US-Komiker Dave Chappelle | AFP

US-Komiker Chappelle Wirbel um transfeindliche Netflix-Show

Stand: 19.10.2021 13:51 Uhr

In einer Netflix-Show macht US-Komiker Chappelle Witze über die vermeintliche Konkurrenz verschiedener Minderheiten. Kritik daran kommt auch aus dem Streamingdienst-Team - doch der Konzernchef steht hinter ihm.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Dave Chappelle ist ein unbequemer Künstler, soviel kann man sicher sagen. Der schwarze Comedian steht radikal für Antirassismus in den USA, seine Sketche tun weh, vor allem weißen Zuschauern, die er gern an ihre Privilegien erinnert - etwa, wenn er seinem Publikum sagt, dass er nur hier sei, weil seine schwarzen Vorfahren entführt und versklavt wurden. In seiner aktuellen Netflix-Show namens "The Closer" will Chappelle eine Debatte lostreten über die vermeintliche Konkurrenz verschiedener Minderheiten in den USA.

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Darin beklagt Chappelle eine angebliche Schieflage zwischen der LGBTQ-Gemeinschaft und Schwarzen: "In diesem Land kann man auf einen Schwarzen schießen und ihn umbringen, aber wehe, man verletzt die Gefühle einer homosexuellen Person", sagt Chappelle und spielt damit auf Fälle wie Rapper DaBaby an, dessen tödliche Schüsse auf einen angeblichen Angreifer in einem Supermarkt 2018 ohne Konsequenzen geblieben seien - dessen homophobe  Äußerungen bei einer Show im Juli ihn aber die Karriere gekostet hätten.

Er habe kein Problem mit Schwulen, Lesben oder transgeschlechtlichen Leuten, betont Chappelle, er sei im Gegenteil eifersüchtig auf die Fortschritte der Bewegung: "Wenn Sklaven kurze Shorts angehabt hätten und mit Babyöl eingerieben gewesen wären, wären wir vielleicht 100 Jahre früher frei gewesen". 

Kritik: Chappelle ignoriert Mehrfachdiskriminierung

TV-Kritiker Eric Deggans sagte im Interview mit dem Radionetzwerk NPR, das Problem an dieser Kritik sei, dass sie vor allem auf Weiße abziele: "Diese Vorstellung scheint zu ignorieren, dass viele homosexuelle oder transgeschlechtliche Menschen nicht weiß sind" - und damit von Mehrfachdiskriminierung für beide Merkmale betroffen.

Zahlreiche Organisationen und Comedians aus der LGBTQ-Gemeinschaft kritisierten Chappelle ebenfalls, weil er in dem Auftritt immer wieder betonte, ein binär konstituierter Geschlechtsbegriff sei "Fakt" - und damit die Existenz transgeschlechtlicher Menschen hinterfrage.

Hannah Gadsby beispielsweise, deren Comedy-Show ebenfalls bei Netflix zu sehen ist, warf Netflix Chef Ted Sarandos vor, kein Rückgrat zu haben. Dieser hatte Chappelle bisher stets gegen Kritik verteidigt.

Netflix-Chef Ted Sarandos. | AFP

Netflix-Chef Ted Sarandos pries in einer Mail an die Belegschaft Netflix' Diversität. Bild: AFP

Netflix-Mitarbeiterin nach Tweet suspendiert

Auch bei der Netflix-Belegschaft rumort es. Nachdem sich eine transgeschlechtliche Mitarbeiterin auf Twitter gegen Chappelle ausgesprochen hatte, wurde sie suspendiert, mittlerweile arbeitet sie wieder dort.

Netflix-Chef Sarandos schrieb in einer E-Mail an die Belegschaft, die Streamingplattform bietet unterschiedlichste Inhalte und verwies auf eine große Diversität in Angebot des Anbieters. Teile der Belegschaft haben aus Protest und als Zeichen der Solidarität mit der LGBTQ-Gemeinschaft aber Proteste für Mittwoch angekündigt. 

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell aktuell am 19. Oktober 2021 um 11:24 Uhr.