Eine Krankenpflegerin in Dänemark hält die hand eines and Covid erkrankten Patienten. | picture alliance / Ritzau Scanpi
Podcast

Auslandspodcast Ideenimport Was dem Pflegenotstand abhilft

Stand: 02.09.2022 05:02 Uhr

Wer kranke und ältere Menschen pflegt, macht harte Arbeit für wenig Geld. Immer mehr Pfleger wechseln deshalb den Job, es gibt kaum Auszubildende. Andere Länder machen es besser - wie, zeigt der Ideenimport-Podcast der tagesschau.

Auch der Applaus in der Pandemie hat nichts daran geändert: Pflegekräfte in Deutschland sind völlig überarbeitet. Sie fühlen sich nicht ausreichend gewürdigt und bezahlt. Auch die einmaligen Bonuszahlungen waren eher nur ein schwacher Trost. Immerhin: Seit September müssen Pflegeheime bundesweit nach Tarif entlohnen - das bedeutet für viele Beschäftigte zumindest etwas mehr Geld.

Ein wichtiger Schritt, denn wie eine Studie aus dem Jahr 2020 ergeben hat, finden rund 65 Prozent der Krankenpflegefachkräfte, dass sie für ihre Arbeit zu wenig Geld bekommen. Das verschreckt nicht nur junge Leute, die sich für den Beruf interessieren, sondern auch die, die bereits als Pflegekräfte tätig sind. Dabei steht Deutschland eine regelrechte Pflegekrise ins Haus: Schätzungen zufolge könnten bis 2030 etwa eine halbe Millionen Pflegekräfte fehlen.

Wie man das verhindern kann und wie Pflege auch für Pflegebedürftige bezahlbar bleiben kann - darum geht es in der neuen Folge von "Ideenimport", dem Auslandspodcast der tagesschau.

Aufstiegschancen in den USA

Das Land der "unbegrenzten Möglichkeiten" hat in den vergangenen Jahren viel von seinem wahrgenommenen Glanz verloren und auch das Gesundheitssystem wird viel kritisiert. Für Pflegekräfte lohnt es sich aber in den USA: Sogenannte "registered nurses", das US-Gegenstück zu examinierten Pflegekräften, verdienen dort bis zu 80.000 Dollar im Jahr - Summen, von denen Berufskollegen in Deutschland bloß träumen können.

Das System ist auch durchlässiger: Wer als einfache, am Pflegebett angelernte Hilfskraft einsteigt, kann sich über Studiengänge immer weiter qualifizieren. Das bringt nicht nur ein höheres Einkommen mit sich, sondern auch immer mehr Kompetenzen. Wer sich schließlich als "nurse practitioner" qualifiziert, kann sogar quasi-hausärztliche Tätigkeiten durchführen und eine eigene Praxis eröffnen.

Die Kehrseite sind allerdings horrende Studiengebühren und ein teilweise zu geringer Praxisanteil in den Studiengängen. Das kann in manchen Fällen sogar lebensbedrohlich werden, wenn Krankheiten nicht von der Pflegekraft erkannt und Ärzte zu spät konsultiert werden.

Pflege ohne Eigenanteil in Dänemark

Dänemark hat eine Lösung für eine Herausforderung gefunden, die auch Deutschland bestehen muss: Die Lohnerhöhungen für Pflegekräfte in Deutschland bewirken schon jetzt einen starken Anstieg des Eigenanteils von Pflegebedürftigen. Den zahlen sie entweder selbst oder ihre Angehörigen werden zur Kasse gebeten.

In Dänemark wird die Pflege aber durch Steuern finanziert, nicht durch eine Pflegeversicherung. Seit den 1970er-Jahren gibt es dort eine Volksrente, die sogenannte "folkepension", die alle nötigen Kosten für Unterbringung, Strom und Verpflegung abdeckt. Ab 75 Jahren haben die in Dänemark Versicherten dann Anspruch auf einen vorbeugenden Hausbesuch, bei dem überprüft wird, ob sie Unterstützung nötig haben. Und: Nach Möglichkeit werden sie in den eigenen vier Wänden betreut - selbst wenn das heißt, dass mehrmals täglich Besuche von Pflegekräften anfallen.

Das hat natürlich zur Folge, dass die Steuern in Dänemark höher sind als in Deutschland. Und auch Dänemark hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen: Einerseits überaltert die Gesellschaft - also zu wenige Menschen zahlen die Steuern, die immer mehr Ältere für ihre Pflege in Anspruch nehmen. Zugleich kommen in den Pflegeberufen kommen zu wenige junge Menschen nach, auch wenn sie dort besser bezahlt werden als in Deutschland.

Mehr dazu, wie die USA und Dänemark mit dem Thema Pflege umgehen und was Deutschland vielleicht daraus lernen kann, erzählen die ARD-Korrespondentinnen Julia Kastein und Sofie Donges im "Ideenimport".

Auslandspodcast der Tagesschau Ideenimport

Ideensuche im tagesschau-Podcast

Für viele Fragen, die im Alltag immer wieder aufkommen, gibt es irgendwo auf der Welt garantiert schon gute Ideen, mögliche Vorbilder und Lösungsansätze: Wie besser mit stark steigenden Energiepreisen umgehen? Was tun, um sich gesünder zu ernähren? Warum leben Menschen in anderen Ländern teils länger?

Der Auslandspodcast der tagesschau sucht und findet sie - zusammen mit den Korrespondentinnen und Korrespondenten in den 30 Auslandsstudios der ARD. "Ideenimport" will den Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand weiten und mit frischen Ideen für neuen Input in politischen und gesellschaftlichen Debatten sorgen.

"Ideenimport" erscheint seit dem 22. April 2022 jeden zweiten Freitag. Sie können den Podcast jederzeit zu Hause oder unterwegs auf Ihrem Smartphone hören - jeden zweiten Freitagmorgen finden Sie eine neue Folge auf unserer Webseite, in der ARD-Audiothek und auf zahlreichen weiteren Podcast-Plattformen.

Über dieses Thema berichtet "Ideenreport" der Auslandspodcast der Tagesschau am 02. September 2022 um 16:00 Uhr.