Kommentar

Trump und Corona Wenn Fake-News nicht helfen

Stand: 12.03.2020 20:58 Uhr

Großspurig auftreten, Falschnachrichten verbreiten, die Schuld bei anderen suchen - US-Präsident Trump ist die Corona-Krise zunächst wie jedes andere Problem angegangen. Das rächt sich nun.

Ein Kommentar von Julia Kastein, ARD-Studio Washington

Donald Trump hat es mal wieder geschafft und mit einem widersinnigen Alleingang Europa vor den Kopf gestoßen. So weit, so vertraut. Und doch ganz anders: Weil der US-Präsident bei seiner TV-Rede aus dem Oval Office nicht mal ansatzweise so wirkte, als ob er noch Herr der Lage ist. 

Nicht prahlerisch und von Selbstverliebtheit strotzend wie sonst, sondern nervös, kleinlaut, eingeschüchtert. Hoffentlich hat der Präsident in dem Moment gespürt, dass die Trump-Methode beim Coronavirus nicht funktioniert. All das Über- und Untertreiben, all die Lügen und falschen Schuldzuweisungen haben den Vormarsch des Virus nicht gestoppt.

Präsident verliert die Kontrolle

Trump hat die Sache eben nicht im Griff. Corona ist keine Erfindung der Demokraten und auch nicht so gut wie eingedämmt. Das Risiko, sich anzustecken, ist nicht niedrig, sondern in vielen Gegenden der USA schon jetzt hoch - und es wird noch steigen. Und auch wenn die normale Grippe in dieser Saison tatsächlich schon mehr Menschen das Leben gekostet hat - weil die Krankheitsverläufe so unterschiedlich sind, ist das Coronavirus besonders heimtückisch und vor allem für ältere Menschen sehr gefährlich.

Schuld haben wie immer die anderen

Dass Trump jetzt den Europäern die Schuld fürs eigene Versagen gibt - es wäre lachhaft, wenn es nicht so ernste Konsequenzen hätte und zwar nicht nur für die vielen Europäer, die jetzt ihre Reisepläne ändern müssen, sondern vor allem für die US-Wirtschaft: Die Börsen haben ihre Talfahrt fortgesetzt. Die Fluggesellschaften werden ihre Flugpläne weiter zusammenstreichen, Millionen Arbeitsplätze nicht nur in der Reise- und Tourismusbranche sind in Gefahr. Und Trump wird so auch nicht verhindern, dass das Virus sich weiter ausbreitet. Es ist schließlich schon längst da.

Und dass Großbritannien und Irland vom Einreiseverbot ausgenommen sind, ist da fast nur eine absurde Randnotiz. Als ob Corona auf den britischen Inseln nicht ansteckend wäre. Aber Trump lässt ungern eine Gelegenheit aus, Brüssel und London weiter gegeneinander aufzubringen. 

Von Ja-Sagern umgeben

Dass es in den USA offiziell erst gut 1200 Corona-Fälle gibt, liegt daran, dass die US-Regierung es bislang nicht geschafft hat, die nötigen Testkapazitäten zu organisieren. Für Trump rächt sich nun, dass er in seinem Umfeld seit Jahren keinen Widerspruch und keine unbequeme Wahrheit duldet und sein Hofstaat, allen voran Vizepräsident Mike Pence, auch in dieser Krise vor allem damit beschäftigt war, den Präsidenten zu preisen und zu beschwichtigen. 

 Mit einer großen Portion Zynismus könnte man sich freuen, dass Trump, der sich doch so vor Bakterien und Viren ekelt, ausgerechnet im Coronavirus einen Gegner gefunden hat, der sich von seiner Aufschneiderei und seinem tyrannischen Gehabe nicht beeindrucken lässt. Nur hilft das keinem US-Arbeiter, der wegen der Krise seinen Job verliert oder sich die Untersuchung auf Corona beim Arzt nicht leisten kann.

Trump selbst hat sich von seinem kurzen Anflug von Corona-Verunsicherung schon wieder erholt. Am Mittag, im Gespräch mit Irlands Premier, war er schon wieder ganz der Alte: Lage unter Kontrolle, alles im Griff. Stimmen tut es trotzdem nicht.

 

Trumps Corona-Management: Runterspielen und Europa die Schuld geben
Julia Kastein, ARD Washington
12.03.2020 20:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2020 um 19:05 Uhr.

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