F. W. Bernstein | Bildquelle: imago/epd

Trauer um F.W. Bernstein Sein Reim wird bleim

Stand: 21.12.2018 12:30 Uhr

"Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche" - der Spruch von F.W. Bernstein ist Kult. Mit seinen humorigen Reimen und Cartoons sind ganze Generationen aufgewachsen. Er starb nun mit 80 Jahren.

Die deutsche Sprache verdankt ihm wunderbare Verse und Cartoons: F.W. Bernstein gehörte als Zeichner und Lyriker zu den Universaltalenten. Der Mitbegründer der Neuen Frankfurter Schule, ist am Donnerstag im Alter von 80 Jahren gestorben. Das teilte das Frankfurter Caricatura Museum mit.

Kult mit Wimmelbildern und Elchspruch

Bekannt wurde Bernstein vor allem mit seinen Wimmelbildern. Noch bekannter wurde aber sein Zweizeiler über den Elch. Der Spruch: "Die schärfsten Kritiker der Elche waren früher selber welche" bleibt Kult. Kaum weniger bekannt ist sein Trinkspruch: "Wein auf Reim / das lass bleim. / Reim auf Bier / rat ich dir."

Geboren wurde F.W. Bernstein als Fritz Weigle am 4. März 1938 in Göppingen. Nach seinem Abitur 1957 studierte er an der Kunstakademie Stuttgart, wo er Robert Gernhardt kennenlernte. Später wechselte er an die Hochschule der Künste Berlin. Von dort aus nahmen er und Gernhardt die ersten Kontakte zum 1962 gegründeten Satiremagazin "Pardon" auf.

Zusammenarbeit mit Gernhardt und Waechter

Nach ihrer Abschlussprüfung 1964 wurden sie Teil der Redaktion, zu der bereits Chlodwig Poth, Hans Traxler und F.K. Waechter gehörten. Bei "Pardon" war Bernstein zusammen mit Gernhardt und Waechter für die Pardon-Beilage "Welt im Spiegel", kurz WimS, verantwortlich. Sie wurde zu einer Spielwiese für Witz, Nonsens und Ironie. Eine ganze Generation ist damit aufgewachsen.

Die Gruppe dieser fünf Zeichner und der drei Autoren Pit Knorr, Eckhard Henscheid und Bernd Eilert, von denen einige 1979 das Satiremagazin "Titanic" gründeten, wurde unter dem Namen Neue Frankfurter Schule bekannt - in Anlehnung an die berühmte Frankfurter Schule der Philosophen um Theodor W. Adorno und Max Horkheimer.

Der einzige Professor für Karikatur und Bildgeschichte

Bernstein ging neben seiner satirischen Tätigkeit als Lehrer in den Schuldienst. Später war er Akademischer Rat an der Pädagogischen Hochschule Göttingen und dozierte als Gast an der Hochschule für Bildende Kunst Kassel. Stets war er Förderer und Mentor junger Zeichnerinnen und Zeichner. 1984 führte dies zur Berufung auf die weltweit einzige Professur für Karikatur und Bildgeschichte an der Hochschule der Künste Berlin. Von dort aus arbeitete er freischaffend als Zeichner, Karikaturist und Schriftsteller.

Als Pädagoge hat sich Bernstein immer bemüht, die Cartoon-Kunst und die Grafik öffentlich zu fördern. In Kassel gehörte er zu den Gründern des Vereins Caricatura, der sich seit 1984 um die Satire mit vielen Ausstellungen verdient gemacht hat. Das vor zehn Jahren eröffnete Frankfurter Caricatura-Museum besitzt in seiner Sammlung mehr als 3000 Arbeiten von Bernstein. Der Elch - das Wappentier der "Neuen Frankfurter Schule" - steht heute als Skulptur vor dem Caricatura-Museum in Frankfurt.

Zahlreiche Preise

Bernstein wurde mit zahlreichen Preisen geehrt: 2003 mit dem Göttinger Preis für Satire, genannt Göttinger Elch, der nach seinem berühmten Zweizeiler benannt wurde, im gleichen Jahr gemeinsam mit seinen Kollegen der Neuen Frankfurter Schule mit dem Preis der Binding-Kulturstiftung. 2007 erhielt er den Heinrich-Schickhardt-Preis der Stadt Göppingen, 2008 den Wilhelm-Busch-Preis sowie den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor, 2011 den Deutschen Karikaturenpreis für sein Lebenswerk.

Am 14. März 2018 wurde er mit dem Ludwig-Emil-Grimm-Preis der Stadt Hanau geehrt. Zur Preisverleihung konnte der seit längerem gesundheitlich angeschlagene Bernstein aber nicht mehr anreisen und aus seinen Werken lesen.

Das übernahmen dann seine Freunde, denen Bernstein einen Spruch mit auf den Weg gab: "Ihr Vortrag gibt den Texten Stärke/wie keiner sie vermuten mag/und alle meine kleinen Werke/sind herrlich - wenn ich's Ihnen sag!"

Nachruf Zeichner und Lyriker F. W. Bernstein
Steffen Brück, RBB
21.12.2018 10:44 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 21. Dezember 2018 NDR Info um 13:00 Uhr in den Nachrichten, MDR Aktuell um 14:23 Uhr und die tagesschau um 17:00 Uhr.

Darstellung: