Kommentar

Heinz-Christian Strache | Bildquelle: dpa

Strache-Rückzug aus der Politik Erstmal wegducken und abwarten

Stand: 02.10.2019 01:04 Uhr

Ex-FPÖ-Chef Strache hatte seine Suspendierung wohl kommen sehen und schon vorher das Ende seiner politischen Karriere verkündet. Doch dieser Rückzug muss nicht von Dauer sein.

Ein Kommentar von Srdjan Govedarica, ARD-Studio Wien

Man könnte einen Wodka-Red-Bull dagegen wetten, dass Heinz-Christian Strache wirklich seine politische Aktivität einstellen wird und keine Ämter mehr anstrebt. Das hat er zwar heute bei einer Pressekonferenz in Wien so gesagt, aber eigentlich hat er nur die Notbremse gezogen und eine Art Waffenstillstand mit der Partei vereinbart. Denn dass seine FPÖ ihn wenige Stunden nach seiner Pressekonferenz ohnehin suspendieren würde, war absehbar.

Toxisch für die FPÖ

Strache weiß genau, dass er zu einer toxischen Person für die FPÖ geworden ist - zumindest so lange die Staatsanwaltschaft gegen ihn ermittelt wegen eines für Strache sehr unangenehmen Vorwurfs: dem der Untreue gegenüber der FPÖ. Strache soll, so der Verdacht, private Ausgaben im großen Stil über die Partei abgerechnet haben. Die FPÖ hatte ihm ein Spesenkonto von 10.000 Euro im Monat eingeräumt und einen 2500-Euro-Mietzuschuss für seine Villa zusätzlich zu seinem Gehalt von rund 19.000 Euro als Vizekanzler.

Wer "Unser Geld für unsere Leute" im Brustton der Überzeugung vom Rednerpult im Nationalrat donnert und Robin Hood wegen seines "Freiheitskampfes für das Volk und gegen die Mächtigen" als Vorbild bezeichnet, kann sich so etwas einfach nicht erlauben. Der "kleine Mann", für den Strache seit jeher den Anwalt spielt, findet so etwas gar nicht gut.

Lieber erstmal wegducken

Straches Rückzug wirkt auf den ersten Blick wie ein sauberer Schnitt, ist aber eigentlich eher ein Wegducken garniert mit Mitleidsgesuchen für seine von den Skandalen schwer gebeutelte Familie und der ewigen Leier von politischem Attentat und Weltverschwörung.

Strache hätte genauso gut auf Angriff schalten und wie von vielen vermutet, seinen Parteiausstritt und die Gründung einer eigenen politischen Liste für die Landtagswahlen in Wien im kommenden Jahr verkünden können - wie einst sein politischer Ziehvater und jahrelanges Vorbild Jörg Haider.

Doch das wäre selbst bei Straches verbliebenen Anhängern innerhalb der FPÖ nicht gut angekommen. Zu sehr ist der Gedanke der großen Familie bei den Freiheitlichen verankert, zu präsent noch das Trauma aus dem Jahr 2002, als sich die Partei im Streit spaltete und für Jahre in der Bedeutungslosigkeit verschwand. Also lieber erstmal wegducken und abwarten.

Albtraum Bedeutungslosigkeit

Denn wer weiß, wie sich die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft entwickeln. Es gilt ja die Unschuldsvermutung und es könnte ja sein, dass das Verfahren gegen Strache eingestellt oder er vor Gericht freigesprochen wird. Spätestens dann wird es dann wieder eine kurzfristig eingeräumte Pressekonferenz geben und einen strahlenden HC Strache, der sein Comeback verkündet.

Denn einerseits scheint die rote Linie für die FPÖ tatsächlich nur das Strafrecht zu sein. Sonst wäre Strache ja nach dem Ibiza-Video schon gegangen worden. Außerdem hat Strache, der dieses Jahr 50 wird, sein halbes Leben in der Politik verbracht. Amt und Würden sind ihm sehr wichtig, die politische Bedeutungslosigkeit der Stoff, aus dem sich seine Albträume speisen. Wenn wir nun wirklich den letzten politischen Auftritt von Heinz-Christian Strache gesehen haben, dann fresse ich einen Besen und gebe einen Wodka-Red-Bull aus.

Kommentar: Strache zieht sich aus der Politik zurück - bis zum Comeback
Srdjan Govedarica, ARD Wien
01.10.2019 18:42 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 01. Oktober 2019 um 19:08 Uhr.

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