Kommentar

Ein SPD-Parteianhänger mit einem Obamas Wahlkampf nachempfundenen Plakat mit einem Bild des SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz | Bildquelle: dpa

SPD-Umfragehoch Kein Grund zur Euphorie

Stand: 03.02.2017 12:42 Uhr

Das Umfragehoch der SPD - Balsam für die sozialdemokratische Seele. Doch kein Grund in Euphorie auszubrechen, meint Martin Mair. Kanzlerkandidat Schulz sorgt zwar für einen Kick in Sachen Selbstvertrauen, auf Dauer wird das allein nicht reichen.

Ein Kommentar von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Jubel, Trubel, Heiterkeit: Die SPD sonnt sich in ihrem Umfragehoch. Dass ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz der Partei im ARD-DeutschlandTrend ein sattes Umfrageplus beschert, wirkt wie Balsam auf die geschundene Seele. Und dass bei einer Direktwahl sehr viel mehr Menschen den Mann vom Niederrhein ins Kanzleramt wählen würden als die derzeitige Chefin, sorgt gar für Verzückung. Schon frohlocken führende Sozialdemokraten: Der Lack bei Angela Merkel ist ab, die Leute wollen den Wechsel.

Freilich - so einfach ist es natürlich nicht. Rechnerisch nämlich reicht es weiterhin nicht für Rot-Rot-Grün. Und Schulz profitiert davon, dass er nicht in Amt und Würden steht - entsprechend weniger unbeliebt hat er sich bislang machen können. Auf Dauer wird das nicht reichen und im hektischen Berlin ist die Anfangs-Euphorie allenfalls ein Wimpernschlag.

Kick in puncto Selbstvertrauen

Trotzdem: Schulz kann für sich beanspruchen, dass er der SPD einen Kick in puncto Selbstvertrauen gegeben hat. Die Partei hat zuletzt hinter vorgehaltener Hand nämlich vor allem davon gesprochen, dass sie bei der Wahl im September kein Desaster erleben will - mit dieser Einstellung ist kein Blumentopf zu gewinnen. Und noch etwas spielt Schulz in die Hände: Die Deutschen wollen, anders als bei der letzten Wahl, mehrheitlich einen Wechsel - deshalb wird die Luft für Angela Merkel tatsächlich dünner. Und im direkten Vergleich wirkt Martin Schulz sehr viel lustvoller auf das Amt und seine Möglichkeiten - die Kanzerlin dagegen eher so, als ob sie aus Pflichtgefühl und Routine halt noch einmal antritt.

Wahlkampf wird spannender als erwartet

Was am Ende davon am Wahltag für wen übrig bleibt, das lässt sich nicht abschätzen - zu sehr schwanken die Umfragewerte, zu flüchtig war schon in der Vergangenheit so manches Zwischenhoch. Doch eines zeigt der ARD-DeutschlandTrend doch: Der Wahlkampf wird spannender als von vielen erwartet, denn Schulz beginnt sich in Windeseile zu positionieren und profilieren.

Merkels "Sie kennen mich"-Slogan reicht nicht

Und dem muss Merkel etwas entgegensetzen - ihr "Sie kennen mich"-Slogan vom letzten Mal wird diesmal nicht reichen. Zum Glück! Denn im Wahlkampf soll und darf um Inhalte, Probleme und Lösungen gestritten werden. Denn nach vier Jahren Großer Koalition haben zu viele Deutsche das Gefühl, es wäre eh egal, wo sie ihr Kreuzchen machen. Doch das ist ein großer Irrtum. Und ganz egal, wie man nun politisch zur SPD und Martin Schulz auch stehen mag - er wird helfen, dass wieder mehr Menschen die Wahl als Wahl begreifen. Und das tut uns allen gut.

Kommentar zum SPD-Umfragehoch
M. Mair, ARD Berlin
03.02.2017 18:51 Uhr

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Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 02. Februar 2017 um 22:15 Uhr und Inforadio am 03. Februar 2017 um 07:41 Uhr.

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