Eine Frau betrachtet Werke des Künstlers Edvard Munch im neuen Munch-Museum in Oslo. | dpa

Museum in Oslo Eine geknickte Heimat für Munchs Kunst

Stand: 22.10.2021 11:57 Uhr

Tausende Bilder hat der Künstler Edvard Munch geschaffen - Hunderte von ihnen sind seit heute im neuen Museum in Oslo zu bestaunen. Der Umzug der Kunstwerke gestaltete sich recht abenteuerlich.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Wie viel Edvard Munch den Norwegern bedeutet, erkennt man sofort: Das neue Museum thront majestätisch am Oslofjord. Der obere Teil des knapp 60 Meter hohen monumentalen Baus hat einen Knick - eine Verneigung vor der Stadt, der Oper und der Kunst an sich, so Museumsdirektor Stein Olav Henrichsen.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Er erzählt: "Es ist ein wirklich großes Haus, man kann unmöglich alles auf einmal erleben. Am besten verschafft man sich zuerst einen Überblick über die Architektur, das Haus und das Angebot. Auf den verschiedenen Etagen gibt es unterschiedliche Aktivitäten. Von ganz oben hat man einen fantastischen Ausblick über den Fjord. All das zusätzlich zur Kunst, die hier ausgestellt wird."

Gebäude des Munch Museums in Oslo | AFP

Das neue Museum "verneigt sich" vor seiner Heimat Oslo. Bild: AFP

Eröffnung wegen Pandemie verschoben

Ein Jahr lang mussten Kunstfreunde auf die Eröffnung warten - wegen der Corona-Pandemie. Bisher konnten Munch-Interessierte nur einen Bruchteil der Werke im alten, deutlich kleineren Museum bewundern. Das neue Museum bietet auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern deutlich mehr Platz für die Kunst.

Aufwendiger Umzug der Kunstwerke

Der Umzug ins neue Gebäude war recht aufwendig. Mit Kränen mussten die größten teilweise fünf Meter hohen Bilder zunächst aus dem alten Museum herausgehoben werden, um sie dann über den Oslofjord wieder mit einem Kran durch einen Spalt in der Fassade in das Gebäude zu heben. Arbeiter seilten sich von Dach ab und führten die Werke ins Innere des Museums.

Die Öffnung in der Fassade ist inzwischen wieder geschlossen, so Architekt Jens Richter: "Es gibt auch eine Geheimtür, um notfalls die Gemälde wieder herauszubringen. Geplant ist aber natürlich, dass sie wohl behütet in ihrem neuen Zuhause verweilen können."

Geteilte Meinungen zum "Leuchtturm der Kunst"

Gemeinsam mit seinem spanischen Kollegen Juan Herreros hat Richter das Gebäude entworfen. Ein monumentaler Bau, der wie ein Leuchtturm der Kunst in die Stadt strahle, beschreibt Richter seine Idee.

Nicht alle Menschen in Norwegen sind begeistert. Das Gebäude sei kalt und ambitionslos, so wurden einige Osloer Bewohner vor Monaten in der Presse zitiert.

Kurz vor der Eröffnung zeigten sich Passanten vor dem Museum etwas versöhnlicher:  "Vielleicht ein bisschen kolossal im Vergleich zu den anderen Gebäuden. Es nimmt viel Licht und Freiraum. Aber mir gefällt es, weil man sich getraut hat, was komplett Neues zu bauen, das spektakulär ist. Es ist einfach nicht langweilig. Leute aus aller Welt sehen das Gebäude und wissen sofort, wo es steht."

400 Werke von Munch ausgestellt

Knapp 400 Werke sollen gleichzeitig ausgestellt werden - von den rund 27.000, die Munch der Stadt vermachte. Es soll auch immer mindestens eine Version seines berühmtesten Bildes "Der Schrei" zu sehen sein.

Nicht nur für die Norwegerinnen und Norweger werde das Museum zu einem Anziehungspunkt, glaubt der Osloer Bürgermeister Raymond Johansen: "Oslo verändert sich aktuell sehr. Wir sind auf dem Weg, eine wichtige Kulturstadt zu werden. Wir haben die bekannte Oper, die neue Deichman-Bibliothek und jetzt das Munch-Museum, auf das ich sehr stolz bin. Es wird viel für unsere Stadt und unser Land bedeuten."

Zu Eröffnung wird die britische Künstlerin Tracey Emin einige ihrer Werke im Munch-Museum präsentieren. Die Ausstellung "Die Einsamkeit der Seele" zeigt, wie Munchs Wirken über mehrere Jahrzehnte die Arbeit Emins geprägt hat.

Über dieses Thema berichtete am 22. Oktober 2021 die tagesschau um 09:00 Uhr und MDR Aktuell um 10:24 Uhr.