Das Gemälde "Frauenkopf" des kubistischen Malers Pablo Picasso (links) und ein Ölgemälde des niederländischen Malers Mondrian (rechts) auf einer Pressekonferenz in Athen.

Nach Kunstraub Picassos "Frauenkopf" zurück in Athen

Stand: 29.06.2021 15:56 Uhr

Vor neun Jahren wurde der "Frauenkopf" gestohlen, nun hat das griechische Kulturministerium der Öffentlichkeit das wiedergefundene Picasso-Gemälde präsentiert. Auch ein anderes Kunstwerk ist wieder aufgetaucht.

Das griechische Kulturministerium hat das vor neun Jahren gestohlene und wieder sichergestellte Gemälde "Frauenkopf" des spanischen Malers Pablo Picasso der Öffentlichkeit präsentiert. Die nach jahrelangen Renovierungsarbeiten gerade erst wiedereröffnete Nationalgalerie in Athen bekommt somit eines ihrer bekanntesten Exponate zurück. "Das ist ein ganz besonderer Tag, ein Tag der großen Freude und Emotion", sagte Kulturministerin Lina Mendoni.

Ein 49 Jahre alter griechischer Bauarbeiter war am Montag festgenommen worden und hatte den Kunstraub aus der Athener Nationalgalerie im Jahr 2012 gestanden. Er habe die Pinakothek monatelang beobachtet und sogar gewusst, wann die Wachen rauchen gehen, soll der Betreffende zu Protokoll gegeben haben. Neben dem Picasso-Gemälde waren ein Werk des niederländischen Malers Piet Mondrian sowie des Italieners Guglielmo Caccia entwendet worden.

"Die erstbesten Bilder geschnappt"

Zwei von ihnen - die Gemälde von Picasso und Mondrian - wurden laut der Polizei verpackt in Plastik in einem trockenen Flussbett rund 50 Kilometer außerhalb von Athen gefunden. Dort habe sie der Verdächtige erst kürzlich aus einem Lagerhaus hingeschafft, offenbar weil griechische Medien über eine möglicherweise bald bevorstehende Festnahme in dem Fall berichtet hatten.

Auf die Frage, warum er ausgerechnet das Picasso-Gemälde, den Mondrian sowie ein Werk Caccias gestohlen habe, soll der Verdächtige gesagt haben, er habe die erstbesten Bilder geschnappt. Das wurde ihm zum Verhängnis, denn gerade der Picasso war als Besitz der Athener Pinakothek auch auf dem Schwarzmarkt unverkäuflich. Ein neuer Besitzer hätte das Bild nie öffentlich machen können und wäre zudem rechtlich belangt worden.

Hinterseite des Gemäldes "Frauenkopf" mit Widmung und Signatur von Pablo Picasso. | AFP

Hinterseite des Gemäldes "Frauenkopf" mit Widmung und Signatur von Pablo Picasso Bild: AFP

Schätzwert von rund 16,5 Millionen Euro

Während der "Frauenkopf" unversehrt ist, soll der Mondrian dem Kulturministerium zufolge leicht beschädigt sein. Das Caccia-Gemälde soll der Dieb sogar zerstört haben. Die Polizei hatte den Betreffenden bereits im Visier, als er vor ein paar Tagen versuchte, Kontakt zu holländische Kunsthändlern aufzunehmen. Dann schlugen die Beamten zu.

Der "Frauenkopf" von Picasso hat nicht nur einen Schätzwert von rund 16,5 Millionen Euro, sondern für Griechenland auch eine ganz besondere Bedeutung. Das Gemälde von 1939 war dem Land nach dem Zweiten Weltkrieg von Picasso höchstpersönlich als Wertschätzung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus überreicht worden. Das bezeugt die Widmung auf der Rückseite: "Dem griechischen Volk als Hommage von Picasso", datiert 1946. Kulturministerin Mendoni sagte: "Heute heilt eine große Wunde."

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 29. Juni 2021 um 14:13 Uhr.