Tiger im Bett | Bildquelle: AFP

Monsun in Südasien Mensch und Tier auf der Flucht

Stand: 19.07.2019 09:20 Uhr

Die Auswirkungen des Monsuns in Indien sind in diesem Jahr besonders heftig. Drei Millionen Menschen sind betroffen. Auch zahlreiche Wildtiere fliehen vor dem Wasser.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Wasser, soweit das Auge reicht. Mehr als drei Millionen Menschen sind von Überflutungen betroffen, in Nepal und den nordöstlichen indischen Bundesstaaten Assam, Meghalaya und Bihar.

Mancherorts regnet es ununterbrochen. Die Flüsse, die im Himalaya-Gebirge entspringen, sind weit über ihre Ufer getreten und haben ganze Landstriche in Seen verwandelt. Fast 300 Menschen sollen bereits ums Leben gekommen sein.

Bewohner von Assam schieben ihre Räder über die überfluteten Straßen. | Bildquelle: AFP
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Im indischen Bundesstaat Assam schieben Bewohner ihre Fahrräder über die überfluteten Straßen.

Dabei  hat der Monsun in dieser Region Südasiens gerade erst begonnen. Und die bisherige Regenmenge war nach Angaben von Meteorologen geringer, als der Durchschnitt vergangener Jahre.

Missmanagement als Ursache

Sarap Kumar von der Hilfsorganisation Action Aid, die die besonders betroffenen Flutopfer mit Hilfsgütern, Lebensmitteln und Wasser versorgt, macht Missmanagement und  die zunehmende Besiedlung von natürlichen Überflutungsgebieten für die Katastrophe verantwortlich:

"Im Zuge zahlreicher Bauprojekte in Nepal und auch hier in Bihar wurden die Flüsse, die oben in Nepal entspringen, begradigt und umgeleitet, für Straßen und Eisenbahnlinien, die dort lang gehen sollten. Mehrere Flüsse wurden in einen großen Strom umgewandelt, der so viel Wasser mit sich führt, dass alle Barrieren durchbrochen werden."

Überflutungsgebiete mussten Städten weichen

Die Leidtragenden sind die Menschen, die entlang der Flussläufe leben und in einstigen natürlichen Überflutungsgebieten, die aufgeschüttet wurden, um dort neue Städte entstehen zu lassen. Sarap beschreibt den Wandel:

"Früher gab es natürliche Wasserwege und Reservoirs, Feuchtgebiete, die immer wieder mal überflutet wurden. Aber die wurden alle in Siedlungen umgewandelt. Niederungen wurden aufgefüllt, ganze Seen sind verschwunden. Die vielen Bauprojekte haben alles verändert."

Schweine und Vögel in der indischen Provinz Assam | Bildquelle: AFP
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Schweine und Enten suchen ebenfalls Land.

Eine Million in Assam betroffen

Allein im Bundesstaat Assam sind fast eine Million Menschen von schweren Überschwemmungen betroffen. Die meisten Bezirke stehen unter Wasser. Tausende sind vor den Wassermassen geflohen oder wurden von Rettungsdiensten in Sicherheit gebracht.

Einer der Bewohner des Dorfes Chirang packte all das Hab und Gut, das er retten konnte und machte sich mit seiner Familie auf in eine sicherere Region: "Wir gehen von hier weg und kommen nicht zurück. Hier kann man nicht leben."

Ein Nashorn durchquert das Flutwasser,  Pobitora-Wildschutzgebiet, Assam/Indien | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX
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Nicht nur Tiger und Nashörer, auch Elefanten Leoparde und andere Wildtiere sind im Kaziranga Nationalpark auf der Flucht.

Nationalpark zu 90 Prozent unter Wasser

In Assam ist auch der Kaziranga-Nationalpark betroffen. Dort leben tausende wilde Tiere leben, Elefanten, Tiger, Leoparden und viele andere. Sie bräuchten besonderen Schutz, wenn sie aus dem überfluteten Nationalpark in nahe gelegene Siedlungsgebiete flüchteten, sagte Parkdirektor Shiv Kumar einem Reporter der Nachrichtenagentur Reuters:

"In den vergangenen Tagen wurden 90 Prozent des Nationalpark-Gebietes überflutet, auch der größte Teil unseres Zentrums dort. Die Tiere fliehen. Wir haben neun Fluchtkorridore eingerichtet, damit es keine Probleme gibt. Wir haben Barrieren an den Straßen aufgebaut und die Autofahrer aufgefordert, höchsten 40 Kilometer in der Stunde zu fahren, damit es keine Wildunfälle mit Elefanten oder anderen Tieren gibt."

In den sozialen Netzwerken machte das Bild von einem Tiger die Runde, der vor dem Monsun in ein Haus geflüchtet war und es sich in einem Bett gemütlich gemacht hatte. Niemand sei zuhause gewesen, teilte die Naturschutzorganisation Wildlife Trust of India mit, die das Foto verbreitet hatte. Der Kaziranga-Nationalpark, wo der Tiger normalerweise lebt, steht fast gänzlich unter Wasser. Mindestens 54 Tiere seien gestorben, hieß es. Darunter auch sechs vom Aussterben bedrohte Panzernashörner.

Indien - Überflutungen gefährden Menschen und Tiere
Bernd Musch-Borowska, ARD Delhi
19.07.2019 08:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. Juli 2019 um 10:08 Uhr.

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