Placido Domingo | Bildquelle: AFP

Belästigungsvorwürfe Opernstar Domingo entschuldigt sich

Stand: 25.02.2020 15:07 Uhr

Bislang hatte er die Vorwürfe zurückgewiesen - nun hat sich Plácido Domingo bei den Frauen entschuldigt, die ihm sexuelle Übergriffe vorgeworfen hatten. Er verstehe jetzt, dass die Sängerinnen Angst um ihre Karriere gehabt hätten.

Ein halbes Jahr nach Bekanntwerden von Vorwürfen sexueller Übergriffe gegen Plácido Domingo hat der spanische Opernstar erstmals Fehlverhalten eingestanden und sich bei den betroffenen Frauen entschuldigt. "Ich möchte, dass sie wissen, dass mir der Schmerz, den ich ihnen zugefügt habe, ehrlich leid tut", erklärte Domingo mit Blick auf die Frauen, die ihm Übergriffe wie aufgezwungene Küsse und Begrapschen vorgeworfen hatten.

"Ich erkenne die volle Verantwortung für meine Taten an", hieß es weiter in der Erklärung, die der 79-Jährige an die spanische Nachrichtenagentur Europa Press schickte und in welche die Nachrichtenagentur AFP Einsicht hatte. Im August hatte die US-Nachrichtenagentur Associated Press Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen den gefeierten Opernsänger publik gemacht.

Insgesamt etwa 20 Frauen haben Domingo mittlerweile vorgeworfen, ihnen Küsse aufgezwungen, sie begrapscht oder ohne ihr Einverständnis gestreichelt zu haben. Domingo hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen und versichert, dass all seine sexuellen Beziehungen und Handlungen "immer willkommen und einvernehmlich" gewesen seien.

Reue oder Strategie?

Nun hat sich der Musiker aber offenbar besonnen. "Ich habe mir in den vergangenen Monaten Zeit genommen, über die Anschuldigungen nachzudenken, die einige Kolleginnen gegen mich erhoben haben", erklärte Domingo. "Ich verstehe jetzt, dass manche Frauen Angst hatten, sich ehrlich auszudrücken aus Furcht, dass ihre Karrieren dann Schaden nehmen könnten. Wenn das auch nie meine Absicht war, sollte sich niemand je so fühlen müssen." Die Fälle reichen bis in die 1980er-Jahre zurück. In Medienberichten hatte es geheißen, Domingos Verhalten sei lange folgenlos geblieben, weil er als einer der größten Opernstars der Welt unantastbar schien.

Jetzt will der Spanier nach eigenem Bekunden zu einem Mentalitätswandel beitragen: Er wolle hinarbeiten auf einen "positiven Wandel in der Opernbranche, damit niemand mehr dieselbe Erfahrung machen muss", erklärte er. Es sei sein "inniger Wunsch, dass das Ergebnis ein sicherer Arbeitsplatz für alle in der Opernbranche" sei. Mit seinem "Beispiel" wolle er andere ebenfalls dazu ermutigen.

Absagen in den USA, Auftritt in Europa

Die Vorwürfe der sexuellen Übergriffe haben insbesondere Domingos Karriere in den USA geschadet. So sah er sich gezwungen, all seine Auftritte an der New Yorker Met abzusagen. Auch Konzerte des Spaniers in Philadelphia, San Francisco und Dallas wurden gestrichen. Anfang Oktober trat Domingo als Generaldirektor der Oper von Los Angeles zurück.

In Europa trat Domingo nach Bekanntwerden der Vorwürfe hingegen weiterhin auf. Bei den Salzburger Festspielen Ende August erntete der Sänger, der früher Tenor war und mittlerweile Bariton singt, großen Jubel und viel Applaus. Es folgten Auftritte im ungarischen Szeged und im Oktober in Zürich und Moskau.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 25. Februar 2020 um 17:15 Uhr in den Nachrichten.

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