Kommentar

Militärparade am 4. Juli Trump kapert den Nationalfeiertag

Stand: 05.07.2019 10:30 Uhr

Kampfjets, Panzer, eine Rede zum Tag der Unabhängigkeit: US-Präsident Trump hat das Recht dazu, das traditionelle Familienfest in seinem Sinne zu gestalten - dennoch ist es übergriffig. Sein Vorgehen zeigt, dass ihm eines fehlt: Souveränität.

Ein Kommentar von Arthur Landwehr, ARD-Studio Washington

Jetzt mal die Pflichtkritik vorne weg. Natürlich ist es nicht in Ordnung, dass Donald Trump dieses traditionelle Familienfest zum Unabhängigkeitstag für sich und seine politischen Ziele kapert. Natürlich ist es übergriffig, das Militär, das doch politisch neutral sein soll, für den eigenen Wahlkampf zu vereinnahmen. Und gleichzeitig hat er das Recht dazu. Er ist der Präsident, Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Chef des Nationalen Parkservice, und da kann er sagen: "Ich will das".

Das Publikum bekommt ja auch was geboten, wann kann man schon mal die Blue Angels fliegen sehen. Picknick auf der Wiese, Konzert vor dem Kapitol und Feuerwerk - alles bleibt wie immer. Nichts hat Trump genommen. Und sich den Spaß verderben zu lassen, das eigene Fest zu boykottieren, ist keine selbstbewusste Haltung. Wie gesagt, der Präsident darf das. Ob es gut ist, es zu tun, ist eine andere Frage.

Bezogen auf Trump stelle sich die Frage, was zeigt dieser Drang danach, immer der größte sein zu müssen, die meisten Jubler zu haben oder sich notfalls vom Scheinwerfer der wirklich Großen beleuchten zu lassen. Was sagt das über die wirkliche Souveränität eines Mannes aus, in dessen Händen die größte Macht der Welt zusammen läuft?

Marsch der Spaltung

Die Szene am Abend: Trump steht an dem Ort, an dem Martin Luther King seine "Ich habe einen Traum" Rede gehalten hat - eine Rede, die die Vision eines gerechten, toleranten und vereinten Amerikas zeichnete. Und Trump nutzt diesen Ort, um seinen politischen Marsch der Spaltung fortzusetzen. Der große Bürgerrechtler forderte, die Menschen der Vereinigten Staaten nicht mehr nach ihrer Herkunft, Kultur oder Hautfarbe zu beurteilen. Er wollte ein Land mit den unterschiedlichsten Menschen, die sich auf das gleiche Ziel verständigen: Freiheit für alle, Demokratie für alle, Bildung für alle und gute Lebensbedingungen für alle.

Trumps Politik bewirkt genau das Gegenteil, und zwar gewollt. Sie spielt Menschen wegen ihrer Herkunft und ihrer sozialen Situation gegeneinander aus, betont die Unterschiede und verstärkt damit die Ungleichheit - ausgerechnet den Tag, an dem Freiheit, Demokratie und das amerikanische Ideal der Offenheit gefeiert werden, nutzt er dafür.

Es fehlt Souveränität

Trump gibt sich als harten Macher. Er stellt den selbstbewussten, starken Rüpel heraus, der seine Ziele erreicht. Aber eines ist er nicht: souverän. Denn spalten, Unterschiede gegeneinander ausspielen, das ist leicht. Das Gegenteil zu tun, Toleranz den Weg zu bereiten, Unterschiede für Fortschritt zu nutzen, Offenheit für andere - das fordert wirklich Souveränität. Aber darauf ist diese Präsidentschaft nicht aufgebaut. 

Und morgen wird nicht mehr darüber gesprochen werden, was der Präsident am Tag der Unabhängigkeit gesagt hat. Was einzig bleiben wird, ist Streit. Streit darüber,  wie viele Menschen auf der Wiese vor ihm waren. Ob er die größte Zuschauerzahl in der Geschichte des 4. Juli hatte - oder eben nicht - als einziges Kriterium für erfolgreiche Politik.

Kommentar: Donald Trump kapert den Nationalfeiertag
Arthur Landwehr, ARD Washington
05.07.2019 09:50 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Juli 2019 um 19:08 Uhr.

Darstellung: