Zeichnung von Carl Spitzweg "Das Klavierspiel" |

Gurlitts Kunstsammlung Alle 14 NS-Raubkunstwerke zurückgegeben

Stand: 13.01.2021 14:47 Uhr

Der Fund von fast 1500 Kunstwerken in Wohnungen des Sammlers Cornelius Gurlitt hatte 2013 für eine Sensation gesorgt. Mittlerweile wurden alle 14 als NS-Raubkunst identifizierten Werke zurückgegeben, auch Spitzwegs "Das Klavierspiel".

Die Zeichnung "Das Klavierspiel" von Carl Spitzweg ist als 14. und damit vorläufig letztes als NS-Raubkunst identifiziertes Werk aus dem Kunstfund Gurlitt zurückgegeben worden.

Wie Kulturstaatsministerin Monika Grütters mitteilte, wurde das Werk auf Wunsch der Erben des im Konzentrationslager Auschwitz ermordeten ehemaligen Eigentümers Henri Hinrichsen an das Auktionshaus Christie's übergeben.

Zeichnung von Carl Spitzweg "Das Klavierspiel" |

"Das Klavierspiel" von Carl Spitzweg (1808-1885)

"Zur historischen Gerechtigkeit beitragen"

Die CDU-Politikerin sprach von einem wichtigen Zeichen. Hinter jedem dieser Bilder stehe ein tragisches Schicksal wie das des Auschwitz-Opfers Hinrichsen. "Wir können dieses schwere Leid nicht wiedergutmachen. Aber durch die Aufarbeitung des NS-Kunstraubs versuchen wir, ein Stück weit zu historischer Gerechtigkeit beizutragen und unserer moralischen Verantwortung gerecht zu werden", sagte Grütters.

Die Zeichnung stammt aus einem Konvolut von rund 1500 Kunstwerken, die vor rund neun Jahren in Gurlitts Wohnung im Münchner Stadtteil Schwabing sowie später in seinem Haus in Salzburg beschlagnahmt worden waren. Als die Staatsanwaltschaft Augsburg im Herbst 2013 von dem Fund berichtete, sorgte sie für eine Sensation.

Bei über 1000 Werken Ursprung unklar

Bei mehr als 1000 Werken blieb trotz intensiver Recherchen unklar, woher sie stammten, 445 Positionen wurden als unbedenklich eingestuft. Nur 14 Werke von Künstlern wie Henri Matisse, Max Liebermann, Thomas Couture oder Adolph von Menzel konnten eindeutig als NS-Raubkunst identifiziert werden.

Als Gurlitt 2014 mit 81 Jahren starb, vermachte er seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern, das sich seither an der Aufklärung der Herkunft beteiligt.

Gurlitts Vater war Hitlers Chefeinkäufer in Frankreich

Besonderes Augenmerk bei der Erforschung des Kunstschatzes lag auf Gurlitts Vater Hildebrand (1895-1956). Der Kunsthändler hatte eng mit den Nationalsozialisten kooperiert und war einer der Chefeinkäufer Adolf Hitlers im besetzten Frankreich. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er Leiter des Kunstvereins Düsseldorf.

Das Spitzweg-Bild war den Recherchen zufolge 1939 von den Nazis bei dem jüdischen Musikverleger Hinrichsen beschlagnahmt worden. 1940 habe Gurlitt das Werk erworben, Hinrichsen sei 1942 in Auschwitz ermordet worden.

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Münchner Kunstfund

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 13. Januar 2021 um 19:00 Uhr.