Kommentar

"Synodaler Weg" Gelungener Start - ungewisser Ausgang

Stand: 01.02.2020 18:47 Uhr

Die erste synodale Versammlung der deutschen Katholiken hat gezeigt, wie groß das Reformpotenzial der Kirche ist. Es bestehe aber die Gefahr, dass die Aufbruchstimmung wieder verpufft.

Ein Kommentar von Ulrich Pick, SWR

Acht Wochen nach seinem offiziellen Start hat der sogenannte "Synodale Weg" seine Arbeit aufgenommen. Um es gleich vorweg zu sagen: Es war ein gelungener Start. Denn er zeigte, dass die katholische Kirche in Deutschland sowohl über leidenschaftlich engagierte Mitarbeiter und vor allem Mitarbeiterinnen verfügt als auch über ein großes Reformpotenzial. Dennoch haftet dem "Synodalen Weg" etwas Ambivalentes an.

So zeigte sich auf der einen Seite, dass die überwiegende Mehrheit der 230 Delegierten einen Aufbruch wünscht und auch den Willen zeigt, ihn umzusetzen. Die Atmosphäre in Frankfurt war wohlwollend und die Debattenkultur geradezu eine Lehrstück der Demokratie. Man ließ einander ausreden und schenkte sich Gehör, selbst wenn - und davon gab es reichlich - Unangenehmes und Kritisches thematisiert wurde.

Forderung nach Gleichberechtigung

So erklärte beispielsweise eine benediktinische Ordensfrau unter großem Beifall, dass für sie in katholischen Institutionen an viel zu vielen Stellen eine Atmosphäre der Angst vorherrsche, die Vertrauen und ein konstruktives Miteinander geradezu ersticke.

Besonders die Frauen, die ohnehin das Gros der Arbeit an der kirchlichen Basis leisten, waren es, die immer wieder klug und unmissverständlich einen Aufbruch und natürlich auch Gleichberechtigung in der katholischen Männerkirche forderten. Bei den meisten der 69 Ort- und Weihbischöfen ernteten sie mit dieser offensiven Haltung nicht nur Respekt, sondern auch Zustimmung.

Am Ende entscheidet der Vatikan

Eigentlich wären dies alles gute Anzeichen, dass die katholische Kirche nicht nur aus ihrer derzeitigen Krise herauskommen, sondern auch ihr miserables Image aufpolieren könnte. Doch leider steht zu befürchten - und damit kommen wir zur anderen Seite der anfangs angesprochenen Ambivalenz -, dass das Frankfurter Engagement nur wenig hilft. Denn es herrscht eine breite Kluft zwischen dem mutigen binnenkirchlichen Engagement dieser Tage und der außerkirchlichen Wahrnehmung.

Die beiden wichtigsten Punkte, die in diesem Zusammenhang immer wieder thematisiert werden - nämlich der Wunsch nach Abschaffung des Pflichtzölibates und die Weihe für Frauen - können nicht in Deutschland, sondern nur im Vatikan umgesetzt werden. Es besteht also die Gefahr, dass die große Energie, die der gerade begonnene "synodale Weg" freigesetzt hat, in Kürze verpufft. Zu wünschen ist dies nicht. Doch so lange sich in Rom nichts ändert, wird der Frust in Deutschland womöglich schneller wachsen als befürchtet.

Kommentar zum Synodalen Weg: Gelungener Start - ungewisser Ausgang
Ulrich Pick, SWR
01.02.2020 18:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Februar 2020 um 17:00 Uhr.

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