Herbert Feuerstein  | Imago Bildnummer: 55577089

Komiker mit 83 Jahren gestorben Herbert Feuerstein ist tot

Stand: 07.10.2020 14:21 Uhr

Komisch und nachdenklich, absurd und manchmal todernst. Der Kabarettist und Autor Herbert Feuerstein prägte die deutsche Humor-Kultur - etwa in der Sendung "Schmidteinander". Nun ist er mit 83 Jahren gestorben.

Herbert Feuerstein sah die Dinge immer ein bisschen anders und ließ das Publikum daran teilhaben. Nun ist er mit 83 Jahren gestorben. WDR-Intendant Tom Buhrow würdigte den Komiker, Autor und Entertainer:

Wir bedanken uns bei Herbert Feuerstein nicht nur für 'Schmidteinander', eine Kult-Show, die Fernsehgeschichte geschrieben hat und vieles verändert hat. Sondern auch für seinen klugen Humor, seine herrliche Albernheit, den intelligent durchdachten Anarchismus und viele, viele höchst unterhaltsame Fernseh- und Hörfunkstunden. So oft hat er uns zum Lachen gebracht. Heute sind wir traurig.
Herbert Feuerstein mit Harald Schmidt in der Sendung Schmidteinander | dpa

Herbert Feuerstein mit Harald Schmidt in der Sendung "Schmidteinander" Bild: dpa

Humor als Antwort auf die Eltern

Geboren wurde Feuerstein in Zell am See. Sein Vater sei ein bekennender Nazi, seine Mutter eine sehr intensive, hysterische Frau gewesen, meinte er einmal über seine Eltern. Humor sei seine Form der Opposition gewesen, sagte er in den 1990er-Jahren.

Einem abgebrochenen Musikstudium folgte ein Umzug in die USA. Dort lebte Feuerstein in New York mit seiner Frau und arbeitete als Journalist. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland leitete er den "Pardon"-Verlag und war bis 1992 Chefredakteur der Satirezeitschrift "MAD". Sein Motto: Die Welt ist blöd, aber man selber auch.

Durchbruch an der Seite von Harald Schmidt

Der endgültige Durchbruch gelang Feuerstein als Sidekick von Harald Schmidt in der TV-Sendung "Schmidteinander". Es wurde eine Hassliebe, die absurd-komischen Humor hervorbrachte.

Feuerstein saß dabei immer im Hintergrund, während Schmidt vorne durch die Sendung führte. Trotz seiner Dauerrolle als Prügelknabe gewann Feuerstein zunehmend an Popularität.

Herbert Feuerstein in der Wochenshow mit Dolly Buster | picture alliance / United Archiv

Herbert Feuerstein in der "Wochenshow" mit Dolly Buster Bild: picture alliance / United Archiv

"Hemmungsloser Mut zum Chaos"

Im Herbst 1994 erhielt Feuerstein den Fernsehpreis "Bambi" für Kreativität, seine nach Meinung der Jury "anarchistische Originalität" und den "hemmungslosen Mut zum Chaos". Ein halbes Jahr später ließ der WDR mit der Begründung, dass das Konzept der Sendung verbraucht sei, "Schmidteinander" auslaufen.

Aufhören wollte er jedoch noch nicht. Am Theater und bei verschiedenen Fernsehsendungen blieb er kreativ. Unter anderem war er als Kidnapper von Mutter Beimer in der "Lindenstraße" zu sehen und als Forscher und Entdecker in "Feuersteins Reisen". Ausgezeichnet wurde Feuerstein neben dem Bambi auch mit dem Grimme-Preis und dem Comedy-Ehrenpreis.

Der in dritter Ehe verheiratete Feuerstein lebte zuletzt in der Nähe von Köln.

Mit Informationen von Tobias Reckmann, WDR

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. Oktober 2020 um 14:00 Uhr.