Anthony Albanese mit Hund vor seiner Haustür | EPA
Kommentar

Australiens neuer Premier Die Quittung für Morrisons Arroganz

Stand: 23.05.2022 13:28 Uhr

In Australien beruft der Sozialdemokrat Albanese als neuer Premier sieben Frauen ins Kabinett und will den Klimawandel bekämpfen - damit setzt er sich klar ab von Vorgänger Morrison.

Ein Kommentar von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

In Australien ist der Sozialdemokrat Anthony Albanese kurz nach seinem Wahlsieg vereidigt worden. Sein Sieg ist Resultat der unerträglichen Arroganz und Ignoranz der liberalkonservativen Regierung. Wald- und Buschbrände, die Feuerstürme auslösten und sich nicht mehr löschen ließen, verheerende Überschwemmungen, das Great Barrier Reaf löst sich auf - aber Premier Scott Morrison hielt Klimapolitik für zweitrangig.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

Lange kam er damit auch durch, denn die Landbevölkerung in Down Under ist konservativ, und es gab in keinem Land der Erde so viele Klimaleugner wie in Australien.

Inzwischen aber sind große Teile des Landes landwirtschaftlich nicht mehr nutzbar, Felder verdorren, Mäuseplagen vernichten die Ernten - und mehr und mehr Australier begreifen, dass die Extremwetterlagen eben doch mit dem Klimawandel zu tun haben.

Nur 50.000 Arbeitsplätze in der Kohleindustrie

Trotzdem hielt Morrison beinhart an der Kohle fest - Australien ist einer der größten Kohleexporteure der Welt. Weil die Kohle angeblich Wohlstand und Arbeitsplätze des Landes sicher. Das ist glatter Unsinn. Gerade mal 50.000 Arbeitsplätze gibt es in der Kohleindustrie. Dafür aber eine Menge sehr gut dotierter Jobs für Ex-Politiker. Auch diese Kungelei waren die Menschen satt.

Der Neue - Sozialdemokrat Anthony Albanese - will dem Kampf gegen den Klimawandel Priorität einräumen. Der CO2-Ausstoß soll drastisch gesenkt, erneuerbare Energien massiv ausgebaut werden. Was sich anbietet in einem Land, das soviel Fläche und soviel Sonne hat, dass es die halbe Welt mit Solarstrom versorgen könnte.

Sieben Frauen im neuen Kabinett

Es soll Kaufprämien für Elektroautos geben und deutlich schärfere Emissionsgesetze. Der 59-jährige Albanese, Sohn einer alleinerziehenden, behinderten Frührentnerin, aufgewachsen in einem Problemviertel (worüber er gerne spricht) - präsentiert sich als Kontrastprogramm zu der Vorgängerregierung selbstgefälliger Männer. Das zeigt auch die Berufung von gleich sieben Frauen in sein Kabinett.

Ob er es freilich wagt, sich tatsächlich mit der mächtigen Kohlelobby anzulegen, ist eine andere Frage. So hat Albanese bislang Forderungen, keine neuen Kohleminen mehr in Australien zuzulassen, stets zurückgewiesen. Man darf allerdings auch davon ausgehen, dass die von der Natur arg gebeutelten Australier deutlich weniger Geduld als früher mit ihren  Politikern haben.

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Mai 2022 um 02:10 Uhr.