Die Performance "Sun & Sea (Marina)" der litauischen Künstlerinnen Rugile Barzdziukaite, Vaiva Grainyte und Lina Lapelyte auf der Biennale in Venedig. | Bildquelle: dpa

Biennale in Venedig Goldener Löwe für "Sun and Sea"

Stand: 11.05.2019 17:23 Uhr

Litauen ist bei der Kunstbiennale in Venedig mit dem Hauptpreis für den besten nationalen Beitrag ausgezeichnet worden. Deutschland ging in diesem Jahr leer aus.

Mit einer zeitkritischen Oper hat Litauen bei der Kunstbiennale in Venedig den Hauptpreis für den besten nationalen Beitrag gewonnen. Die Performance "Sun & Sea (Marina)" übt Kritik am Lebensstil des vielen Reisens, Konsums und Arbeitens. Sie geht auf die Zerbrechlichkeit der Welt, den Klimawandel und das Artensterben ein.

Politische Kunst im Fokus der 58. Biennale
tagesschau 20:00 Uhr, 11.05.2019, Michael Schramm, ARD Rom

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Für die Opern-Performance verwandelte das Künstlerinnen-Trio Rugile Barzdziukaite, Vaiva Grainyte und Lina Lapelyte das Erdgeschoss eines alten Marine-Gebäudes in Venedig in einen Strand, auf dem mehrere Menschen zunächst auf ihren Badetüchern liegen. Die Biennale-Besucher beobachten die Situation vom ersten Stock aus. Kinder rennen mit Eis in den Händen über den Sand, eine Frau cremt ihrem Mann den Rücken ein.

Die Künstlerinnen Lina Lapelyte, Rugile Barzdziukaite und Vaiva Grainyte (von links) mit dem Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag auf der Biennale in Venedig. | Bildquelle: dpa
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Die Künstlerinnen Lina Lapelyte, Rugile Barzdziukaite und Vaiva Grainyte (von links) mit dem Goldenen Löwen.

Fröhliche Szene mit nicht so fröhlichem Inhalt

Es ist eine fröhliche Szene, die jedoch einen gar nicht so fröhlichen Inhalt hat. Die Strandbesucher singen über ihren Stress bei der Arbeit, das sich verändernde Klima, die Angst vor der eigenen Endlichkeit und dem Artensterben.

"Ich weinte so sehr, als ich erfuhr, dass es die Korallen nicht mehr geben wird", trägt ein Mädchen vor. Andere mäkeln über rücksichtslose Strandbesucher oder sinnieren über die vielen Orte, die sie auf der Welt schon gesehen haben.

Das Werk sei eine "Kritik an der Freizeit und an unserer Zeit", sagte die Direktorin des Berliner Martin-Gropius-Baus, Stephanie Rosenthal, die in diesem Jahr die Jury der Biennale leitete.

Arthur Jafa als bester Künstler geehrt

Der US-amerikanische Filmemacher und Kameramann Arthur Jafa bekam den Goldenen Löwen als bester Künstler. Er wurde für seinen Film "The White Album" geehrt, der nach Ansicht der Jury gleichzeitig "ein Essay, ein Gedicht und ein Porträt" ist.

Jafa verwendet eigenes Video-Material und Material aus Internet und Fernsehen, "um über das Thema Rasse nachzudenken", wie es die Jury formuliert. Der Film setze sich nicht nur kritisch mit einem Moment voller Gewalt auseinander, "sondern appelliert auch an unsere Liebesfähigkeit, indem auch die Freunde und Familienmitglieder des Künstlers gezeigt werden".

Es ist ein aufreibender Beitrag aus Bildern des Hasses, der Gewalt, aber auch der Liebe und Zuneigung. Ein junges Mädchen beklagt sich etwa darüber, dass Weiße immer aufpassen müssten, nicht rassistisch zu sein. Ein Mann in Handschellen beschimpft ohne Unterlass eine schwarze Polizistin als "Neger". Ein Mann filmt sich mit seinem Handy und probt offenbar für einen Amoklauf.

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Biennale in Venedig

Am Wochenende öffnet die Kunstschau im Norden Italiens für Besucher. 80 internationale Künstler präsentieren ihre Werke und provozieren mit ihren Installationen.

Biennale in Venedig:

Vom 11. Mai bis 24. November 2019 findet in Venedig die Biennale statt. Kuratiert wurde die riesige Schau zeitgenössischer Kunst vom US-Amerikaner Ralph Rugoff (links), der hier mit dem Präsidenten Paolo Barrata im künstlichen Nebel vor dem Hauptpavillon steht. Etwa 80 internationale Künstler sind für die Hauptausstellung eingeladen. | Bildquelle: AFP

Deutschland ging leer aus

Die Biennale hatte bereits zuvor bekannt gegeben, dass der US-amerikanische Konzeptkünstler, Autor und Aktivist Jimmie Durham den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk bekommt.

Deutschland ging bei der Preisverleihung zur offiziellen Eröffnung der Biennale für die Besucher leer aus. In diesem Jahr wurde der deutsche Pavillon von der Künstlerin mit dem Kunstnamen Natascha Süder Happelmann gestaltet. Die multimediale Sound- und Rauminstallation setzt sich mit Migration, Integration, Ein- und Abgrenzung und Fragen des Zusammenlebens auseinander.

80 internationale Künstlerinnen und Künstler

Die Biennale gilt neben der Documenta in Kassel als wichtigste Kunstausstellung. In der Hauptausstellung "May You Live In Interesting Times" sind Werke von rund 80 internationalen Künstlerinnen und Künstlern zu sehen. Kuratiert wird sie von dem US-Amerikaner Ralph Rugoff. Zudem präsentieren rund 90 Nationen Beiträge von Künstlern aus ihren Ländern.

Die Kunstschau in Venedig läuft in diesem Jahr bis zum 24. November.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 11. Mai 2019 um 15:00 Uhr.

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