Kommentar

Kommentar zu Trump Wirkt wie Chaos, ist Methode

Stand: 19.01.2019 10:41 Uhr

Die Rüpeltaktik des US-Präsidenten ist anstrengend, aber für ihn selbst durchaus effektiv. Die Marke Trump hält sich stabil - und hat anderen Populisten den Weg geebnet.

Ein Kommentar von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Zwei Jahre leben die Vereinigten Staaten jetzt mit Donald Trump als Präsidenten. Es waren zwei aufregende, vor allem aber aufgeregte Jahre. Der Lieblingsbegriff Trump-kritischer Medien: "Chaos im Weißen Haus". Belege sind Minister, die kommen und gefeuert werden, und Bücher, in denen Trump als geistig Fünfjähriger und planloser Einzelkämpfer beschrieben wird, der sich von superreichen Großindustriellen manipulieren lässt.

Und gleichzeitig: Zustimmungsrate von über 80 Prozent unter Republikanern, bei der Gesamtbevölkerung hingegen nur 39 Prozent. Der Mann spaltet, nach wie vor.

Entscheidend ist für ihn nur seine Perspektive

Seine Gegner werfen ihm vor, das Land zu verändern. Wichtige Errungenschaften wie Krankenversicherung, Umweltschutz, internationale Beziehungen und verlässlichen Handel zu zerstören. Würde man Trump danach fragen, würde er vermutlich ungerührt "ja, das stimmt" sagen. Warum auch nicht, denn er hat nie etwas anderes versprochen.

Will man Trump nach der Frage von Erfolg und Misserfolg beurteilen, dann ist eines nicht entscheidend: Was man selbst für richtig hält. Entscheidend ist dafür für ihn einzig seine eigene Perspektive.

Die Marke Donald Trump ist stabil

Sein wichtigstes Ziel hat er bisher erreicht: Seine Wählerbasis aus unzufriedenen, von der Politik angewiderten und ihrem Selbstverständnis nach verunsicherten Menschen bei der Stange zu halten.

Auch wenn es seit dem Shutdown leicht nach unten geht: Die Marke Donald Trump ist stabil, seine Kommunikation mit dieser Klientel gelingt wie aus dem Lehrbuch. Er spricht ihre Sprache, hat ein klares Gefühl für ihre Gefühlslage, vermittelt ihr, ihr Vertreter mit Rückgrat in Washington zu sein.

Angetreten war er mit dem klaren Versprechen, Barack Obamas Reformen zurückzudrehen, zum Beispiel die Krankenversicherung. Das hat er nur teilweise geschafft, sie aber massiv durchlöchert. Verordnungen zum Umweltschutz, Baustopp für Pipelines, Klimaschutzregelungen sind zum großen Teil weg. Eine Steuerreform ist durchgesetzt.

Alle Regeln des Umgangs missachtet

Trumps Mantra, seine Überschrift schon während der Wahlkampagne, lautet: "America First". Dem hat er sich die letzten zwei Jahre verschrieben und dabei die Rüpeltaktik als Werkzeug gewählt. Er hat andere Regierungschefs vor den Kopf gestoßen, einen regelrechten Handelskrieg mit China und Europa vom Zaun gebrochen, internationale Verträge gekündigt, große internationale Unternehmen erpresst. Er hat maßlose Forderungen gestellt, alle Regeln des politischen Umgangs und der Höflichkeit missachtet.

In der Folge werden China und die EU Zugeständnisse machen, werden Handelsverträge neu geschrieben, bauen große Unternehmen wieder Produktionsanlagen in den USA. Und selbst beim Problem Nordkorea gibt es Bewegung. Beim Iran deutet sich das ebenfalls an, im Nahen Osten hingegen kaum.

Niemand, der etwas werden will, stellt sich gegen ihn

Ein weiteres Beispiel: Mehr als ein Dutzend hochrangiger Mitarbeiter im Weißen Haus hat er gefeuert, ersetzt und zum Teil wieder ersetzt. Das wirkt chaotisch, und manchmal hat man tatsächlich den Eindruck, niemand habe mehr einen Plan.

Tatsächlich aber ist Trump nicht bereit, mit Leuten zusammenzuarbeiten, die nicht zu 100 Prozent loyal sind. Er kennt keine Gnade, handelt schnell. In der Folge arbeitet das Weiße Haus jetzt nach seinen Vorgaben.

Die republikanische Partei hat er mit ebensolcher Härte, persönlichen Angriffen unter der Gürtellinie und auch schmutzigen Tricks auf Linie gebracht. Niemand, der noch etwas werden will, stellt sich gegen Trump. Innerhalb von zwei Jahren hat er seine Macht gesichert.

Es geht gar nicht um die Mauer

Nicht alles hat geklappt. Die Mehrheit im Repräsentantenhaus ist verloren. Das tut richtig weh.

Bisher gibt es keine Mauer zu Mexiko. Man sollte nur nicht vergessen, dass es gar nicht um die Mauer geht. Trump nutzt das hochemotionalisierte Thema Einwanderung, um seine Wählerbasis einzuschwören. Für oder gegen die Mauer zu sein, hält das Feindbild aufrecht, das seine Klientel in der Anti-Establishment-Wagenburg zusammenrücken lässt.

Trump steht zur Halbzeit unter Druck. Es können wegen der Russlandaffäre riesige juristische und politische Probleme auf ihn zukommen. Das Gesetz und Sonderermittler Robert Mueller lassen sich eben nicht mit rhetorischen Gags wegkommunizieren.

Die Methode Trump aber hat den politischen Stil in den USA, vielleicht weltweit verändert und anderen Populisten den Weg geebnet. Seine Methode hat funktioniert, weil sie überrascht und gültig geglaubte Regeln missachtet.

Wie immer lernen auch die anderen schnell und entwickeln passende Strategien dagegen. Die ersten zwei Jahre aber war die Methode Trump für die Welt sehr anstrengend, aus seiner Sicht aber erfolgreich.

Was wie Chaos aussieht, ist auch Erfolgsstrategie - Zur Amtshalbzeit von Donald Trump
Arthur Landwehr, ARD Washington
19.01.2019 00:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 20. Januar 2019 um 16:36 Uhr.

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