Ein Polizeiauto vor dem Gerichtsgebäude in Amsterdam, in dem der Prozess um den Mord am Journalisten de Vries stattfindet. | AFP

Mord an Starjournalist Mutmaßliche De-Vries-Mörder vor Gericht

Stand: 18.10.2021 12:32 Uhr

Anfang Juli hatte das Attentat in der Amsterdamer Fußgängerzone die Niederlande erschüttert: Schüsse trafen den Starjounalisten de Vries, der später im Krankenhaus starb. Nun hat der Mordprozess begonnen.

Von Ralf Lachmann, ARD-Studio Den Haag

Die beiden Männer, die auf der Anklagebank des Gerichts in Amsterdam sitzen, müssen sich wegen Mordes an dem Starjournalisten Peter de Vries Anfang Juli in Amsterdam verantworten. Dass sie auch im Auftrag eines mächtigen Drogenkartells gehandelt haben, muss erst die Verhandlung erweisen. Davon aber gehen viele Prozessbeobachter aus.

Regierung und Königshaus in den Niederlanden sprachen von einem Anschlag auch auf den Rechtsstaat. Und Justizminister Fred Grapperhaus schloss ebenfalls nicht aus, dass die Drogenmafia ein weiteres Attentat beauftragt hatte. "Ein Monster, das weiter um sich beißt, wenn wir nichts machen", sagte er. "Und wir müssen es jetzt anpacken."

Angeklagt sind der der mutmaßliche 22-jährige Schütze aus Tiel und sein 35-jähriger Komplize aus Maurik. Dieser soll den Fluchtwagen gefahren haben, in dem beide Angeklagte schon kurze Zeit nach dem Attentat auf der Autobahn gestoppt wurden.

Kampf auch gegen Organisierte Kriminalität

Die Schüsse auf de Vries mitten in einer belebten Amsterdamer Fußgängerzone hatten die Niederländer schockiert. Erst recht, als der TV-Journalist rund eineinhalb Wochen später im Krankenhaus starb. Er wurde von einem Millionenpublikum bewundert. Mit seiner eigenen TV-Fahndungssendung hatte er sich als Aufklärer und Vorkämpfer für Gerechtigkeit einen Namen gemacht.

Peter R. de Vries (Archivbild: Januar 2008). | AP

"Die Sendung, die aufspürt, demaskiert, anklagt, verteidigt", beschrieb der Journalist de Vries seine eigene Fernsehsendung. Bild: AP

De Vries' Karriere hatte mit seinem Buch über die Entführung des Bier-Milliardärs Heineken begonnen. In den letzten Jahren kämpfte er zunehmend auch gegen die Organisierte Kriminalität - und er stand auf einer Todesliste der Drogenmafia, sprach auch öffentlich darüber: "Ich bin wohl wachsam, aber habe keine Angst", sagte er. "Hätte ich Angst, wäre ich ein Chirurg, der mit zitternden Händen operiert. Und dabei heraus kommen meistens nicht die besten Operationen."

Warum kein Personenschutz?

Weshalb de Vries keinen Personenschutz hatte, ist noch immer nicht abschließend geklärt. Drahtzieher des Attentats auf ihn soll ein Drogenmafiaboss sein, gegen den schon seit 2019 in den Niederlanden ein Prozess läuft. Den Kronzeugen in diesem Gerichtsverfahren hatte de Vries bis zuletzt beraten. Der Anwalt und der Bruder dieses Zeugen waren zuvor auch erschossen worden. Weitere Auftragsmorde sollen ebenfalls auf das Konto dieses Drogenkartells gehen, berichten niederländische Medien.

Die beiden jetzt angeklagten mutmaßlichen Attentäter sollen auch von Überwachungskameras gefilmt worden sein. Bislang aber schweigen sie, auch was ihre potentiellen Auftraggeber betrifft. Fraglich ist ob sie vor Gericht aussagen werden.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Oktober 2021 um 16:00 Uhr.