Freiheitspartei-Chef Wilders
Interview

Wilders im Interview Ängste schüren, Wahl gewinnen?

Stand: 10.02.2017 20:02 Uhr

Bis zur Wahl in den Niederlanden sind es noch fünf Wochen. Die Frage, die viele Menschen dort umtreibt: Gibt es zu viele Ausländer? Rechtspopulist Wilders macht sich diese Stimmung zu Nutze und heizt sie sogar noch an - in den Umfragen liegt er vorn.

Von Markus Preiß, ARD-Studio Brüssel
Markus Preiß ARD-Studio Brüssel

Wilders setzt im Wahlkampf alles auf eine Karte. In seinen Tweets, in seinen Reden, in seinen Interviews ist er noch radikaler geworden, als in früheren Jahren. Er beleidigt andere Politiker, wütet gegen die politische Elite und verunglimpft Richter, Parlamentarier und Journalisten - im Grunde alle, die nicht seiner Meinung sind.

ARD-Korrespondent Markus Preiß hat Wilders getroffen. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Interview.

Markus Preiß: Herr Wilders, Sie sagen, die Niederlande müssen wieder groß werden: Inwiefern sind sie denn jetzt klein?

Geert Wilders: Zuallererst sind wir kein souveräner Staat. Ich glaube, dass wir unsere nationale Souveränität an eine Institution abgegeben haben, die sich Europäische Union nennt. Ich liebe Europa, aber ich bin sehr gegen die Europäische Union. Zum Beispiel haben wir keine Handhabe mehr über unsere eigene Politik, wenn es um Immigration, Finanzen oder Banken geht.

Wenn es keine Grenzen mehr gibt, keine Kontrolle über die eigene Einwanderungspolitik, dann ist es, als hätte man in seinem eigenen Haus nicht mehr die Schlüssel zur Haustür. Wir sind also nicht mehr völlig unabhängig. Eine Demokratie braucht den Nationalstaat, Unabhängigkeit, seine eigene Fahne und Werte. Nicht als Bigotterie oder Rassismus, sondern es geht hier um Patriotismus, und der ist heute im Aufschwung. Ich würde also versuchen, unsere nationale Souveränität wiederzugewinnen, unabhängig zu werden und das niederländische Volk, seine Regierung und sein Parlament wieder über das eigene Schicksal entscheiden zu lassen.

Preiß: Sie würden also die Grenzen der Niederlande schließen und alle kontrollieren, die rein oder raus gehen?

Wilders: Ich würde die Grenzen nicht für jeden schließen. Aber ja: Ich möchte wieder Grenzkontrollen haben. Nicht nur, weil ich glaube, dass Europa nicht nur nicht will, sondern auch nicht fähig ist, das zu machen. Sondern ich glaube, wir können es uns nicht leisten, und ich glaube, die Menschen wollen sich nicht wieder solche Einwandererströme leisten, die wir in den vergangenen Jahren hatten.

Preiß: Sie glauben nicht, dass alle Kulturen gleichwertig sind?

Wilders: Nein, ich glaube, dass Länder das brauchen, was in Deutschland Leitkultur genannt wird. Keine Monokultur, aber eine Leitkultur. Unsere Gesellschaften und unsere Werte beruhen auf dem Christentum, auf dem Judentum, auf Humanismus. Das heißt nicht, dass etwas anderes nicht willkommen ist. Aber wir sollten stolz sein und sicherstellen, dass unsere eigene Kultur die führende und dominante ist. Dafür sollten wir kämpfen. Und die meisten der Entscheider heute sehen das nicht so, sondern glauben, dass alle Kulturen gleichwertig sind. Und nochmal: Die Kombination von Masseneinwanderung mit der unzureichenden Forderung an Einwanderer, sich zu integrieren oder anzupassen, ist tödlich für jede Gesellschaft.

Preiß: Bedeutet das, dass die Niederlande nicht in der Lage sind, diese Menschen zu integrieren?

Wilders: Sie haben völlig Recht. Ich mache hierfür auf gar keinen Fall die Menschen verantwortlich. Schuldig sind die Politiker, die das zugelassen haben.

Preiß: In ihrem Wahlprogramm fordern sie die "Entislamisierung" der Niederlande. Warum fokussieren Sie sich so sehr auf eine Religion?

Wilders: Es ist nicht wirklich so, dass ich den gesamten Islam aus dem Land haben will. Islam und Freiheit sind nicht vereinbar. Ich spreche nicht über die Menschen. Ich stehe seit zwölf Jahren 24 Stunden am Tag unter Personenschutz, weil ich auf der Schwarzen Liste von Al-Kaida und den Taliban stehe. Ich habe fast jedes islamische Land bereist. Ich war oft im Iran, im Irak, in Syrien, in Ägypten, in Jordanien - und ich bin sehr freundlichen, offenen und interessanten Menschen begegnet. Ich habe kein Problem mit Muslimen, wie manche Leute glauben machen wollen. Aber ich glaube, die islamische Ideologie ist sehr gefährlich.

Fast in allen Ländern, in denen der Islam dominiert, sieht man einen totalen Mangel an Zivilgesellschaft, an Rechtsstaatlichkeit, an Freiheit - sowohl für Journalisten, als auch für Frauen oder Christen oder sogar für solche, die aus dem Islam austreten wollen. Am Ende des Tages wird uns der Zufluss des Islams unsere Freiheit kosten. Meine Partei ist der Meinung, dass man den Islam nicht mit anderen Religionen vergleichen kann, sondern nur mit totalitären Ideologien, die wir in der Vergangenheit gesehen haben, etwa dem Kommunismus oder dem Faschismus.

Das ausführliche Interview mit Geert Wilders sehen Sie am 26. Februar 2017 um 12.45 Uhr im ARD-Europamagazin

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09. Februar 2017 um 23:15 Uhr.

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KOMMENTARE

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Bazong 10.02.2017 • 23:30 Uhr

Schönes Interview mit einem klugen Mann.

Nutzen nicht auch etablierte Parteien in Deutschland Sorgen und Ängste (vor sozialem Abstieg u.a. dank mickriger Renten) der Bürger, um mit großspurigen (Renten-)Versprechen auf Stimmenfang zu gehen ? Was ist daran falsch, wenn das andere (im Mainstream eher ungeliebte Parteien) ebenfalls tun, teils jedoch mit anderen Themen ? Diese Vorgehensweise ist doch legitim. Oder nur legitim bei den "Guten" ?