Szenenbild aus dem Dokumentarfilm "Lovemobil" | dpa

Dokumentarfilm "Lovemobil" Grimme-Nominierung zurückgezogen

Stand: 23.03.2021 16:44 Uhr

Er war bereits preisgekrönt: Der vom NDR mitproduzierte Dokumentarfilm "Lovemobil" über das Leben von Prostituierten soll in Teilen inszeniert sein. Nun wurde seine Grimme-Nominierung zurückgezogen.

Als Reaktion auf bekannt gewordene Unstimmigkeiten im Dokumentarfilm "Lovemobil" von Elke Margarete Lehrenkrauss ist dessen Nominierung für den renommierten Grimme-Preis zurückgezogen worden. Grimme-Direktorin Frauke Gerlach teilte mit: "Nach Kenntnisnahme der massiven Vorwürfe rund um den Film 'Lovemobil' hat die Nominierungskommission entschieden, der Produktion auf Grund schwerwiegender Verstöße die Nominierung zu entziehen." Man unterstütze diese Entscheidung der Kommission nachdrücklich.

Am Montag hatte der NDR den Fall nach Recherchen der hauseigenen Reportageredaktion STRG_F bekannt gemacht. Demnach sollen Teile des Films frei inszeniert worden sein. Der Film sei zwar auf Basis von langjährigen Recherchen der Autorin entstanden, zentrale Protagonistinnen des Films schilderten aber nicht ihre persönlichen Erfahrungen, "sondern spielen eine Rolle". Der NDR hatte den Film mitproduziert und sich nun wegen Unstimmigkeiten distanziert. Vorerst wurde er aus der ARD Mediathek genommen und für Wiederholungen gesperrt.

Dokumentarfilmpreis könnte aberkannt werden

In "Lovemobil" geht es um das Leben von Prostituierten in Wohnmobilen am Rande von Bundesstraßen in Niedersachsen. Der Film kam im Frühjahr 2020 in die Kinos und lief auf Festivals. Das NDR Fernsehen zeigte ihn im Dezember.

Der SWR überprüft nun auch die Vergabe des Deutschen Dokumentarfilmpreises an die Filmemacherin Lehrenkrauss im vergangenen Jahr. Der Sender teilte mit, man werde "die Auszeichnung gegebenenfalls aberkennen". Bis zur Klärung des Sachverhalts ruhe für Lehrenkrauss auch die Mitgliedschaft in der Jury des diesjährigen Preises. Preisträger sind meist in der Hauptjury des nachfolgenden Jahres vertreten.

"Im Film ist nichts ausgedacht"

Lehrenkrauss bat um Entschuldigung, falls sich Menschen nun durch den Film betrogen fühlten oder sie sensible Gefühle von Zuschauerinnen und Zuschauern verletzt habe. "Das war nicht meine Absicht", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Sie habe an einzelnen Stellen die mit echten Prostituierten recherchierten Begebenheiten mit Darstellerinnen nacherzählt, um die Frauen zu schützen oder weil eine Filmaufnahme am Ende nicht möglich gewesen sei. "Im Film ist nichts ausgedacht, was es so nicht gibt. Wir haben es nur mit Darstellerinnen nacherzählt."

Lehrenkrauss sagte außerdem: "Was natürlich ein Fehler war, war diesen Film nicht zu kennzeichnen." Sie habe den NDR gebeten, den Film als künstlerischen Film zu kennzeichnen, das sei aber nicht geschehen. "Es hat einfach an der richtigen Etikettierung gefehlt." Die NDR-Dokumentarfilmredaktion wies den Vorwurf von Lehrenkrauss zurück und erklärte, sie sei während der mehrjährigen Produktionszeit zu keinem Zeitpunkt von der Filmemacherin über die Inszenierungen informiert worden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 23. März 2021 um 17:38 Uhr.