Welfenschatz | null

Kommission lehnt Rückgabe ab Welfenschatz kein NS-Raubgut

Stand: 20.03.2014 17:21 Uhr

Der Welfenschatz, eine der Hauptattraktionen der Berliner Museen, muss nicht an die Erben jüdischer Kunsthändler zurückgegeben werden. Das empfahl die sogenannte Limbach-Kommission nach jahrelangem Tauziehen um die wertvollen Goldreliquien.

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Goldstücke wie dieses Kuppelreliquiar gehören zum mittelalterlichen Welfenschatz.

Einst für den Braunschweiger Dom zusammengetragen, gilt der Welfenschatz als einer der wertvollsten Kirchenschätze des Mittelalters und ist heute im Berliner Kunstgewerbemuseum zu bewundern. Vier jüdische Kunsthändler hatten ihn 1929 vom Adelsgeschlecht der Welfen erworben und 1935 an den preußischen Staat verkauft.

Kein "verfolgungsbedingter Zwangsverkauf"

Bei dem Geschäft habe es sich nicht um einen "verfolgungsbedingten Zwangsverkauf" gehandelt, befand die Kommission unter Vorsitz der früheren Verfassungsgerichtspräsidentin Jutta Limbach. "Obwohl die Kommission sich des schweren Schicksals der Kunsthändler und ihrer Verfolgung in der NS-Zeit bewusst ist, liegen keine Indizien vor, die darauf hindeuten, dass die Kunsthändler ... unter Druck gesetzt worden sind", heißt es in dem Votum der Kommission.

Der Kaufpreis für die 42 Goldreliquien habe "der Lage auf dem Kunstmarkt nach der Weltwirtschaftskrise entsprochen". Auch gebe es keine Anhaltpunkte, dass die Kunsthändler über den Erlös nicht frei verfügen konnten. Die Erben argumentierten dagegen, die schwierige wirtschaftliche Lage ihrer Vorfahren sei bewusst ausgenutzt worden, man habe Druck auf sie ausgeübt.

Empfehlung der Limbach-Kommission nicht bindend

Das Gremium folgte mit der Entscheidung der Linie der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, zu deren Bestand der Welfenschatz seit Jahrzehnten gehört. Stiftungspräsident Hermann Parzinger sprach von einer "sorgfältig abgewogenen Empfehlung", die alle Fakten berücksichtige. Die Anwälte der Erben erklärten dagegen, das Votum mache betroffen und sei für sie und ihre Mandanten nicht nachvollziehbar. Das gelte auch für diejenigen im In- und Ausland, die die Details der Geschichte des Welfenschatzes kennen, fügten sie hinzu.

Die Empfehlung der Limbach-Kommission ist nicht bindend. Auf Vorschlag der Erben hatten beide Seiten das Gremium 2012 angerufen, nachdem sie sich in vierjährigen Verhandlungen nicht auf eine einvernehmliche Lösung einigen konnten.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) äußerte die Hoffnung, dass nun auch die jüdischen Erben die Empfehlung annehmen. Die Kommission habe in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass sie sich stets für die berechtigten Interessen von NS-Verfolgten und ihren Erben einsetze, betonte Grütters. Diesmal habe das Gremium jedoch keinen verfolgungsbedingten Hintergrund feststellen können.