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs sowie wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Schriften verurteilt.

Krefelder gestand Missbrauch

Der Mann aus Krefeld hatte im Verfahren gestanden, seine heute elfjährige Tochter seit 2016 regelmäßig schwer sexuell missbraucht zu haben. Ab dem Frühjahr 2017 habe er sich dann gemeinsam mit dem Mitangeklagten auch an dessen jetzt zwölfjähriger Nichte vergangen. Die beiden Männer hatten sich im Internet kennengelernt.

Die Staatsanwältin hatte für die beiden Angeklagten Haftstrafen von 14 und vierzehneinhalb Jahren gefordert. Der Krefelder hatte umfassend gestanden und den beiden Mädchen dadurch so die Aussage vor Gericht erspart. Seine Haftstrafe ist vermutlich aus diesem Grund etwas kürzer ausgefallen.

Dagegen hatte der Mann aus Viersen zwar eingestanden, seine Nichte seit 2015 missbraucht zu haben. Er räumte aber nur ein Drittel der angeklagten Fälle ein. Zum Vorwurf des gemeinschaftlichen Missbrauchs schwieg er bis zum Ende. Die Verteidiger der beiden Männer kündigten an, das Urteil anfechten zu wollen. Sie hatten deutlich geringere Strafen gefordert.

Mütter wussten von nichts

Die beiden Männer hatten ihre Taten gefilmt und fotografiert. In beiden Fällen ahnten die Mütter nichts vom Martyrium ihrer Töchter. Der Mann aus Krefeld lebte von der Kindsmutter getrennt und missbrauchte das Mädchen, wenn es bei ihm zu Besuch war. Der Viersener passte regelmäßig auf die kleine Tochter seiner Schwester auf.

Insgesamt waren mehr als 100 Missbrauchsfälle angeklagt. Einige wurden jedoch eingestellt, weil sie nur mithilfe der Opfer hätten aufgeklärt werden können. Das sollte den Mädchen aber erspart bleiben.

Durchsuchung brachte Ermittlungen ins Rollen

Die Angeklagten waren bei Ermittlungen zu dem Missbrauchskomplex Bergisch Gladbach aufgefallen. Sie mussten sich seit Ende April vor Gericht verantworten.

Damals fanden Ermittler bei einer Durchsuchung in Bergisch Gladbach viele digitale Kontakte zu anderen Verdächtigen, denen sie Missbrauch von Kindern vorwerfen.

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. September 2020 um 18:15 Uhr.

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