Michael Moore bei der Vorstellung seines Films "Fahrenheit 11/9" | Bildquelle: NINA PROMMER/EPA-EFE/REX/Shutter

"Fahrenheit 11/9" Moore verfilmt "Trump-Katastrophe"

Stand: 21.09.2018 07:13 Uhr

Michael Moore ist für seine kontroversen Dokumentarfilme bekannt. Sein neuestes Werk "Fahrenheit 11/9" setzt sich mit der Trump-Regierung auseinander - in gewohnt polarisierender Weise.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington 

Wie konnte das passieren? So beginnt der Trailer für das neueste Werk des Dokumentarfilmers Michael Moore. Diese Frage versucht sein Film "Fahrenheit 11/9", eine Auseinandersetzung mit der Trump-Regierung, zu beantworten.

Michael Moore ist so etwas wie das Enfant terrible der amerikanischen Dokumentarfilmszene. Klar, dass der linksliberale Filmemacher an Donald Trumps Präsidentschaft filmisch nicht vorbeikam. "Donald Trump ist deswegen so gefährlich, weil er an nichts anderes glaubt als sich selbst: Donald J. Trump", sagt Moore in einem Interview mit dem Sender MSNBC. "Die Gefahr, einen bösartigen Narzissten in diesem Amt zu haben, besteht darin, dass man einfach nicht weiß, was alles passieren könnte."

Michael Moore bei der Vorstellung seines Films "Fahrenheit 11/9" | Bildquelle: NINA PROMMER/EPA-EFE/REX/Shutter
galerie

Von Moore gab es gewohnt deutliche Worte zu Präsident Trump.

Sein neuester Film klingt wie eine Warnung. Denn die Gefahr, sagt Moore, die von Trump ausgehe, dürfe man keinesfalls unterschätzen: "Hier ist jemand, der keine Demokratie mag - der selbst regiert wie ein Autokrat und der andere Diktatoren offen bewundert."

Moore mischt sich gerne ein und gehört zu den lautesten Stimmen der amerikanischen Kulturszene, wenn es darum geht, Missstände anzuprangern und linksliberale Werte zu verteidigen. In "Bowling for Columbine" attackierte er schon vor 16 Jahren die US-Waffenindustrie, in "Fahrenheit 9/11" den Irak-Krieg und George W. Bush, später das marode Gesundheitssystem, den Kapitalismus, und jetzt also Trump.

"Lieber Pence als Trump"

Es wäre perfekt, Trump des Amtes zu entheben, so die Überzeugung Moores, selbst wenn dann der erzkonservative Mike Pence US-Präsident würde. Aber der sei wenigstens berechenbar und habe gewisse Werte. "Vor einer Debatte mit Pence habe ich keine Angst, auch wenn er zum Beispiel glaubt, dass man Schwule 'bekehren' und sie zu Heterosexuellen machen kann", sagt Moore. "Aber in so einem Streit hätte ich die amerikanische Öffentlichkeit wahrscheinlich hinter mir. Da hätten wir eine bessere Chance, diesen Wahnsinn zu besiegen."

Der Titel des Films ist nicht zufällig gewählt. "Fahrenheit 11/9" ist nicht nur eine Fortführung von "Fahrenheit 9/11" aus dem Jahr 2004, sondern bezieht sich auf den 9.11.2016, den Tag, an dem Trumps Wahlsieg verkündet wurde.

Schon früh Trump-Sieg vorausgesagt

Zeitungen in Washington nach dem Trump-Wahlsieg | Bildquelle: AP
galerie

Moore hatte den Wahlsieg Trumps vorausgesagt - und befürchtet eine weitere Amtszeit des Republikaners.

Moore gehört zu den wenigen Demokraten, die einen Wahlsieg Trumps vorausgesehen hatten. Und auch jetzt ist er skeptisch, dass die Demokraten es schaffen, wieder politisches Gewicht bekommen: "Ich glaube das nicht. Jeden Morgen, wenn ich aufwache, mache ich mir die Tatsache bewusst, dass wir zwei Amtszeiten Trump haben könnten. Und dass wir die Kongresswahlen im November nicht gewinnen ."

So ist es sicherlich kein Zufall, dass dieser Film zum jetzigen Zeitpunkt in die US-Kinos kommt, gut sechs Wochen vor den Halbzeitwahlen, bei denen für die Demokraten so viel auf dem Spiel steht.

Fahrenheit 11/9 steht für die "Trump-Katastrophe" - Michael Moores neuer Film
Claudia Sarre, ARD Washington
20.09.2018 18:40 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 21. September 2018 um 06:16 Uhr.

Darstellung: