Ein abgerissener Brückenkopf ist am Ufer der Ahr neben einem Hotel in Bad Neuenahr zu sehen.  | dpa
Liveblog

Hochwasser in Deutschland ++ Mindestens 110 Tote im Raum Ahrweiler ++

Stand: 18.07.2021 07:36 Uhr

Die Koblenzer Polizei rechnet damit, dass allein in Ahrweiler und Umgebung mindestens 110 Menschen ums Leben gekommen sind. Die niederländischen Behörden wollen die Schleusen der Rur in Roermond nicht öffnen. Die Ereignisse im Liveblog.

  • Polizei: 110 Tote in Ahrweiler und Umgebung
  • Katastrophenfall in Oberbayern ausgerufen
  • Bahnstrecke in Sächsischer Schweiz gesperrt
  • Scholz kündigt Soforthilfe für Flutopfer von mehr als 300 Millionen Euro an
  • Gebirgsbach nahe Oberstdorf durch Holzmassen gefährlich angestaut
18.7.2021 • 07:36 Uhr

Pegel in Passau steigen - Polizei schleppt vorsorglich Autos ab

Im bayerischen Passau steigen die Wasserstände der Flüsse stündlich weiter an. Die Polizei schleppte vorsorglich Autos an Parkplätzen an der Donau ab, wie eine Sprecherin sagte. Anwohner hätten trotz Hochwasserwarnungen versäumt, ihre Fahrzeuge umzuparken. "Wenn wir sie nicht abschleppten, dann schwimmen die Dinger bis Österreich", sagte die Polizeisprecherin. Der Pegel der Donau war nach Angaben des Hochwassernachrichtendienstes im Laufe des Samstags um fast zwei Meter auf 7,80 Meter gestiegen. Der Wasserstand der Inn stieg in den vergangenen zwölf Stunden von 3,30 auf 5,40 Meter. 

18.7.2021 • 05:32 Uhr

Polizei: 110 Tote in Ahrweiler und Umgebung

Bei der Flutkatastrophe sind allein in und um Ahrweiler mindestens 110 Menschen ums Leben gekommen. Dies teilt das Polizeipräsidium in Koblenz mit. Mindestens 670 Menschen wurden verletzt. Es sei zu befürchten, dass sich die Zahl der Todesopfer und Verletzten noch erhöhe. Die Polizei sei die ganze Nacht mit vielen Kräften im Ort im Einsatz gewesen. Zahlreiche Straßen im Ahrtal blieben weiterhin gesperrt.

18.7.2021 • 03:32 Uhr

Gebirgsbach nahe Oberstdorf durch Holzmassen gefährlich angestaut

Der heftige Regen hat in den Allgäuer Alpen nahe Oberstdorf in einem Tal zu einem bedrohlichen Anschwellen eines Baches geführt. Im Stillachtal habe sich durch querliegendes Holz das Wasser gefährlich angestaut, sagte der Kommandant der Oberstdorfer Feuerwehr, Peter Vogler. Sollte sich diese natürlichen Sperre plötzlich lösen, könne es eine Flutwelle in Richtung Oberstdorf geben.

Die Feuerwehr stelle zum Schutz Betonbarrieren beim Langlaufstadion südlich des Ortskerns von Oberstdorf auf. Sie sollen mögliche Wassermassen umleiten. Rund 60 Feuerwehrleute seien im Einsatz. Die Feuerwehr versuche, durch Abpumpen von Wasser den Druck zu nehmen. Schweres Gerät wie Bagger könne man aber nicht an der Staustelle einsetzen.

18.7.2021 • 03:23 Uhr

Städte und Gemeinden fordern Reform des Bevölkerungsschutzes

Nach der Flutkatastrophe im Westen Deutschlands fordert der Städte- und Gemeindebund eine grundlegende Reform des Bevölkerungsschutzes. "Die Katastrophe zeigt einmal mehr, dass wir den zivilen Bevölkerungsschutz neu, besser und nachhaltiger aufstellen müssen", sagte der Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe müsse verstärkt und die Frühwarnsysteme verbessert werden. Auch die Eigenvorsorge müsse gefördert werden. So müsse jeder Haushalt über ein batteriebetriebenes Radio verfügen. Das richtige Verhalten in Gefahrensituationen, wie das Abstellen von Strom und Gas, das Nichbetreten von Kellerräumen und das Vorhalten von Lebensmittelreserven müsse Standard werden.

18.7.2021 • 01:29 Uhr

Mindestens ein Todesopfer durch Fluten in oberbayerischem Kreis

Durch das Hochwasser ist eine Person in Berchtesgaden ums Leben gekommen. Das bestätigte eine Sprecherin des Landratsamts Berchtesgadener Land dem BR. Bei einem weiteren Todesfall in Bischofswiesen steht der direkte Zusammenhang noch nicht fest.

18.7.2021 • 01:02 Uhr

Karliczek will Forschung zu Extremwetter-Phänomenen ausweiten

Nach der Hochwasserkatastrophe fordert Bundesforschungsministerin Anja Karliczek, die Vorsorge für solche Wetterextreme mithilfe der Forschung zu verbessern. "Auch als Lehre aus der Unwetter-Katastrophe im Westen Deutschlands muss die Forschung zu solchen Extremwetter-Ereignissen in den nächsten Jahren weiter ausgebaut werden", sagte die CDU-Politikerin den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Ziel muss eine Verbesserung der Vorhersage und Vorsorge sein."

Die Ministerin warnte, der Trend zur steigenden Anzahl und Intensität von Extremwetter-Ereignissen halte auch als Folge des Klimawandels unvermittelt an. "Im Schnitt haben sich diese Ereignisse extremer Niederschläge, Hitze oder Sturm in den letzten dreißig Jahren nahezu verdoppelt." Es gehe darum, Extremwetter noch genauer in den Regionen vorherzusagen und darauf aufbauend Risikopläne für Hochwasser und Hitze zu erstellen. "Ziel muss sein, auch in kleineren Gemeinden verstärkt Vorsorge zu treffen, um im Ernstfall schnell und wirksam handeln zu können."

Entsprechende Initiativen seien durch die Förderung des Bundesforschungsministeriums bereits gestartet. Derzeit flössen pro Jahr rund 65 Millionen Euro in die grundlagen- und anwendungsorientierte Forschung zu Klimaauswirkungen und -anpassungen. "Nach der Katastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sollten wir darüber nachdenken, die Initiativen im Bund und den Ländern noch einmal zu verstärken."

18.7.2021 • 00:44 Uhr

Zwei Tote im Hochwassergebiet in Oberbayern

Zwei Menschen sind im Hochwassergebiet in Oberbayern gestorben. Es sei aber noch unklar, ob deren Tod in Zusammenhang mit dem Hochwasser stehe, sagte die Sprecherin des Landratsamt Berchtesgadener Land, Alexandra Rothenbuchner. Einzelne Häuser mussten wegen des Unwetters geräumt werden, sagte sie. Aktuell sei aber niemand in seinem Haus eingeschlossen.

18.7.2021 • 00:38 Uhr

Altmaier will Firmen mit Corona-Flutpauschale von 10.000 Euro entlasten

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will Unternehmen mit einer Pauschale von 10.000 Euro unter die Arme greifen, die von der Corona-Krise und der Hochwasserkatastrophe doppelt getroffen wurden. "Ich plädiere für eine Corona-Flutpauschale von bis zu 10.000 Euro für Unternehmen, die es doppelt schlimm getroffen hat", sagte Altmaier der "Bild am Sonntag". "Ich erwarte aber auch von den Versicherungen, jetzt schnell die Schadenssummen auszuzahlen und von den Geschäftspartnern getroffener Unternehmen, größtmögliche Kulanz zu zeigen."

18.7.2021 • 00:37 Uhr

Bahnstrecke in Sächsischer Schweiz gesperrt

Nach heftigen Niederschlägen ist die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Decin (Tetschen) gesperrt worden. "Züge des Fernverkehrs enden und beginnen in Dresden Hauptbahnhof", heißt es in einer Mitteilung der Deutschen Bahn. Im Fernverkehr betrifft es die Verbindung Hamburg-Berlin-Dresden-Prag. Auch im Nahverkehr kam es zu Ausfällen, Ersatzverkehr durch Busse habe wegen schwieriger Straßenverhältnisse nicht eingerichtet werden können, hieß es.

18.7.2021 • 00:34 Uhr

Scholz kündigt Soforthilfe für Flutopfer von mehr als 300 Millionen Euro an

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) hat eine Soforthilfe von mehr als 300 Millionen Euro für die Opfer der Flutkatastrophe angekündigt. Am Mittwoch wolle er dem Bundeskabinett den Plan für die Soforthilfe vorlegen, sagte Scholz der "Bild am Sonntag". Beim vorherigen Flutdesaster sei eine Soforthilfe des Bundes von "deutlich mehr als 300 Millionen Euro" nötig gewewesen: "Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht."

18.7.2021 • 00:04 Uhr

Reißende Flut wälzt sich durch Hallein in Österreich

Nach sintflutartigen Regenfällen sind in Österreich Teile der Altstadt von Hallein bei Salzburg überflutet worden. Ein Bach hatte sich am Abend zu einem reißenden Strom entwickelt, bestätigte die Polizei entsprechende Videos, die im Internet zu sehen waren. Das Wasser floss laut Behörden am späten Abend teilweise wieder ab. Dennoch bleibe die Lage in der 22.000-Einwohner-Stadt angesichts möglicher neuer Regenfälle angespannt.

17.7.2021 • 23:38 Uhr

Niederländer öffnen Schleusen nicht für überfluteten deutschen Ort

Die niederländischen Behörden haben die Bitte des Bürgermeisters des nordrhein-westfälischen Wassenberg zum Öffnen der Schleusen der Rur in Roermond abgewiesen. Der niederländische Deichverband sehe keinen Zusammenhang zwischen einem Dammbruch an der Rur, wegen dem 700 Menschen in Wassenberg ihre Wohnungen verlassen mussten, und dem Schließen der Schleusen auf niederländischer Seite, berichtete die niederländische Nachrichtenagentur ANP am Samstagabend.

Bürgermeister Marcel Maurer hatte am Freitagabend als Ursache für den Dammbruch im Stadtteil Ophoven das Schließen der Schleusen in Roermond genannt. Dies habe zu einem Rückstau geführt und den Druck auf den deutschen Deich erhöht. Er hatte die niederländischen Behörden gebeten, die Schleusen wieder zu öffnen. Nach Berechnungen des niederländischen Deichverbands Limburg aber hat das Eine mit dem Anderen nichts zu tun. Bei Hochwasser werde die Schleuse der Rur in Roermond immer geschlossen, um ein Überfluten der Stadt durch von der Maas in die Rur drückende Wassermassen zu verhindern. Das Wasser der Rur werde dann immer über einen Seitenarm der Rur, den Hambeek, in die Maas geleitet. Das bedeute, dass es einen normalen Wasserabfluss in der Rur ohne Beeinträchtigungen auf deutscher Seite gebe.

17.7.2021 • 23:32 Uhr

Katastrophenfall in Oberbayern ausgerufen

Der Landkreis Berchtesgadener Land hat wegen Hochwassers den Katastrophenfall ausgerufen. Es gebe sehr viele Murenabgänge, die Feuerwehr sei überlastet, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein am späten Abend. Die Bevölkerung sei aufgerufen, Keller zu verlassen und die Straßen zu meiden, da über diese viel Wasser schieße.

Die Feuerwehr ist seit Samstagabend im Dauereinsatz. Die Lage sei dramatisch, sagte der Sprecher. Betroffen seien vor allem die Orte Berchtesgaden und Bischofswiesen im äußersten Südosten Bayerns. Dort schieße das Wasser aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an. Wegen abrutschender Hänge seien schon einzelne Häuser geräumt worden. Der Landkreis koordiniere ab sofort den Einsatz.

17.7.2021 • 23:27 Uhr

Überflutungen auch in der Sächsischen Schweiz

Starke Niederschläge haben in der Sächsischen Schweiz zu Überflutungen geführt. Einzelne Ortslagen seien nicht mehr erreichbar, gibt das Landratsamt Sächsische Schweiz-Osterzgebirge bekannt. Besonders betroffen seien Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch. Die Behörde rief die Bevölkerung dazu auf, Keller, Tiefgaragen und Unterführungen nicht zu betreten. Die Wasserstandsanstiege seien vergleichbar und teilweise noch stärker als im August 2010.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juli 2021 um 20:00 Uhr.