Kommentar

Trumps Lockerungs-Fahrplan Der "Big Bang" bleibt aus. Gut so!

Stand: 17.04.2020 04:33 Uhr

Trotz Trumps Bombast - am Ende haben sich bei den Plänen des US-Präsidenten zur "Wiederbelebung" Amerikas die Gesundheitsexperten und Gouverneure durchgesetzt. Zum Glück.

Ein Kommentar von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Die meisten Tests, die größten Fortschritte, die genialsten Unternehmer und die beste Wirtschaft - der Welt, versteht sich. Kleiner hat er es nicht, der US-Präsident. Bombastische Rhetorik bei jeder Pressekonferenz, und wer wissen will, was denn wirklich neu ist, muss erst einmal eine Menge Stuck runterklopfen, bis sich so etwas wie eine Erkenntnis herausschält.

Also: wird Donald Trump das Land "wiedereröffnen", wie er es angekündigt hat? Kommt nun die "gewaltige amerikanische Wirtschaftswiederbelebung"? So hat er ernsthaft seine jüngste Arbeitsgruppe genannt.

Nein, sie kommt nicht, und das ist eine große Erleichterung für jeden, der in diesem Land lebt und arbeitet.

Die Experten haben sich durchgesetzt

Ganz offenbar haben für den angekündigten "großen Tag" sich am Ende doch die Gesundheitsexperten und Gouverneure durchgesetzt, also die, die sich im Kampf gegen den "unsichtbaren Feind" am besten auskennen. Die einen, weil sie wissen, was in den Krankenhäusern passiert und weil sie die Daten interpretieren können. Die anderen, weil sie in ihren jeweiligen Bundesstaaten direkt gewählt und damit persönlich verantwortlich für Menschen und Wirtschaft sind.

Und gerade dort, unter den Unternehmern, gibt es offenbar viele, die Trump dringend vom "Big Bang" abraten, also dem: zurück auf Start, ab sofort ist alles wieder wie früher. Denn solange es weder genug Tests noch Schutzmaterial gibt, solange sich die Menschen fürchten, am Arbeitsplatz krank zu werden, solange die Zulieferung nicht funktioniert und der Verkehr nicht wieder läuft, wird es auch nichts werden mit dem steilen Aufschwung.

Ein sehr vernünftiger Drei-Stufen-Plan

Nun gibt es also einen sehr vernünftigen Drei-Stufen-Plan, und die Gouverneure sollen selbst entscheiden, wie sie vorgehen. Das ist klug. Denn tatsächlich müssen für New York und North Dakota, für Moloch und Einöde, nicht die gleichen Zeitpläne und Regeln gelten. Außer den ganz grundsätzlichen Leitlinien, wie etwa, dass die Zahl der neuen Fälle 14 Tage lang sinken muss, bevor die nächste Phase der Entspannung erreicht werden kann.

Charmant, dass Trump die Gouverneure nun ausdrücklich zu dem ermuntert, was sie in ihrer Not schon selbst in die Hand genommen haben: die engere Zusammenarbeit untereinander, damit die Pendler, Kunden und Gäste sich sicher über die Staatsgrenzen hinweg bewegen können.

Das alles ist natürlich nicht mehr als ein Plan, den der beste Präsident der Welt tatsächlich nicht als seine Idee, sondern als Teamleistung verkauft hat. So etwas Vernünftiges war seit langem nicht mehr aus dem Weißen Haus zu hören.

Kommentar: USA Der Big Bang bleibt aus. Gut so!
Katrin Brand, ARD Washington
17.04.2020 05:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 17. April 2020 um 08:13 Uhr.

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