Literaturnobelpreis abgesagt "Den Preis nicht mehr so wichtig nehmen"

Stand: 04.05.2018 21:37 Uhr

ARD-Literaturkritiker Scheck beobachtet den Streit in der Schwedischen Akademie mit Vergnügen. Im tagesthemen-Interview wirbt er dafür, den Literaturnobelpreis nicht mehr so wichtig zu nehmen.

2018 wird der Literaturnobelpreis nicht verliehen. Na und, meint ARD-Literaturkritiker Denis Scheck: "Wir können nur die Konsequenz ziehen: Nehmen wir doch diesen Preis bitte nicht mehr so wichtig," so Scheck im tagesthemen-Interview.

Er sei nicht traurig, dass die Vergabe in diesem Jahr ausfalle. "Dafür ist die Gaudi der sich selbst demontierenden Akademie einfach ein zu großes Vergnügen." Scheck verglich die Vorgänge in der Schwedischen Akademie mit "einem sehr guten Unterhaltungsroman". Er hoffe, dass "diese Gelegenheit genutzt wird, um uns endlich von dem naiven Kinderglauben zu kurieren, dass der Preis mehr ist als Einladung, über Literatur ins Gespräch zu kommen", betonte der Literaturexperte.

Denis Scheck, Literaturkritiker, zur Aussetzung der Vergabe des Literaturnobelpreises
tagesthemen 21:45 Uhr, 04.05.2018

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Akademie ist "extrem überaltert"

Man müsse sich vor Augen führen, dass viele große Literaten keinen Preis von der Akademie zugesprochen bekamen. Als Beispiel nannte Scheck James Joyce, Franz Kafka, Marcel Proust, Vladimir Nabokov und Arno Schmidt. "Die mussten in die Grube fahren ohne Literaturnobelpreis."

Ein Grund ist laut Scheck die extreme Überalterung der Akademie. Ein Treffen gleiche einem "Rollatorenwettlauf". "Wer das gesehen hat, der weiß, warum Philip Roth bis auf den heutigen Tag auf seinen Literaturnobelpreis vergebens wartet."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 04. Mai 2018 um 21:45 Uhr.

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