Blick auf ein Schild mit dem Hashtag #goa bei der Verleihung des Grimme Online Award. | dpa

Grimme Online Awards Zwei Preise für einen TikTok-Star

Stand: 17.06.2021 23:06 Uhr

Bei der diesjährigen Verleihung des Grimme Online Awards standen Angebote im Mittelpunkt, die sich mit rechter Gewalt beschäftigen. Überraschungssieger war allerdings ein Moderator von Wissensvideos auf der Plattform TikTok.

Der Grimme Online Award ist in Köln verliehen worden. Der undotierte Preis gilt als wichtigste deutsche Auszeichnung für herausragende Online-Publizistik und wird seit 2001 verliehen. Diesmal sind auch Formate dabei, die im Corona-Lockdown entstanden.

Einen Schwerpunkt unter den diesjährigen Gewinnern bilden Angebote, die sich mit rechter Gewalt beschäftigen - etwa der Podcast "190220 - Ein Jahr nach Hanau" und die Web-Dokumentation "Gegen uns", die Opfer von Rassismus und rechtsextremer Gewalt aus der Anonymität holt.

Überraschungssieger vermittelt Wissen auf TikTok

Der Überraschungssieger aber kommt von einer Plattform, die man bis vor Kurzem wohl noch nicht als preiswürdig betrachtet hätte. Erstmals ist ein Format des Videoportals TikTok mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet worden.

Moderator Niklas Kolorz, der in dem Netzwerk in einminütigen Videos sperrige Wissensthemen verständlich aufbereitet, räumte bei der Preisverleihung gleich zwei Preise ab: einen Jury-Preis in der Kategorie "Wissen und Bildung" und den Publikumspreis.

"Schulen müssen einfach gute Orte sein"

In der Kategorie "Kultur und Unterhaltung" wurde Björn Lengwenus, Leiter einer Schule in Hamburg-Dulsberg, ausgezeichnet. Während der Schulschließungen ging er sechs Wochen lang allabendlich mit der selbst produzierten YouTube-Show "Dulsberg Late Night" auf Sendung, die er aus der leeren Aula der Schule schaltete.

"Die Schüler haben so wundervolle Beiträge geliefert", schwärmte er. Eigentlich hätten die Schüler ihn durch die Show getragen. Er habe das Gefühl, dass die Corona-Zeit die Schule sehr gestärkt habe, so der Lehrer weiter. "Es ist ganz wichtig, dass wir einen anderen Blick auf Schulen bekommen. Denn Schulen müssen einfach gute Orte sein."

Eine weitere Gewinnerin war die Komikerin Enissa Amani. Sie gewann in der Kategorie "Spezial" einen Preis für ihr Format "Die beste Instanz". Die Talkshow war eine Reaktion auf eine Ausgabe des WDR-Talks "Die letzte Instanz", in der unter anderem die Frage "Das Ende der Zigeunersauce: Ist das ein notwendiger Schritt?" diskutiert worden war und an der es viel Kritik gegeben hatte.

Vorgehalten wurde der Sendung unter anderem, dass die Diskussion ausschließlich von weißen Gästen geführt worden war. Amani initiierte daraufhin ein eigenes Talk-Panel auf ihrem YouTube-Kanal.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 18. Juni 2021 um 09:24 Uhr.