In Gerlingen stehen Menschen vor einer neu eingerichteten Impfstation des Klinikums Stuttgart in der Innenstadt in einer Schlange. | dpa

Neue Wörter 2021 Corona hinterlässt Spuren im Wortschatz

Stand: 06.12.2021 12:48 Uhr

Von "Impfneid" bis "Zweitimpfling": Die Pandemie hat den deutschen Wortschatz auch dieses Jahr um etliche Neuschöpfungen erweitert. Sprachforscher fanden mehr als 2000 neue Begriffe, die im Zeichen von Corona stehen.

Kein anderes Thema hat derzeit einen so großen Einfluss auf die deutsche Sprache wie die Corona-Pandemie. Dies machen die für 2021 vorgestellten Ergänzungen zum Wörterbuch für deutsche Wort-Neuschöpfungen deutlich.

Wie die Experten des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim berichteten, dominierten parallel zur Impfkampagne unter anderem Begriffe zum Thema Impfen selbst.

Zu Corona verzeichnete die Wortliste inzwischen mehr als 2000 Einträge: von "Abflachen" der Infektionskurve über "2G-Plus" bis "zweites Ischgl" und "Zweitimpfling". Während Anfang 2021 noch von der Impfstoffknappheit beeinflusste Wörter wie "Impfdrängler" und "Impfneid" neu in die Liste kamen, waren es zuletzt Begriffe wie "Impfschwänzer", "Boosterimpfung" oder "Impfbotschafter". Gute Aussichten, rasch in das Wörterbuch einzuziehen, hat die neue Corona-Variante Omikron.

Aktuelle Trends aus der Mobilität

Aber auch in ganz anderen Bereichen tauchten wieder Wortneuerungen im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen auf. Die Forscher verwiesen unter anderem auf die Begriffe Radschnellwege und Mobilitätsstationen im Zusammenhang mit den Debatten um eine Verkehrswende sowie die Bezeichnung "Gafferwand" im Zusammenhang mit Fehlentwicklungen im Straßenverkehr. Letztere ist ein Sichtschutz, den Einsatzkräfte bei Unfällen aufstellen, um Gaffer fernzuhalten.

Im politischen Bereich stellten die Experten erstmals die Neuschöpfungen "Zitruskoalition" und "Limettenkoalition" fest, die bildhaft ein Bündnis zwischen Grünen und FDP beschreiben sollen. Auch der Begriff "Ampelkoalition" werde derzeit angesichts des Ergebnisses der Bundestagswahl wieder beliebter, erklärten sie. Dabei handle es sich aber um eine Wortneuschöpfung aus den 1980er-Jahren.

Wörter können auch wieder verschwinden

Die Wissenschaftler des Mannheimer Instituts beobachten laufend die Entwicklung der Sprache. Sie führen online ein sogenanntes Neologismenwörterbuch, in dem sie neue Wörter sammeln und erklären. Neologismen sind bereits bestehende Wörter, die in einem anderen Kontext umgedeutet werden, Wortschöpfungen oder Anglizismen, die häufig genutzt werden.

Sind die Wörter im allgemeinen Sprachgebrauch angekommen, werden sie in die Sammlung des IDS aufgenommen, verschwinden aber daraus auch wieder, wenn sie nicht mehr benutzt werden. Die Mannheimer Linguistin Annette Klosa-Kückelhaus betont: "Ich fände es super, wenn wir mal Corona-Begriffe verlieren würden".

Über dieses Thema berichtete BR24 Kultur am 06. Dezember 2021 um 16:55 Uhr.