Dogan Akhanli | Peter Zschunke/dpa

Menschrechtsaktivist Schriftsteller Akhanli gestorben

Stand: 31.10.2021 17:21 Uhr

Der Kölner Schriftsteller und Menschenrechtler Doğan Akhanlı ist im Alter von 64 Jahren gestorben. Er starb nach kurzer, schwerer Krankheit in der Nacht zum Sonntag, wie der WDR aus dem familiären Umfeld erfuhr.

Für Schlagzeilen sorgte Doğan Akhanlı im Jahr 2010. Damals wurde er wegen hanebüchener Vorwürfe bei der Einreise in die Türkei festgenommen und für mehrere Monate inhaftiert. Ihm wurde die Beteiligung an einem Raubüberfall 1989 vorgeworfen. Mit Nachdruck setzte sich die Stadt Köln für seine Freilassung ein. Akhanli lebte seit 1992 in der Stadt.

1957 als Sohn eines Lehrers in der Provinz Artvin am Schwarzen Meer geboren verbrachte Akhanlı seine ersten Lebensjahre in einem kleinen türkischen Dort im Nordosten der Türkei. Mit zwölf Jahren zog er zu einem älteren Bruder nach Istanbul. Später studierte er Geschichte und Pädagogik in Trabzon.

Seit 2001 nur noch deutscher Staatsbürger

Er engagierte sich bei den Kommunisten und ging nach dem Militärputsch in der Türkei 1980 in den Untergrund. Von 1985 bis 1987 saß er als politischer Häftling im Militärgefängnis von Istanbul. 1991 floh er nach Deutschland ins politische Asyl. 1998 wurde er von der Türkei ausgebürgert, weil er eine Rückkehr zum türkischen Militärdienst verweigerte. Seit 2001 besaß er allein die deutsche Staatsbürgerschaft.

Einsatz für Aussöhnung mit Kurden und Armeniern

Doğan Akhanlı setzte sich für eine Aussöhnung von Armeniern, Kurden und Türken ein. Zugleich machte er sich für die Anerkennung des Genozids der Türken an den Armeniern 1915/16 stark. Auch in seinem literarischen Werk thematisierte er den Völkermord an den Armeniern sowie die fehlende Anerkennung des Völkermordes in der Türkei - zum Beispiel in seiner Trilogie "Die verschwundenen Meere".

Der Roman "Der letzte Traum der Madonna" aus dem Jahr 2005 erzählt vom Fall "Struma", eines Schiffes mit über 700 jüdischen Flüchtlingen, das 1942 im Schwarzen Meer versenkt wurde. Das Buch wurde von türkischen Kritikern und Schriftstellern zu den besten zehn Romanen des Jahres 2005 gerechnet.

Internationaler Haftbefehl: Festnahme in Spanien

2017 wurde Doğan Akhanlı in Spanien festgenommen. Der türkische Staat hatte ihn mit internationalem Haftbefehl suchen lassen. Zwar wurde Akhanlı freigelassen, durfte aber erst nach ein paar Monaten aus Spanien zurück nach Deutschland.

Akhanlı erhielt mehrere Auszeichnungen. 2018 wurde er mit dem Europäischen Toleranzpreis für Menschenrechte geehrt, ein Jahr später mit der Goethe-Medaille.

Trauer um Akhanlı ist groß

"Als Präsident trauere ich um das Mitglied des deutschen PEN, als Leser um einen großartigen Schriftsteller, als Weggefährte um einen Streiter für Menschenrechte, Frieden und Aufarbeitung der Verbrechen an den Armeniern", schrieb der amtierende deutsche PEN-Präsident, der Journalist und Schriftsteller Deniz Yücel.

Autor Doğan Akhanlı spricht neben Oberbürgermeisterin Henriette Reker  am 20.10.2017 in Köln bei einer Pressekonferenz. | dpa/Berg

Doğan Akhanlı mit Kölns Oberbürgermeisterin Reker Bild: dpa/Berg

"Er war ein mutiger Kämpfer für Menschenrechte in der Türkei und weltweit", erklärte Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. "Seine Stimme war oft leise, aber seine Botschaft war laut und wurde gehört."

Quelle: wdr.de

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2021 um 20:00 Uhr.