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Kommentar

Klimagipfel Klimaschutz soll sich wieder lohnen

Stand: 23.04.2021 00:11 Uhr

Neben konkreten Zielmarken war am ersten Tag des Klimagipfels vor allem eine symbolische Botschaft wichtig. Die Wirtschaft wisse nun: Das Klima ist wieder marktrelevant.

Ein Kommentar von Werner Eckert, SWR

Klimaschutz ist der Markt von morgen. Das ist die wahre Triebfeder des internationalen Klimaschutzes. Das ist gar nicht mal neu. Diese Erkenntnis hat 2015 die Übereinkunft von Paris überhaupt erst möglich gemacht. Aber das Kapital ist ein scheues Reh: Die Vehemenz, mit der Donald Trump im Weißen Haus gegen den internationalen Klimaschutz gearbeitet hat, ließ Investoren, Wirtschaft und manchen anderen Staat daran zweifeln. Würde Trump sie platt machen durch seine Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Klimawandel?

Werner Eckert

Jetzt ist die Zuversicht zurück und die Gewissheit, dass es weltweit einheitlich in diese Richtung geht. Und das ist die gute und entscheidende Botschaft.

Joe Biden hatte dafür schon in Reden gesorgt. Jetzt hat er auch inhaltlich geliefert. Eine klare Vorgabe für die USA bis zum Jahr 2030: halb so viele Treibhausgase wie noch 2005. Das ist eine deutliche Schippe mehr, als noch Vor-Vorgänger Barack Obama in Paris selbst zugesagt hatte (minus 26 bis 28 Prozent bis 2025).

Bidens eigener Gipfel

Biden hat dieses Ziel nicht einfach nur verkündet, er hat als Rahmen einen eigenen Gipfel veranstaltet. Keine schlechte Idee, denn im internationalen Klimaschutz hat es in den vergangenen Monaten an Momentum gefehlt, an öffentlichen Debatten und Terminen, die die Regierenden unter Rechtfertigungsdruck beim Klimaschutz bringen.

Die UN-Klimakonferenz im vergangenen Jahr ist ausgefallen. Da hätten die Staaten nach dem Regelwerk des Paris-Abkommens bereits ihre Ziele für 2030 nennen müssen. Einige haben diese Gelegenheit jetzt genutzt. Neben den USA selbst zum Beispiel Kanada und Japan - die EU hatte bereits einen Tag vorher ihre Zahlen verabschiedet. Andere haben wenigstens teilweise weitere Klimaschritte angekündigt. Am wichtigsten China mit der Absicht ab 2025 immer weniger Kohle zu verbrennen.

Kann die Zwei-Grad-Marke erreicht werden?

In jedem einzelnen Fall und auch in der Summe ist das weiter nicht genug, um das gemeinsam vereinbarte Ziel zu erreichen, nämlich die Erderwärmung auf "deutlich unter zwei Grad, wenn möglich auf 1,5 Grad" zu begrenzen. Darauf weisen Klimaschützer und Wissenschaftler zu Recht hin. Aber die Lücke wird kleiner. Die Zusagen von Paris liefen noch auf drei Grad Erwärmung mehr hinaus. Jetzt steigt die Wahrscheinlichkeit, dass eine zwei vor dem Komma bleibt. Und andere werden noch nachziehen. Im November in Glasgow bei der 26. UN-Klimakonferenz soll die Zusage-Runden erst abgeschlossen werden.

Und alle fünf Jahre müssen die Staaten ja auch in Zukunft neue Ziele formulieren. Das ist ein kluger Mechanismus, den die Unterhändler sich da in Paris ausgedacht haben. Und das funktioniert offenbar. Dank einer Mischung aus guten Beispielen - wie eben jetzt von den USA oder auch der EU - und Androhung von Gewalt. Nicht zufällig wird genau in diesen Ländern ja auch über Zollabgaben auf klimaschädliche Produkte aus anderen Staaten diskutiert. Das setzt beispielsweise China, Indien und Russland unter Druck, nun selbst mehr Klimaschutz zu betreiben.

Es funktioniert aber nur dann, wenn alle Vertrauen darin haben und haben können, dass sie damit auch ihre Wirtschaft auf die Märkte von morgen einstellen. Das ist nun wieder der Fall seit Trump aus dem Weißen Haus gewählt worden ist.

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. April 2021 um 01:00 Uhr.