Bildergalerie: Was machen die Akteure des 9.11.1989?

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Was machen die Akteure des 9.11.1989?

Günter Schabowski

Er sagte den entscheidenden Satz am 9. November: Ex-DDR-Regierungssprecher Günter Schabowski, 1929 in Anklam geboren. Von 1978 bis 1985 ist er Chefredakteur des "Neuen Deutschland", anschließend SED-Bezirkschef von Berlin. Am 4. November 1989 spricht er als einer von wenigen SED-Funktionären bei der Alexanderplatz-Massendemonstration, zwei Tage später ist er DDR-Regierungssprecher. Seine legendäre Pressekonferenz löst den Fall der Mauer aus. Auf die Frage eines Journalisten nach den neuen Reiseregelungen antwortet er nach vielem Hin und Her irrtümlicherweise, die würden "sofort, unverzüglich" gelten.

Schabowski wird 1990 aus der SED ausgeschlossen. Von 1992 bis 1999 arbeitet er als Redakteur bei einer Lokalzeitung in Hessen. Im Jahr 1997 wird er im Politbüroprozess zu drei Jahren Haft verurteilt, der Spruch wird 1999 rechtskräftig, Schabowski aber frühzeitig begnadigt. 2001 berät Schabowski den damaligen Berliner CDU-Spitzenkandidaten Frank Steffel. Schabowski lebt in Berlin.

Günter Schabowski

Er sagte den entscheidenden Satz am 9. November: Ex-DDR-Regierungssprecher Günter Schabowski, 1929 in Anklam geboren. Von 1978 bis 1985 ist er Chefredakteur des "Neuen Deutschland", anschließend SED-Bezirkschef von Berlin. Am 4. November 1989 spricht er als einer von wenigen SED-Funktionären bei der Alexanderplatz-Massendemonstration, zwei Tage später ist er DDR-Regierungssprecher. Seine legendäre Pressekonferenz löst den Fall der Mauer aus. Auf die Frage eines Journalisten nach den neuen Reiseregelungen antwortet er nach vielem Hin und Her irrtümlicherweise, die würden "sofort, unverzüglich" gelten.

Schabowski wird 1990 aus der SED ausgeschlossen. Von 1992 bis 1999 arbeitet er als Redakteur bei einer Lokalzeitung in Hessen. Im Jahr 1997 wird er im Politbüroprozess zu drei Jahren Haft verurteilt, der Spruch wird 1999 rechtskräftig, Schabowski aber frühzeitig begnadigt. 2001 berät Schabowski den damaligen Berliner CDU-Spitzenkandidaten Frank Steffel. Schabowski lebt in Berlin.

Pressekonferenz Mauerfall Berlin DDR

Die Frage nach der Ausreiseregelung wurde von dem italienischen Journalisten Riccardo Ehrman gestellt. Seine Eltern waren polnische Juden. Während der Wende arbeitet Ehrman für die italienische Nachrichtenagentur ANSA in Ost-Berlin. Die Frage am Ende der bis dahin ereignislosen Pressekonferenz ("War der Reisegesetzentwurf vor ein paar Tagen nicht ein Fehler?") brachte Regierungssprecher Schabowski zu seinem historisch missverständlichen Statement. Zuvor hatte Ehrmann, wie er später dem MDR berichtete, von jemandem bei der DDR-Nachrichtenagentur ADN den Tipp bekommen, Schabowski nach den Ausreiseregeln zu fragen. Dem "Stern" erzählt Ehrman, die Ost-Berliner hätten ihn nach der Pressekonferenz auf den Schultern getragen. Heute lebt Ehrman mit seiner spanischen Frau in Madrid.

Harald Jäger

Am Abend des 9. November 1989 hat der damalige Stasi-Oberstleutnant Harald Jäger (Jahrgang 1944) das Kommando am Berliner Grenzübergang Bornholmer Straße, der zwischen den Stadtteilen Prenzlauer Berg und Wedding liegt. Nach und nach versammeln sich Tausende DDR-Bürger vor dem Übergang, die nach West-Berlin wollen. Um 23.20 Uhr lässt Jäger den Schlagbaum wegen des massiven Andrangs öffnen - "Wir fluten jetzt", heißt es.

Nach der Wende arbeitet er laut "Spiegel" als Zeitungs- und Eisverkäufer - und als Wachmann.

Gerhard Niebling

Ex-Stasi-Generalmajor Gerhard Niebling wird 1932 geboren. 1950 trat er in die SED ein, 1952 wurde er beim MfS eingestellt. Im Jahr 1983 wird er Leiter der Zentralen Koordinierungsgruppe Flucht/Übersiedlung. Nach der Öffnung der Bornholmer Straße ordnet er die Öffnung der restlichen Berliner Übergänge an - ohne höheren Befehl.

Im Jahr 1990 wird Niebling entlassen, er berät aber noch das Staatliche Komitee zur Auflösung der Stasi. 1999 tritt Niebling in die DKP ein, 2003 stirbt er in Berlin.

Egon Krenz

Egon Krenz war der letzte Generalsekretär des Zentralkomitees der SED in der DDR. 1937 in Pommern geboren, tritt er 1955 der SED bei. Von 1973 bis 1983 ist er FDJ-Chef und gilt seitdem als "Kronprinz" von Parteichef Erich Honecker. Im Oktober 1989 tritt er dessen Nachfolge als Generalsekretär des SED-ZKs und Staatsratschef an. Am 09. November verliert auch Krenz die Kontrolle: Am Anfang des Tages empfängt er noch den damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Johannes Rau - am Ende ist er hilf- und überblickslos: "Was soll ich denn nur machen?", zitieren ihn ZK-Genossen.

Krenz wird im Januar 1990 aus der SED ausgeschlossen. Auch nach der Wende bestreitet er "Schießbefehle" an der Mauer. Trotzdem wird Krenz 1997 wegen Totschlags an der deutsch-deutschen Grenze zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt, arbeitet als Freigänger zeitweise am Flughafen Berlin-Tegel und wird 2003 vorzeitig aus der Haft entlassen. Er lebt jetzt an der mecklenburgischen Ostseeküste.

Erich Honecker

Er plante und überwachte 1961 den Bau der Mauer: Ex-DDR-Staatschef Erich Honecker. 1912 im Saarland geboren, tritt er 1929 in die KPD ein. Von 1937 bis 1945 sitzt er wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" im Gefängnis. Von 1946 bis 1955 ist er FDJ-Chef, 1949 wird er ZK-Mitglied, 1958 Politbüro-Vollmitglied. 1971 wird er als Ulbrichts Nachfolger ZK-Chef, 1975 Staatsratschef und 1976 SED-Generalsekretär. Im Oktober 1989 drängt ihn das Politbüro erfolgreich zum Rücktritt - am Tag, am dem die Mauer fällt ist, ihr oberster Erbauer also eigentlich schon Geschichte.

Im Dezember 1989 schließt die SED Honecker aus. Im Januar 1990 sitzt er kurzzeitig wegen der Schüsse an der innerdeutschen Grenze in U-Haft. Im Januar 1991 flüchtet Honecker vor der deutschen Justiz nach Moskau, kehrt aber im Juli 1992 zurück. Unmittelbar nach seiner Ankunft wird er in ein Haftkrankenhaus eingeliefert. Im Januar 1993 wird der haftunfähige Honecker entlassen. Er reist sofort nach Chile aus, wo er im Mai 1994 stirbt.

Erich Mielke

Stasi-Chef Erich Mielke hatte unmittelbar vor dem Mauerfall seine Spitzenämter in Regierung und Politbüro verloren. Mielke wurde 1907 in Berlin geboren und tritt in den 20ern der KPD bei. 1931 erschießen er und ein Mittäter zwei Polizisten - Mielke flieht danach in die UdSSR. Nach bewegten Jahren unter anderem im Spanischen Bürgerkrieg und als NS-Häftling kehrt Mielke 1945 nach Berlin zurück. 1950 wird er Vizechef des neugegründeten Ministeriums für Staatssicherheit, 1957 dessen Chef – und damit über Jahrzehnte einer der mächtigsten und vor allem gefürchtetsten Menschen in der DDR. Den Mauerfall kann auch er nicht aufhalten. "Wer hat das Ding mit West-Berlin verbrochen?", schimpft er laut "Spiegel" am Tag danach.

Noch im Dezember 1989 wird Mielke aus der SED ausgeschlossen und wegen "Schädigung der Volkswirtschaft" in Untersuchungshaft genommen. 1993 wird er wegen der Polizistenmorde zu sechs Jahren Haft verurteilt, 1995 auf Bewährung entlassen. Im Jahr 2000 stirbt Mielke in einem Berliner Altersheim.

Walter Momper

Für ihn war Berlin am Tag nach dem Mauerfall "die glücklichste Stadt der Welt": Walter Momper, 1989 Regierender Bürgermeister der Stadt, wird 1945 in Sulingen geboren. Von 1986 bis 1992 ist er Berliner SPD-Landeschef, im März 1989 wird er Regierender Bürgermeister. Momper bestätigt die offene Mauer am Abend des 9. November in der SFB-Abendschau. Zu diesem Zeitpunkt stimmt das noch gar nicht - es warten nur Tausende Ost-Berliner vor den Grenzübergängen. "Wir dachten, wir müssen da jetzt ein bisschen Dynamik in die Sache bringen", sagte Momper jetzt im Interview mit der "taz". Auch einen zweiten Auftritt beim SFB gibt es - da ist die Mauer dann tatsächlich offen. Viele Zuschauer hätten ihm wohl nicht geglaubt, sagte Momper der "taz" - sondern eher an eine Satire gedacht wie eine US-Sendung über die vermeintlich Landung von Außerirdischen.

Momper verliert sein Amt bereits 1991 an Eberhard Diepgen von der CDU, dem er auch bei der Abgeordnetenhauswahl 1999 unterliegt. Seit 1999 ist er Präsident des Abgeordnetenhauses.

Hanns Joachim Friedrichs

Erst aus seinem Mund erfuhren viele Menschen die Nachricht vom Mauerfall: Journalistenlegende Hanns Joachim Friedrichs, 1927 in Hamm/Westfalen geboren. Von 1950 bis 1955 arbeitet er für die BBC, danach für den WDR in Köln. Anschließend ist er zweimal USA-Korrespondent in Washington und New York, danach arbeitet er beim Heute-Journal und beim ZDF-Sportstudio. Ab Oktober 1985 moderiert er die ARD-Tagesthemen - auch am 09. November 1989. Er beginnt die Ausgabe mit den Worten "Die Mauer steht weit offen …" - was zu dem Zeitpunkt noch nicht stimmt und eigentlich auch durch den folgenden Beitrag konterkariert wird. Aber viele DDR-Bürger sehen Friedrichs zu - und strömen zur Mauer. Friedrichs stirbt 1995 in Hamburg.

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