Gunilla Bergström (Archivbild: 13.03.2007) | dpa

Schöpferin von Willi Wiberg Schwedische Autorin Bergström gestorben

Stand: 26.08.2021 13:26 Uhr

In ihren Büchern gab sie Kindern eine Stimme - etwa in der Reihe Willi Wiberg, die in mehr als 35 Sprachen übersetzt wurde. Nun ist die schwedische Kinderbuchautorin Gunilla Bergström gestorben.

Von Sofie Donges, ARD-Studio Stockholm

Vor fast 50 Jahren hat Gunilla Bergström die Figur Willi Wiberg geschaffen. Ein kleiner Junge, der mit seinem Papa alleine in einer Wohnung in einem Vorort lebt. Je nach Buch ist Willi vier bis sieben Jahre alt und kann entweder nicht einschlafen, hat einen heimlichen Freund oder sieht Gespenster.

Sofie Donges ARD-Studio Stockholm

Der Papa wiederum, den Bergström Pfeife rauchen ließ und der meist einen braunen, wenig schönen Pullover trägt, der habe nur noch wenig mit den modernen Vätern gemein, so Bergström in einem Interview mit dem Fernsehsender SVT. "Also das Aussehen, so abgestumpft und dann der große Pullover, also das ist nicht so ein moderner Bodybilder wie die heutigen Väter."

Wer Willi Wibergs Mutter ist, ist unbekannt. Das darf sich jede und jeder selbst ausdenken, sagte Bergström in mehreren Interviews.

Kaum Bücher über benachteiligte Kinder

1942 wurde Bergström in Göteborg geboren, arbeitete als Journalistin für mehrere schwedische Zeitungen. Nicht immer war ihr Leben leicht, sagte Bergström. Es gab viele dunkle Perioden und depressive Phasen, besonders nach der Geburt ihrer Tochter Boel, die mit einer Behinderung zur Welt kam. Zu dieser Zeit stellte sie fest, dass es kaum Kinderbücher über Protagonisten mit Einschränkungen gab.

Kinderbuchreihe Bill und Bolla

So entstand die Idee für die Reihe Bill und Bolla, Geschichten von ihrem großen Sohn und seiner unendlichen Liebe zu seiner kleinen, besonderen Schwester: "Das habe ich auch für mich gemacht, mir ging es dabei gut. Alles war so schwer und ernst, ständige Arztbesuche. Und dann habe ich gemerkt: Man kann darüber auch lachen. Wenn man über etwas lachen kann, dann hat man gewonnen, finde ich."

Diese Bücher haben ihr sehr viel bedeutet, mehr noch als Willi Wiberg. Sie war engagiert in einem Verein für Eltern mit behinderten Kindern und war vielen ein Vorbild im Umgang mit dieser schwierigen Situation.

Und wenn die Tage dunkel waren, erzählt Bergström, dann war ihr eines immer wichtig: "Das Wichtigste ist die Neugier, sie erzeugt nämlich die Energie. Man kommt wieder in Schwung, wenn die Neugier zurück ist. Das passiert ja schon morgens früh: Was für ein Wetter ist heute? Das will man ja wissen. Das ist die erste Neugier am Tag und dann geht es weiter."

Willi Wiberg ist heute noch aktuell

Wie es im Inneren aussieht - das ist auch ein Leitmotiv in den weltberühmten Willi Wiberg-Büchern: Wenn man Angst vor Gespenstern hat, geschlagen wird oder keinen Freund hat. Motive, die an Aktualität nicht verlieren, glaubt der Kulturjournalist Johan von Sydow von SVT. "Sie hat ihn in einer Wohnung in einem Vorort mit Hochhäusern aufwachsen lassen. Das hat nichts mit Bullerbü zu tun, was jetzt ein Museum wäre. Den Jungen gibt es heute noch. Den wird es auch noch in 50 Jahren geben."

Da macht es auch nichts, wenn der Papa von Willi etwas aus der Zeit gefallen ist - zumindest optisch. Ansonsten war und ist er sehr modern: Kochen und putzen und Willi Bücher vorlesen - das hat der Papa schon 1972 gemacht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 26. August 2021 um 13:40 Uhr.