Kommentar

Vorwürfe gegen Russland Hat Trump etwas zu verbergen?

Stand: 03.08.2018 17:45 Uhr

Warum streitet Trump eine Einmischung Russlands ab und spricht von einem Schwindel? Es lässt den Verdacht aufkommen, dass der US-Präsident in Putins Schuld steht.

Ein Kommentar von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Das Verhalten von US-Präsident Donald Trump in Bezug auf Russland wirft immer mehr Fragen auf. Da lässt er die fünf wichtigsten Sicherheitsexperten in seiner Regierung im Weißen Haus auf einer Pressekonferenz antreten. Die klare Botschaft: Russland setzt weiter alles daran, unsere Demokratie zu schwächen, unsere Gesellschaft zu spalten und unsere Wahlsysteme zu hacken.

Trumps Heimatschutzministerin brachte es auf den Punkt: "Unsere Demokratie steht im Fadenkreuz", warnte sie: "Freie und faire Wahlen sind das Fundament unserer Demokratie." Das aber wolle Russland unterminieren - durch Cyberattacken und Hetzkampagnen in den sozialen Medien, die Amerikas Gesellschaft weiter spalten sollen.

Trump spricht von Schwindel

Die Reaktionen unmittelbar danach waren positiv: Endlich stelle sich die Trump-Regierung den von Russland ausgehenden Gefahren, hieß es unisono. Doch was macht der amerikanische Präsident?

Wenig später, auf einer Wahlkampfveranstaltung in Pennsylvania, fällt er seiner Regierungsmannschaft in den Rücken und konterkariert ihre klare Botschaft. Unter dem Gejohle seiner Anhänger bezeichnet Trump die Vorstellung einer russischen Einmischung in die US-Wahlen als "Schwindel".

Damit ist klar, dass Trump seine Top-Sicherheitsleute zu einer bloßen Alibi-Veranstaltung missbraucht hat. Nach dem Motto: "Erzählt mal was von russischer Einmischung. Dann sind Politiker und Medien nach der Empörung über Helsinki endlich beruhigt. Ich aber denke gar nicht daran, Wladimir Putin damit zu konfrontieren." Ein gutes Verhältnis zu Russland sei doch schließlich etwas Gutes.

Besessene Attacken

Trumps Verhalten wird genau das Gegenteil bewirken. Im Kongress werden bereits weitere Sanktionen gegen Russland vorbereitet. Ein besseres Verhältnis zu Russland ist erst dann möglich, wenn Trump den Mut hat, Putin klipp und klar aufzufordern, die Cyberattacken und Einmischungsversuche in westliche Demokratien zu unterbinden.

Bisher glaubte man, Trump verschließe die Augen vor Russlands Einmischung, weil er überzeugt ist, es gehe seinen Kritikern nur darum, seinen Wahlsieg gegen Hillary Clinton madig zu machen. Doch Trumps fortgesetztes Leugnen - auch nach Helsinki - lässt einen schlimmen Verdacht aufkommen: Vielleicht sieht sich Trump doch in Putins Schuld und hat etwas zu verbergen.

Ob es dabei um dunkle Finanzgeschäfte oder ein schlüpfriges Video geht, wäre dann egal. Wie sonst soll man sich Trumps fast schon besessene Attacken gegen Sonderermittler Robert Mueller erklären?

Auch seine ständige Kritik an den NATO-Partnern; seine Zweifel, ob es sich lohnt, ein kleines NATO-Land wie Montenegro im Bündnisfall zu verteidigen; seine Verachtung für die Europäische Union - all das könnte direkt aus der Feder Putins kommen. Und wie sollten sich die Europäer zu all dem verhalten? Ja, Gespräche mit Russland sind nötig. Und ja, vielleicht drohen nun Überreaktionen im US-Kongress.

Aber Gespräche mit Russland bringen nur dann etwas, wenn man Putin mit Stärke und Selbstbewusstsein entgegentritt: "Freundchen, wir wissen, was Deine Leute treiben. Und wir lassen uns unsere liberale Demokratie nicht von Russland unterminieren!"

Was hat der US-Präsident zu verbergen?
Martin Ganslmeier, ARD Washington
03.08.2018 17:29 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. August 2018 um 17:45 Uhr.

Darstellung: