Anhänger und Anhängerinnen der Grünen jubeln | AFP

Wahl zum Abgeordnetenhaus Grüne jubeln in Berlin - SPD auch

Stand: 26.09.2021 19:14 Uhr

In Berlin zeichnet sich bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus ein Kopf-an-Kopf-Rennen ab. Die Grünen liegen laut ARD-Prognose knapp vor der der SPD. Historisch schlecht schneidet demnach die CDU ab. Die AfD büßte massiv ein.

Grüne knapp vor SPD - in Berlin könnte es nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus zu einem Wechsel an der Spitze Landesregierung kommen. Nach der ARD-Prognose von Infratest-dimap erzielen die Grünen ein historisches Ergebnis und werden erstmals stärkste Kraft in dem Bundesland. Ihr Vorsprung vor der SPD ist allerdings mit rund zwei Prozent knapp.

Laut Prognose verzeichnen die Grünen einen deutlichen Zugewinn und springen von 15,2 Prozent bei der vergangenen Wahl 2016 auf 23,5 Prozent - ein Plus von rund acht Prozentpunkten. Damit liegen sie um zwei Prozentpunkte vor der SPD, die laut Prognose auf 21,5 Prozent kommt. Für die Sozialdemokraten bedeutet dieses Ergebnis eine Stagnation gegenüber ihrem Abschneiden von 2016 - damals hatten sie noch 21,6 Prozent erzielt. Beide Parteien bejubelten die ersten Zahlen, verwiesen aber auch auf den engen Abstand aufeinander. Tenor: Es kann eine lange Nacht werden, bis sich die tatsächlichen Stimmenverhältnisse herauskristallisiert haben.

Die dritte Partei der bisherigen Koalition in der Stadt, die Linke, verlor Stimmen - sie landet der Prognose zufolge bei 14,5 Prozent - nach 15,6 Prozent vor fünf Jahren.

CDU historisch schlecht

Für die CDU zeichnet sich dagegen ein historisch schlechtes Ergebnis ab - sie rutscht auf 15 Prozent ab. Bleibt es dabei, würde es einen weiteren Tiefpunkt nach 2016 markieren - damals hatten die Christdemokraten 17,6 Prozent erzielt.

Einen regelrechten Absturz muss die AfD registrieren. Sie landet laut Prognose bei nur noch sieben Prozent - das ist rund die Hälfte des Ergebnisses von 2016 (14,2 Prozent).

Die FDP geht dagegen leicht gestärkt aus der Wahl hervor - sie kommt nach der Prognose auf 7,5 Prozent (2016: 6,7 Prozent). Parteivertreter wiesen am Abend darauf hin, dass dies das bislang zweitbeste Ergebnis der Liberalen in der Stadt sei.

Wer kann mit wem koalieren?

Grünen-Spitzenkandidatin Bettina Jarrasch zeigte sich in einer ersten Reaktion vor Anhängern "überwältigt" von dem Ergebnis. Jarrasch kann nun hoffen, an die Spitze einer neuen Koalition zu treten und Nachfolgerin des bisherigen Regierenden Bürgermeisters Michael Müller (SPD) zu werden, der nicht wieder antrat, um in die Bundespolitik zu wechseln.

Ein grün-rotes Bündnis käme der Prognose zufolge auf 66 von 130 Sitzen im Abgeordnetenhaus - eine Mehrheit von gerade mal einem Sitz. Eine Neuauflage der bisherigen Koalition der Grünen mit SPD und Linken - unter neuer Führung - käme auf eine komfortable Mehrheit von 87 Sitzen. Theoretisch denkbar wäre auch eine grün-rot-schwarzes Bündnis - es würde über 88 Stimmen verfügen. Eine Koalition aus Grünen, SPD und FDP dagegen käme auf 77 Sitze. Beide Kombinationen sind aber wegen der programmatischen Unterschiede nicht sehr wahrscheinlich.

Allerdings haben auch die Sozialdemokraten die Hoffnung nicht aufgegeben, erneut stärkste Partei zu werden und damit wieder den Regierenden Bürgermeister zu stellen."Wir sind an einem Punkt, wo alles rauskommen kann", sagte Spitzenkandidatin Franziska Giffey.

Neben Bundestag und Abgeordnetenhaus wurden in Berlin auch die Bezirksverordnetenversammlungen neu gewählt. Zudem wurde über den Volksentscheid "Deutsche Wohnen & Co. enteignen" abgestimmt. Die Wahlbeteiligung war hoch und begleitet von logistischen Herausforderungen. Vor zahlreichen Wahllokalen bildeten sich lange Schlangen. Wahlberechtigte mussten mitunter länger als eine Stunde vor den Kabinen anstehen. In einigen Wahllokalen wurden zudem die Stimmzettel für die Bezirke vertauscht. In zwei Wahllokalen streikte die elektronische Schließanlage, so dass die Wählerinnen und Wähler nur mit Hilfe der Feuerwehr zu den Kabinen gelangen konnten.

Über dieses Thema berichtete der rbb am 26. September 2021 um ab 17:30 Uhr.