Ein russischer Soldat bewacht einen Getreidespeicher im Hafen von Mariupol.
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Krieg gegen die Ukraine + Russland zeigt offenbar falsche Atombelege +

Stand: 26.10.2022 22:20 Uhr

Russland hat mit offenbar falschen Fotos versucht, den Bau einer "schmutzigen" Bombe durch die Ukraine zu beweisen. Die UN haben Hoffnung auf eine Verlängerung des Getreideabkommens. Die Entwicklungen vom Mittwoch zum Nachlesen.

26.10.2022 • 22:19 Uhr

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Mit offenbar falschen Fotos hat das russische Außenministerium versucht, den Eindruck zu erwecken, dass es Beweise für den Bau einer "schmutzigen" - also atomar verseuchten - Bombe in der Ukraine habe. Eines der Bilder, das auf dem englischsprachigen Twitter-Account des Ministeriums auftauchte, gehöre der slowenischen Agentur für radioaktive Abfälle und stamme aus dem Jahr 2010, berichtete die Internetzeitung "Ukrajinska Prawda". Der russische Vorwurf eines geplanten Einsatzes einer radioaktiven Bombe durch Kiew wird im Westen als möglicher Vorwand für eine weitere Eskalation des Kriegs gedeutet. Kiew weist die Vorwürfe zurück.

"Entwicklung der 'schmutzigen Bombe'" ist das Foto überschrieben. Darin sind Elemente in Plastikbeuteln zu sehen, die mit dem Warnsymbol für Radioaktivität gekennzeichnet sind. Atomexperten der slowenischen Regierung haben das Bild als erstes wiedererkannt: Auf dem Foto seien Rauchdetektoren zu sehen, hieß es. Es sei für Präsentationen verwendet worden, teilte die slowenische Regierung per Twitter mit. "Radioaktiver Abfall in Slowenien wird sicher verwahrt und ist unter Beobachtung. Er wird nicht für den Bau von 'schmutzigen Bomben' verwendet", zitierte die Regierung zudem den Chef der Behörde für radioaktive Abfallentsorgung, Sandi Viršek.

Seit Anfang der Woche warnt die russische Regierung, vor einer angeblich radioaktiven Bombe in den Händen Kiews. Deren Einsatz auf ukrainischem Territorium soll demnach dazu gedacht sein, Moskau zu diskreditieren. Westliche Regierungen wiesen die Anschuldigungen als unglaubwürdig zurück.

Der Kreml hat die Tür für Gespräche über einen Gefangenenaustausch unter Beteiligung der US-Basketballerin Brittney Griner offen gelassen. Moskau betonte jedoch, derartige Gespräche müssten strikt vertraulich ablaufen. Auf die Frage, ob Griner im Rahmen eines Gefangenenaustauschs mit den USA freigelassen werden könnte, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow: "Wir sagen stets, dass alle Kontakte über mögliche Austausche nur im Stillen unter strenger Geheimhaltung aller Informationen erfolgen können."

Ein russisches Gericht hatte am Dienstag die Berufung der zweimaligen Olympia-Goldmedaillengewinnerin und Spielerin des WNBA-Teams Phoenix Mercury gegen ihre Verurteilung zu neun Jahren Haft abgelehnt. Griner war im Februar bei ihrer Ankunft am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden, nachdem in ihrem Gepäck sogenannte Vape-Kartuschen mit Cannabisöl gefunden worden waren.

Die Kultur- und Satelliten-Organisationen der Vereinten Nationen haben eine erste Liste von mehr als 200 beschädigten oder zerstörten Kulturstätten in der Ukraine zusammengestellt. Sie hatten sich zusammengeschlossen, um die Auswirkungen der russischen Invasion auf Architektur, Kunst, historische Gebäude und anderes kulturelles Erbe der Ukraine systematischer zu verfolgen. Man finalisiere zurzeit eine Datenbank, in der die Zerstörung festgehalten würde.

Nach Gesprächen in Moskau und Washington haben die Vereinten Nationen Hoffnung auf eine Verlängerung des Abkommens für den Export ukrainischen Getreides über das Schwarze Meer. "Wir sind sehr daran interessiert, dass dies jetzt umgehend erneuert wird. Es ist wichtig für den Markt. Es ist wichtig für die Kontinuität. Und ich bin immer noch relativ optimistisch, dass wir das schaffen werden", sagte der UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths. Ohne eine Erneuerung würde das Abkommen am 18. November auslaufen.

Zuvor hatte Russland mehrfach damit gedroht, die wichtige Vereinbarung - unter der seit Ende Juli etwa neun Millionen Tonnen Getreide aus dem Kriegsland verschifft wurden - platzen zu lassen. Griffiths betonte, er habe nach Treffen mit Regierungsvertretern in Moskau ein gutes Verständnis der Probleme mit dem Abkommen dort. Russland beklagt immer wieder, dass eine parallele Einigung zur verbesserten Ausfuhr von Getreide sowie vor allem Dünger auch aus Russland nicht funktioniere, weil der Export indirekt oftmals an EU-Sanktionen scheitere. Auch in Washington habe es "sehr nützliche Gespräche" gegeben, betonte Griffiths. Infolge des Ende Februar begonnenen russischen Angriffskriegs war in der Ukraine monatelang Getreide in den Häfen des Schwarzen Meeres blockiert gewesen. Seit Juli sind drei ukrainische Häfen wieder für die Ausfuhr von Lebensmitteln geöffnet.

Die Ukraine hofft auf umfangreiche deutsche Hilfen gegen Kälte und Stromausfälle im kommenden Winter. Zwei von dem Energieministerium in Kiew erstellte Listen mit benötigten Waren seien an die Bundesregierung übermittelt worden, sagte die Co-Vorsitzende der deutsch-ukrainischen Parlamentariergruppe, Halyna Jantschenko, in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Auf den Wunschlisten stehen unter anderem Geräte für Umspannwerke, Nutzfahrzeuge, rund 350 Kilometer Kabel, knapp 2600 Stromgeneratoren sowie rund 3250 Heizgeräte. Viele dieser Waren würden von deutschen Unternehmen wie Siemens Energy hergestellt. Jantschenko forderte das Unternehmen auf, mit der Lieferung der Waren seiner gesellschaftlichen Verantwortung nachzukommen. Indem die deutsche Regierung ein Teil der Kosten übernehme, könnte auch sie einen Beitrag leisten. Das Ministerium für Wirtschaft- und Klimaschutz (BMWK) in Berlin lehnte eine Stellungnahme ab.

Russland hat nach ukrainischen Angaben gestern mehr als 40 ukrainische Orte unter Beschuss genommen. Der Generalstab der ukrainischen Armee erklärte bei Facebook, die russischen Streitkräfte hätten fünf Raketen abgefeuert, 30 Luftangriffe geflogen und bei mehr als 100 Attacken Mehrfachraketenwerfer-Systeme abgefeuert.

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Polen bereitet sich angesichts russischer Äußerungen auf einen möglichen russischen Angriff mit Atom- oder Chemiewaffen in der benachbarten Ukraine vor. Der stellvertretende Verteidigungsminister Marcin Ociepa sagte dem polnischen Fernsehsender TVP1, die Lage werde genau beobachtet, da russische Truppen in den besetzten ukrainischen Gebieten unter erheblichem militärischen Druck stünden und Kreml-Chef Wladimir Putin deshalb "nach nuklearen oder chemischen Waffen greifen könnte". Polen müsse auf alle Szenarien vorbereitet sein.

Die Ukraine hat die Heimkehr weiterer zehn ihrer Soldaten aus russischer Kriegsgefangenschaft erreicht. Ein Offizier und neun Soldaten im Mannschaftsrang seien freigelassen worden, teilte der Chef des ukrainischen Präsidialamtes, Andrij Jermak, am Mittwoch auf Telegram mit. Zudem sei der Leichnam eines US-Bürgers übergeben worden, der aufseiten der Ukraine gekämpft habe und im Juli getötet worden sei. Jermak machte keinen Angaben dazu, welche Gegenleistung die Ukraine erbracht hat.

Vergangene Woche waren 108 ukrainische Soldatinnen aus russischer Gefangenschaft freigelassen worden, 110 russische Soldaten kehrten in ihre Heimat zurück. Der Austausch von Gefangenen ist einer der wenigen Gesprächsfäden, die es zwischen Kiew und Moskau noch gibt.

Die atomaren Drohungen Russlands werden die NATO nach Angaben von Generalsekretär Jens Stoltenberg nicht von einer weiteren Unterstützung der Ukraine abhalten. Das Bündnis lasse sich nicht einschüchtern oder davor abschrecken, das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine solange wie nötig zu unterstützen, sagte er. Die ukrainischen Streitkräfte würden jede Woche stärker und besser ausgestattet.

Als ein Ziel der Unterstützung der Ukraine nannte Stoltenberg, das Land für spätere Verhandlungen mit Russland so gut wie möglich aufzustellen. "Die meisten Kriege enden am Verhandlungstisch und gleichzeitig wissen wir, dass das, was die Ukraine am Verhandlungstisch erreichen kann, völlig von der Stärke auf dem Schlachtfeld abhängt", erklärte er. Je stärker die Ukraine auf dem Schlachtfeld sei, desto wahrscheinlicher sei eine politische Lösung, die ein Überleben der Ukraine als souveräne unabhängige Nation in Europa gewährleiste.

Die ukrainische Gegenoffensive im Süden des Landes erweist sich nach Angaben des Verteidigungsministeriums schwieriger als die Offensive im Nordosten. Das regnerische Wetter und das Gelände erschweren die Rückeroberung der von Russland besetzten Gebiete in der Region Cherson, sagt Verteidigungsminister Olexij Resnikow. In der landwirtschaftlich geprägten Region würden Wasserversorgungskanäle von russischen Truppen als Schützengräben genutzt. Im September hatte die Ukraine eine erfolgreiche Gegenoffensive in der nordöstlichen Region Charkiw vorangetrieben.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat die von ihm erklärte grundsätzliche Gesprächsbereitschaft des russischen Präsidenten Wladimir Putin begrüßt. "Wir wissen nicht, was diese Worte bedeuten, welche Grundlage sie haben und welche Entwicklung sie nehmen können. Aber wenn sich eine kleine Lücke auftut, werden wir sie auf jeden Fall nutzen", sagte der laut italienischen Medien.

Der Kreml hatte zuvor eine grundsätzliche Bereitschaft zu Gesprächen über die Ukraine mit den USA, mit Frankreich und mit Papst Franziskus erklärt. Russland sei "offen für alle Kontakte", sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut russischen Nachrichtenagenturen. Man müsse aber bedenken, dass Kiew Verhandlungen ausgeschlossen habe.

Russland untersagt den Handel mit Aktien oder Aktienkapital von Banken mit Sitz in als "unfreundlich" eingestuften Ländern. Die am Mittwoch veröffentlichte Liste umfasst 45 Institute, darunter Russland-Töchter der italienischen Großbanken Intesa und Unicredit, der schweizerischen Credit Suisse, der österreichischen Raiffeisen Bank und der US-amerikanischen Citibank sowie die russische Yandex-Bank und die Ozon-Bank.

Russland bezeichnet Staaten als "unfreundlich", die wegen des Ukraine-Kriegs Sanktionen verhängt haben. Westliche Länder und Verbündete haben auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit umfassenden Strafmaßnahmen reagiert. Moskau antwortete daraufhin unter anderem mit Hürden für westliche Konzerne, die Russland verlassen wollen.

In der Gegend um die strategisch wichtigen ukrainischen Orte Kreminna und Swatowe sind laut der russischen Besatzungsverwaltung schwere Kämpfe im Gange. Die Orte liegen in der besetzten ostukrainischen Region Luhansk, nicht weit von der Frontlinie entfernt. Seit dem russischen Rückzug aus der angrenzenden Region Charkiw gelten die beiden Orte als die nächsten größeren Ziele der ukrainischen Gegenoffensive in dem Gebiet. Vor allem Swatowe ist ein Verkehrsknotenpunkt und daher strategisch bedeutsam.

Dunkelgrün: Vormarsch der russischen Armee. Schraffiert: von Russland annektierte Gebiete.

Dunkelgrün: Vormarsch der russischen Armee. Schraffiert: Von Russland annektierte Gebiete.

Der russische Staatschef Wladimir Putin hat einer Übung der "strategischen Abschreckungskräfte" der russischen Armee beigewohnt, die im Falle eines atomaren Angriffs reagieren sollen. "Unter der Führung des Oberbefehlshabers der Streitkräfte, Wladimir Putin, haben die strategischen Abschreckungskräfte am Boden, zu Wasser und in der Luft ein Training abgehalten", teilte der Kreml mit.

Dabei seien auch ballistische Raketen und Marschflugkörper abgefeuert worden. Unter anderem wurden demnach ballistische Raketen von der Halbinsel Kamtschatka und aus den Gewässern der Barentssee in der Arktis aus abgefeuert. An der Übung waren auch Langstreckenbomber vom Typ Tu-95 beteiligt.

Putin wiederholte bei der Gelegenheit auch die unbelegten russischen Vorwürfe, die Ukraine würde den Einsatz einer sogenannten "schmutzigen Bombe" vorbereiten, die mit radioaktivem Material versetzt sei.

In der vergangenen Woche hatte die NATO ihre jährliche Übung in Europa begonnen, bei der die Verteidigung des NATO-Gebiets mit Atomwaffen geübt wird.

Vermögenswerte in den vier jüngst von Russland annektierten ukrainischen Regionen könnten nach Angaben des Präsidialamtes in Moskau an russische Unternehmen übertragen werden. Es sei offensichtlich, dass "aufgegebene Vermögenswerte" nicht inaktiv gelassen werden könnten, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die russische Regierung werde sich mit dem Problem befassen.

Die Annexion der ukrainischen Regionen Luhansk und Donezk, die zusammen den industriell geprägten Donbass bilden, sowie von Saporischschja und Cherson wird international nicht anerkannt.

Nach einem ähnlichen Gespräch mit Indiens Regierungsvertreter soll der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu auch mit seinem chinesischen Amtskollegen telefoniert haben. Das meldet die Nachrichtenagentur Reuters. Schoigu soll sich besorgt über "mögliche Provokationen durch die Ukraine, die den Einsatz einer schmutzigen Bombe beinhalten" geäußert haben, hieß es unter Bezug auf Schoigus Ministerium.

Das Bundeskabinett hat neue Instrumente zur besseren Durchsetzung von Sanktionen etwa gegen russische Oligarchen auf den Weg gebracht - mit der Verabschiedung des Entwurfs eines zweiten Sanktionsdurchsetzungsgesetzes (SDG II). Unter anderem soll eine neue Zentralstelle die Arbeit der in Deutschland zuständigen Behörden koordinieren, wie das Finanzministerium mitteilte. Diese Stelle soll auch Tipps von Hinweisgebern entgegennehmen. Wenn ein Unternehmen gegen Sanktionen verstößt oder zu verstoßen droht, soll sie einen Sonderbeauftragten zur Überwachung einsetzen können.

Teil der geplanten Instrumente ist laut Finanzministerium zudem ein Register über die Vermögenswerte sanktionierter Personen. Auch Eigentumsverhältnisse im Immobilienbereich sollen transparenter werden, um die Suche nach Besitzern zu erleichtern. Im Zuge des Kampfs gegen Geldwäsche plant die Bundesregierung des Weiteren ein Bargeldverbot für den Kauf von Immobilien. Auch, wenn ein Grundstück mit Kryptowährungen und Rohstoffen wie Gold bezahlt wird, soll der Kauf ungültig sein.

Als nächstes befassen sich Bundestag und Bundesrat mit den Plänen.

Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hat laut Angaben der Nachrichtenagentur Reuters ein Telefonat mit seinem indischen Amtskollegen geführt. Darin sei es um Russlands Besorgnis über den möglichen Einsatz einer "schmutzigen Bombe" durch die Ukraine gegangen, hieß es den Angaben zufolge aus dem russischen Ministerium. Seit Sonntag hatte Schoigu mit den NATO-Verteidigungsministern mehrere Telefonate zum gleichen Thema geführt.

Die Ukraine und ihre westlichen Verbündeten haben die Behauptung Russlands zurückgewiesen, dass Kiew den Einsatz einer radioaktiven "schmutzigen Bombe" vorbereite, und ihre Besorgnis darüber geäußert, dass Moskau dies als Vorwand für eine weitere Eskalation des Krieges nutze.

Die Ukraine hat zur Abwehr russischer Raketen- und Drohnenangriffe und als Sicherheitsgarantie für die Zukunft erneut den Ausbau von Luftverteidigung gefordert. Die unverzügliche Lieferung einer ausreichenden Zahl an Mitteln für die Flugabwehr sei dringend notwendig, um den "russischen Raketenterror" zurückzuschlagen, sagte der Chef des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, nach Gesprächen mit den nationalen Sicherheitsberatern der USA, Großbritanniens und Frankreichs in Kiew. Die Entwicklung eines effektiven Systems der Flugabwehr müsse eines der Elemente für die Sicherheitsgarantien der Ukraine sein.

Nach Darstellung Jermaks laufen weiter Gespräche in einer internationalen Expertengruppe über die Schaffung von Sicherheitsgarantien für die Ukraine. Demnach soll ein Positionspapier dazu entstehen, wie die Ukraine über solche Garantien künftig als Nachbar von Russland existieren könne.

Die SPD-Vorsitzende Saskia Esken dringt wegen der bevorstehenden deutschen Zahlungen für den Wiederaufbau der Ukraine auf eine Vermögensabgabe für Superreiche. Die geplanten Hilfen seien ein starkes Zeichen der Solidarität, sagte Esken den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. "Zur Finanzierung eines handlungsfähigen, solidarischen Staates, der die Gesellschaft in unserem Land zusammenhält, den Wiederaufbau in der Ukraine unterstützt und gleichzeitig nicht die Augen vor der globalen Hungerkrise verschließt, müssen wir eine solidarische Vermögensabgabe der Superreichen endlich umsetzen", sagte die SPD-Vorsitzende. Es gebe unter ihnen auch Bereitschaft für einen solidarischeren Beitrag.

Über das Leid in der Ukraine hinaus bringe der Krieg Menschen und Unternehmen in Europa durch steigende Energie- und Lebensmittelkosten in existenzielle Nöte, so Esken weiter. Eine genaue Einkommenshöhe für die geforderte Abgabe nannte sie nicht. Gefordert hatte eine Vermögens - sowie eine Änderung der Erbschaftssteuer im Sommer etwa Bundestagspräsidentin Bärbel Bas, ebenfalls SPD.

Am Dienstag fand eine internationale Konferenz zur Finanzierung des Wiederaufbaus in Berlin statt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bat dabei die Weltgemeinschaft um Hilfe bei der Deckung des 2023 erwarteten Milliarden-Haushaltsdefizits.

Der Automobilhersteller Mercedes Benz will sich laut einer Meldung der Nachrichtenagentur Reuters vom russischen Markt zurückziehen. Anteile an Industrie- und Finanzdienstleistungstöchtern sollten den Angaben zufolge an einen lokalen Investor verkauft werden. Ein Unternehmenssprecher sagte demnach, die Beteiligung des Unternehmens am russischen LKW-Hersteller Kamaz sei von der beabsichtigten Transaktion nicht betroffen und solle wie geplant noch in diesem Jahr an das Subunternehmen Daimler Truck übertragen werden.

Das britische Verteidigungsministerium schreibt in seinem täglichen Geheimdienst-Update von einem "breiteren Trend von Dissidentenangriffen auf Eisenbahnen sowohl in Russland als auch in Weißrussland." Am 24. Oktober habe der Gouverneur der russischen Region Belgorod bekanntgegeben, dass ein Sprengsatz Eisenbahn-Infrastruktur etwa 15 Kilometer von der russisch-belarussischen Grenze entfernt beschädigt habe. Eine russische Antikriegsgruppe namens "Stop the Wagons" (STW) habe die Verantwortung für den Sabotageakt übernommen - zum mindestens sechsten Mal seit Juni.

Das russische Militär verlasse sich hauptsächlich auf den Schienentransport, um Streitkräfte in die Ukraine zu entsenden, heißt es in dem Twitter-Post weiter. Aber mit einem Netzwerk, das sich über 33.000 km erstrecke und größtenteils durch abgelegene Gebiete führe, sei es äußerst schwierig, das System gegen physische Bedrohungen zu sichern.

Das britische Verteidigungsministerium veröffentlicht seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine Ende Februar unter Berufung auf Geheimdienstinformationen täglich Informationen zum Kriegsverlauf. Moskau wirft London eine gezielte Desinformationskampagne vor.

Um die aufgrund des russischen Krieges stark gestiegenen Kosten für Energie und Lebensmittel zu drücken, will die EU die Lieferketten mit Lateinamerika ausbauen. Die Produktion von Nahrung und Energie spiele eine strategische Rolle. Auf einen entsprechenden Beschluss mit Argentinien einigten sich schon der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell und der argentinische Außenminister Santiago Cafiero in Buenos Aires. Argentinien bot sich als Lieferant von grüner Energie, Lebensmitteln und strategisch wichtigen Rohstoffen an.

Am Donnerstag kommen Außenminister aus der EU und der Gemeinschaft der lateinamerikanischen und karibischen Staaten (Celac) in Buenos Aires zu einem Treffen zusammen. "Die Zusammenarbeit zwischen Celac und der EU ist in diesen Zeiten der Unsicherheit sehr wichtig. Gemeinsam können wir sichere und faire Lieferketten aufbauen", sagte Cafiero. Borrell warb dafür, das derzeit auf Eis liegende Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur endlich umzusetzen.

Ein hochrangiger ukrainischer Beamter sagt für die teilweise von Russland besetzte Südprovinz Cherson "die schwersten Kämpfe" voraus. "Die Lage um Cherson ist eindeutig. Die Russen stocken auf und verstärken ihre Gruppierung dort", sagte Olexij Arestowytsch, Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, in einem Online-Video. "Das bedeutet, dass sich niemand auf einen Rückzug vorbereitet. Im Gegenteil, die schwersten Gefechte werden um Cherson stattfinden."

Konfliktparteien als Quelle

Angaben zu Kriegsverlauf, Beschuss und Opfern durch offizielle Stellen der russischen und der ukrainischen Konfliktparteien können in der aktuellen Lage nicht unmittelbar von unabhängiger Stelle überprüft werden.

Bernd Musch-Borowska, NDR, zzt. Kiew, 26.10.2022 06:31 Uhr

Der UN-Sicherheitsrat hat über die wiederholten russischen Anschuldigungen beraten, die Ukraine plane den Einsatz einer "schmutzigen Bombe". Russland fordert eine Untersuchung zu angeblichen Biowaffen-Laboren.

Nach Einschätzung des Leiters der Münchner Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen, will der russische Präsident Wladimir Putin mit seinen Atom-Drohungen im Ukraine-Krieg vor allem Einfluss auf Deutschland ausüben. "Mit der Atomwaffen-Drohung zielt er in erster Linie auf Deutschland", sagte Heusgen den Zeitungen der Mediengruppe Bayern.

Putin versuche, mit dieser Drohung Ängste zu schüren und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen. "Wir sind zurück in der Logik des Kalten Krieges." Die Amerikaner hätten Moskau klar zu verstehen gegeben, dass der Einsatz von Atomwaffen katastrophale Konsequenzen für Russland hätte, sagte Heusgen.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass es selbstmörderische russische Generäle gibt, die eine solche Anordnung umsetzen würden." Außerdem wolle sich der Kremlchef nicht in eine weltweite Isolation begeben. Auch China könne den Einsatz von Atomwaffen nicht durchgehen lassen.

Der israelische Präsident Izchak Herzog hat nach eigenen Angaben den USA Geheimdienstinformationen zur Verfügung gestellt, die den Einsatz durch Russland gesteuerter iranischer Drohnen im Ukraine-Krieg belegen sollen. "Iranische Waffen spielen eine Schlüsselrolle dabei, unsere Welt zu destabilisieren", sagte Herzog bei einem Besuch in den USA.

US-Außenminister Antony Blinken sagte, die Lieferung von Drohnen durch den Iran an Russland habe in der Ukraine "grauenhafte Folgen". Herzog sagte, die internationale Gemeinschaft müsse "ihre Lektionen lernen" und mit dem Iran in  "harter, einiger und kompromissloser Sprache" sprechen, sagte Herzog weiter.

Laut dem israelischen Präsidentenbüro teilte Herzog mit den USA Bilder, die Ähnlichkeiten zwischen in der Ukraine abgeschossenen Drohnen und im Iran im Dezember 2021 getesteten und 2014 bei einer Ausstellung präsentierten Bestandteilen aufwiesen. 

An seinem ersten Abend als britischer Premierminister hat Rishi Sunak mit den Präsidenten der USA und der Ukraine eine enge Zusammenarbeit vereinbart. Sunak telefonierte erst mit Wolodymyr Selenskyj - und sicherte ihm weitere Unterstützung zu -, dann mit US-Präsident Biden.

Die beiden seien sich einig über die "Wichtigkeit, bei der Unterstützung der Ukraine zusammenzuarbeiten und Russland für seine Aggression zur Rechenschaft zu ziehen", erklärte das Weiße Haus.

An die Ukraine sollen weitere Flugabwehrsysteme geliefert werden, das fordert der Grünen-Politiker Hofreiter. Der Bundespräsident hat sich in Kiew mit Bürgermeister Klitschko getroffen. Die Entwicklungen vom Dienstag zum Nachlesen.