Obdachlose Menschen liegen in Berlin unter einer Brücke am Zoo. | dpa

Podcast Niemand ist mehr obdachlos? Was dann?

Stand: 11.02.2021 08:02 Uhr

Mal angenommen, alle Obdachlosen bekämen eine Wohnung – schaffen sie es damit in ein "normales" Leben? Nehmen Drogensucht und Arbeitslosigkeit ab? Würde es teurer für den Staat? Ein Gedankenexperiment.

Kristin Becker ARD-Hauptstadtstudio
Marcel Heberlein ARD-Hauptstadtstudio

Die Zahl ist alarmierend: Seit Beginn dieses Winters sind in Deutschland offenbar bereits mindestens 17 wohnungslose Menschen erfroren - im Freien, unter Brücken, auf Parkbänken unter Planen oder in Zelten. Das meldete die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe vor wenigen Tagen.

Nach Schätzungen des Vereins waren im Jahr 2018 knapp 700.000 Menschen ohne Wohnung - Tendenz steigend. Das sind so viele Menschen wie Stuttgart Einwohner hat. Die meisten von ihnen leben in Notunterkünften, Übergangswohnheimen, Frauenhäusern oder bei Freunden. Nur ein kleiner Teil ist wirklich obdachlos und lebt dauerhaft auf der Straße. Diese Menschen haben kaum eine Chance, wieder eine Wohnung zu bekommen.

Was wäre, wenn...

Was wäre, wenn alle Obdachlosen in Deutschland eine Wohnung bekämen? Würden Sie damit schon bald wieder ein "normales" Leben führen können? Würden Drogensucht und Arbeitslosigkeit abnehmen? Und: Was würde es den Staat kosten, diesen Wohnraum zur Verfügung zu stellen?

Diesen Fragen gehen die beiden Korrespondenten Kristin Becker und Marcel Heberlein aus dem ARD Hauptstadtstudio in Berlin nach und suchen im Zukunfts-Podcast der tagesschau nach Antworten. Sie sprechen mit einer Frau aus Düsseldorf, die lange Zeit auf der Straße lebte und inzwischen seit fünf Jahren wieder eine eigene Wohnung hat.

Finnland hat Zahl der Wohnungslosen drastisch reduziert

Die beiden Journalisten befragen außerdem eine Sozialarbeiterin zu Drogensucht unter Wohnungslosen und reden mit einem Experten, der seit vielen Jahren zu dem Thema forscht. Und sie schauen nach Finnland. Das Land gilt als Musterbeispiel, denn dort wurde die Zahl der Wohnungslosen in den vergangenen 30 Jahren von 20.000 auf jetzt nur noch knapp 5.000 drastisch reduziert. Wie das Land diesen Effekt erreicht hat, hören Sie jetzt im Podcast.

Gedankenexperimente im neuen tagesschau-Podcast

"mal angenommen" ist der preisgekrönte* Zukunfts-Podcast der tagesschau. Jede Woche denkt ein sechsköpfiges Korrespondenten-Team aus dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin eine aktuelle politische Idee in die Zukunft weiter und spielt in einem Gedankenexperiment die möglichen Konsequenzen durch: Mal angenommen, Deutschland würde keine Waffen mehr exportieren - was wären die politischen Folgen? Oder mal angenommen, Bargeld würde abgeschafft - welche Auswirkungen hätte das auf unseren Alltag und die Wirtschaft?

Zahlreiche Experten helfen dabei, Antworten auf diese Fragen zu finden, Positivbeispiele aus anderen Ländern zeigen, was heute schon anderswo möglich ist und liefern somit neue Impulse in politischen Debatten.

Den Audio-Podcast "mal angenommen" können Sie jederzeit zu Hause oder unterwegs auf Ihrem Smartphone hören. Jeden Donnerstag erscheint eine neue Folge hier auf unserer Website, in der tagesschau-App, in der ARD Audiothek und auf zahlreichen weiteren Podcast-Plattformen.

*Gewinner des "Prix Europa" 2020 in der Kategorie "Digital Audio Project"