Will Smith und Chris Rock | AFP

94. Oscar-Verleihung Glanz, Glamour - und eine Ohrfeige

Stand: 28.03.2022 08:46 Uhr

Eigentlich gab es bei den Oscars für viele Grund zum Jubeln: für die Macher des besten Films "Coda", für zwei deutsche Oscar-Sieger und für Schauspieler Will Smith. Doch der sorgte mit einer Ohrfeige für den Eklat des Abends.

Die diesjährige Oscar-Verleihung hat den Glanz und Glamour alter Zeiten wieder nach Hollywood zurückgebracht. Überschattet wurde der Abend allerdings von einer heftigen Ohrfeige, die nicht im Ablauf stand und Fernsehzuschauer und Publikum im Dolby Theater von Hollywood schockierte.

So viel ist sicher: Das Konzept, auf viele musikalische Einlagen zu setzen und acht Kategorien in einer voraufgezeichneten Show auszuklammern, ist aufgegangen. Auch das Moderatoren-Trio mit den drei Comedians Regina Hall, Amy Schumer und Wanda Sykes setze mit seinen Seitenhieben die richtigen Akzente.

"Coda" wird bester Film

Die Auszeichnung für den besten Film ging an die Tragikomödie "Coda". Regisseurin Siân Heder erzählt darin von einem Mädchen, das in einer gehörlosen Fischerfamilie aufwächst. Der Film gewann insgesamt drei Auszeichnungen. Erstmals hat damit ein Film eines Streamingdienstes den Oscar in dieser Kategorie geholt - der Film läuft beim Anbieter Apple TV+.

Der schönste Moment des Abends gehörte daher auch dem gehörlosen Schauspieler Troy Kotsur, der den Oscar für seine Nebenrolle in "Coda" erhielt. Der 53-Jährige ist der zweite gehörlose Schauspieler in der Oscar-Geschichte, der diese Auszeichnung bekam. Kotsurs bewegende Rede wurde von einem Dolmetscher übersetzt:

Mein Vater war der beste Gebärdenschreiber in unserer Familie, aber er hatte einen Autounfall und war vom Hals abwärts gelähmt. Dad, ich habe so viel von dir gelernt. Ich werde dich immer lieben. Du bist mein Held.
Sian Heder freut sich im Presseraum bei der 94. Verleihung der Academy Awards in Hollywood über den Oscar. | dpa

Die Tragikomödie "Coda" von Regisseurin Siân Heder hat den Oscar als bester Film gewonnen. Bild: dpa

Zwei deutsche Oscar-Gewinner

Auch aus deutscher Sicht lief es perfekt bei dieser 94. Oscar-Verleihung. In der Kategorie "Visuelle Effekte" wurde der Schwabe Gerd Nefzer für seine Arbeit in dem Sci-Fi-Film "Dune" mit seinem zweiten Oscar belohnt. Gegenüber der ARD sagte er: "Meinen deutschen Fans will ich sagen, ich habe nie geglaubt, dass ich einen Oscar gewinne. Ich hab es geschafft. Man muss nur an das glauben, was man macht und hart arbeiten." 2018 hatte Nefzer bereits eine Auszeichnung für "Blade Runner 2049" erhalten.

Das Science-Fiction-Epos erhielt insgesamt die meisten Auszeichnungen bei diesen Oscars - auch für die beste Filmmusik. Der aus Frankfurt stammende Komponist Hans Zimmer hat sie kreiert. Auch für ihn es schon der zweite Oscar - allerdings mit einem Abstand von 30 Jahren. Damals hatte Zimmer die Auszeichnung für die Musik in dem Film "Der König der Löwen" erhalten.

Auszeichnungen für Jessica Chastain und Ariana DeBose

Den Regie-Oscar bekam wie erwartet die neuseeländische Regisseurin Jane Campion für ihren Film "The Power of the Dog". Das sollte die einzige Auszeichnung für die hochfavorisierste Netflix-Produktion sein, die mit insgesamt zwölf Nominierungen ins Rennen gegangen war.

Beste Schauspielerin ist in diesem Jahr Jessica Chastain für ihre Rolle in dem Drama "The Eyes of Tammy Faye".

Prämiert wurden auch der "James Bond"-Titelsong von Billie Eilish und der Animationsfilm "Encanto". Der Oscar für den besten ausländischen Film ging an "Drive My Car" des japanischen Regisseurs Ryusuke Hamaguchi. Ariana DeBose gewann den Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle im Musical "West Side Story". Sie sagte zum Publikum: "Sie sehen hier eine offen queere, nicht-weiße Frau, eine Afro-Latina, die ihre Kraft und ihr Leben durch die Kunst gefunden hat."

Erst eine Ohrfeige, dann eine Auszeichnung

Den hässlichsten Moment des Abends gab es zwischen dem Komiker Chris Rock und dem Schauspieler Will Smith. Rock hatte sich während seiner Moderation an Smiths Frau Jada Pinkett Smith gewandt und gewitzelt: "G.I. Jane 2 - ich kann es nicht abwarten, das zu sehen." - eine Anspielung auf den Film "G.I. Jane", in dem sich Demi Moore als Soldatin den Kopf rasierte. Jada Pinkett Smith hatte in der Vergangenheit offen über ihren Haarausfall gesprochen.

Will Smith stürmte daraufhin auf die Bühne und schlug Rock ins Gesicht. Er solle seinen verdammten Mund halten, brüllte Smith. Im US-Fernsehen war der Ton schnell ausgeblendet worden. Zurück blieb ein nahezu sprachloser Chris Rock. Ob es sich um einen tatsächlichen Wutausbruch handelte oder um eine abgesprochene Szene, war unklar.

Wenige Minuten später gewann Smith dann den Oscar als bester Schauspieler für den biografischen Film "King Richard" über die Tennis-Spielerinnen Venus und Serena Williams. Mit tränenüberströmten Gesicht sagte Smith: "In diesem Geschäft musst du in der Lage sein, Missbrauch zu ertragen. Leute zerreißen sich den Mund über dich. Du musst aushalten, dass dich die Leute nicht respektieren. Und du musst lächeln und so tun, als ob es okay wäre. Ich hoffe, die Academy lädt mich wieder ein."

Krieg gegen Ukraine kaum thematisiert

Der Krieg gegen die Ukraine spielte, anders als angenommen, nur eine Nebenrolle. Zwar trugen viele Stars blaue Schleifen, in der Show gab es eine Schweigeminute und es wurde eine Tafel eingeblendet, die zur Solidarität mit der Ukraine aufforderte. Insgesamt hielt sich aber die Hollywood-Prominenz mit Kommentaren zurück.

Vorab hatte Schauspieler Sean Penn zu einem Boykott der Gala aufgerufen, falls sie ohne den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj stattfinden sollte. Er selbst würde seine beiden Oscar-Statuen aus Protest "einschmelzen", sagte Penn. Selenskyj wurde im Dolby Theatre nicht zugeschaltet.

Mit Informationen von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. März 2022 um 12:00 Uhr sowie Inforadio um 06:34 Uhr.