Anne Weber | Bildquelle: picture alliance/dpa

Für "Annette, ein Heldinnenepos" Anne Weber erhält Deutschen Buchpreis

Stand: 12.10.2020 19:08 Uhr

Für die Schilderung des realen Lebens der französischen Résistance-Kämpferin Beaumanoir hat Anne Weber den Deutschen Buchpreis erhalten. Die Kraft der Erzählung könne sich mit der Kraft der Heldin messen, so die Jury.

Die Schriftstellerin Anne Weber hat für ihren Roman "Annette, ein Heldinnenepos" den Deutschen Buchpreis 2020 erhalten. Das teilte die Jury des Buchpreises bei der Verleihung in Frankfurt am Main mit. "Die Kraft von Anne Webers Erzählung kann sich mit der Kraft ihrer Heldin messen", lautete die Begründung der Jury. Es sei "atemberaubend, wie frisch hier die alte Form des Epos klingt".

"Eine wirkliche Heldin"

In dem Werk schildert Weber in Versform das Leben der französischen Medizinerin und Widerstandskämpferin Anne Beaumanoir, auch Annette genannt. Mit 16 Jahren trat diese in die Résistance ein, rettete jüdische Kinder vor den Nationalsozialisten und wurde Kommunistin. Später wurde sie Medizinerin und ging im Kampf für ein unabhängiges Algerien in den Maghreb und dafür ins Gefängnis. Es folgten Flucht und die Trennung von Familie und Kindern. Heute lebt die 96-jährige Beaumanoir im Süden Frankreichs.

Ihre Protagonistin traf Weber auf einer Podiumsdiskussion. Die Begegnung sei für sie ein "Coup de foudre" gewesen, Liebe auf den ersten Blick, so Weber. Beaumanoir sei nicht nur die Heldin des Buches, sondern eine wirkliche Heldin, sagte Weber in ihrer Dankesrede bei der Preisverleihung.

Zur Aufnahme des bei Matthes & Seitz erschienenen Romans in die Shortlist des Deutschen Buchpreises bemerkte die Jury, "Annette, ein Heldinnenepos" verwandle das reale Leben der Résistance-Kämpferin Beaumanoir in "ein grandioses Stück Literatur". "Philosophisch, politisch und reflektiert stellt der Roman unaufdringlich den Bezug zur Gegenwart her."

Anne Weber mit Deutschem Buchpreis ausgezeichnet
tagesschau 20:00 Uhr, 12.10.2020, Alex Jakubowski, HR

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Zweisprachiges Schreiben

Die Verfasserin Weber wurde am 13. November 1964 in Offenbach am Main geboren, lebt jedoch seit 1983 in Frankreich, wo sie an der Pariser Sorbonne französische Literatur und Vergleichende Literaturwissenschaft studierte.

Sie ist Schriftstellerin und Übersetzerin - entsprechend übersetzt sie auch ihre Bücher selbst, sobald sie geschrieben sind. Anfänglich schrieb sie auf Französisch und übersetzte ins Deutsche. Inzwischen verfasst sie ihre Texte in deutscher Sprache, um sie danach ins Französische zu übertragen. Eine Besonderheit - Übersetzer übersetzen meist in ihre Muttersprache, nicht andersherum. 2008 erhielt sie für ihre Arbeit den Europäischen Übersetzerpreis, 2016 den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung.

Als Schriftstellerin ist Weber bekannt für ihre literarische Experimentierfreudigkeit, subtile erzählerische Vermittlung und sprachliche Beweglichkeit. Sie veröffentlichte bereits mehrere Romane. 2010 wurde sie mit dem Kranichsteiner Literaturpreis ausgezeichnet.

Vier Frauen und zwei Männer auf der Shortlist

Der Deutsche Buchpreis, den die 55-Jährige nun erhalten hat, ist die vielleicht wirkmächtigste Auszeichnung für deutschsprachige Autoren.

Der Preis wird in einem mehrstufigen Verfahren vergeben. Zuerst wird eine Liste mit 20 Titeln veröffentlicht, die dann auf sechs verkürzt wird (Shortlist). Das hat den Zweck, die Aufmerksamkeit auf eine Reihe von Titeln zu lenken und nicht nur auf einen.

Auf der diesjährigen Shortlist standen vier Frauen und zwei Männer. Einige Autorinnenn und Autoren widmeten sich biografischen und zeitgenössischen Themen, andere schöpften aus unerwarteten Quellen oder historischen Stoffen - am Ende gelangten sie alle über ihren Stoff "zu großen, allgemeingültigen Fragen", so Jurysprecherin Hanna Engelmeier. Nominiert waren neben Weber Deniz Ohde, Dorothee Elmiger, Christine Wunnicke, Bov Bjerg und Thomas Hettche.

Wegen der Corona-Pandemie war die Verkündung der Preisträgerin zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse diesmal nur per Livestream zu sehen. 2019 wurde Saša Stanišićs Roman "Herkunft" im Kaisersaal ausgezeichnet. Der Preis ist mit insgesamt 37.500 Euro dotiert: Die Siegerin erhält 25.000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro. Den Deutschen Buchpreis gibt es seit 2005. Ausgerichtet wird der Wettbewerb vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Gesucht wird jeweils der "beste deutschsprachige Roman des Jahres".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 12. Oktober 2020 um 20:00 Uhr.

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