Helga Schubert | Bildquelle: ORF HANDOUT/EPA-EFE/Shutterstock

Literaturwettbewerb Helga Schubert gewinnt Bachmann-Preis

Stand: 21.06.2020 13:24 Uhr

1980 war die Schriftstellerin Helga Schubert schon einmal für den Bachmann-Preis nominiert. Doch damals erhielt sie keine Ausreisegenehmigung aus der DDR. 40 Jahre später wird Schubert nun geehrt.

Die gebürtige Berlinerin Helga Schubert hat den renommierten Bachmann-Preis gewonnen. Die 80-Jährige setzte sich mit einem Text über eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung gegen 13 andere Kandidatinnen und Kandidaten durch. Die mit 25.000 Euro dotierte Auszeichnung gilt als einer der wichtigsten Preise für deutschsprachige Literatur.

Schuberts Text "Vom Aufstehen" überzeugte die Jury. Sie schreibt darin über die Lebenserfahrungen einer Tochter mit ihrer vom Weltkrieg geprägten Mutter. Sie selbst wurde 1940 geboren, der Vater starb ein Jahr später als Soldat.

Helga Schubert | Bildquelle: dpa
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Später Triumph: 40 Jahre nach der ersten Nominierung wurde Schubert geehrt.

"Unglaublich glücklich"

Schubert äußerte sich bewegt über die Auszeichnung. "Ich bin unglaublich glücklich." Dass der Wettbewerb diesmal virtuell stattgefunden habe, sei für sie ein Segen gewesen. So habe sie zu Hause bleiben und sich um ihren Mann kümmern können. "Ich war dankbar, dass ich auf diese Weise dabei sein konnte", sagte sie.

Sie erklärte, dass ihr Text eine Hommage an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann gewesen sei, zu deren Ehren der Preis ins Leben gerufen worden war. Er habe zunächst "Das 80. Jahr" geheißen, angelehnt an Bachmanns Erzählungszyklus "Das dreißigste Jahr". Sie habe sich bei der Jury aber nicht anbiedern wollen. Deshalb habe sie den letzten Satz aus Bachmanns Buch genommen ("Steh auf, dir ist kein Knochen gebrochen") und daraus den Titel "Vom Aufstehen" gemacht.

Mitglieder der Jury sind auf Monitoren zu sehen | Bildquelle: dpa
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Mitglieder der Jury sind auf Monitoren zu sehen. Die Preisverleihung fand virtuell statt.

40 Jahre nach der ersten Einladung

Der Jury-Vorsitzende Hubert Winkels sprach nach Schuberts Vortrag von einem berührenden Stoff, der mit Raffinement gewebt sei. Der Text transportiere Empathie und Wärme, sagte Jurorin Insa Wilke. "Ich liebe sie", rief der Schweizer Juror und Schriftsteller Philipp Tingler der per Video zugeschalteten Schubert zu.

Schubert ist Diplompsychologin und war seit 1975 Mitglied im Schriftstellerverband. Sie lebte bis 2008 in Berlin und zog dann mit ihrem Mann, dem Psychologen, Maler und Schriftsteller Johannes Helm, nach Mecklenburg-Vorpommern.

Der Triumph in Klagenfurt kam 40 Jahre nach ihrer ersten Einladung zur Teilnahme. 1980 bekam Schubert, die in der DDR lebte, keine Ausreisegenehmigung von der SED-Kulturbehörde. Von 1987 bis 1990 war sie schließlich Mitglied der Jury.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. Juni 2020 um 16:00 Uhr.

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