Kommentar

Trump im Wahlkampf Die Angst-Kampagne kann funktionieren

Stand: 25.08.2020 11:32 Uhr

Mit einer hochaggressiven Angst-Kampagne startet US-Präsident Trump seine Aufholjagd gegen Biden. Der Plan könnte funktionieren. Auch, weil seine Bilanz bis zur Pandemie die Anhänger freuen dürfte.

Ein Kommentar von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Ein Amerikaner, der vor vier Jahren Donald Trump gewählt hat, dürfte zufrieden mit dessen erster Amtszeit sein. Vollbeschäftigung und eine brummende Wirtschaft - das lieferte der Präsident bis zur Corona-Pandemie. Auch sein Versprechen, aus mehreren internationalen Abkommen auszusteigen, löste er ein. Den Obersten Gerichtshof besetzte er mit zwei neuen, sehr konservativen Richtern, auch wenn die noch nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht haben.

Wie versprochen baute Trump Bürokratie ab - zum Beispiel beim Umweltschutz. Massive Steuersenkungen und hohe Hürden für Einwanderer, auch das dürfte für Trump-Wähler auf der Habenseite stehen. Seine Amtszeit nutzte Trump außerdem dafür, den Amerikanern das Gefühl zu geben, dass die USA nun wieder fest in der Hand der weißen Amerikaner sind.

Angst-Kampagne der Republikaner

Dumm für Donald Trump, dass er mit diesen weißen Amerikanern allein die Wahl nicht gewinnen kann. Die Zahl seiner überzeugten Anhänger liegt seit Jahren konstant unter 50 Prozent. Neue Wähler zu rekrutieren ist schwierig, denn Trump wird entweder geliebt oder gehasst. Er kann seine zweite Amtszeit also nur gewinnen, wenn die Wahl im November keine Abstimmung über ihn ist sondern über Amerika.

Beim Parteitag startete nun eine hochaggressive Angst-Kampagne der Republikaner: Amerika, so die Botschaft, geht vor die Hunde, wenn die Demokraten das Weiße Haus übernehmen. Mord und Totschlag in den Städten, linksextremistischer Meinungsterror, Abtreibung und Kindsmord, die Abkehr von Gott, die Zerstörung Amerikas. Joe Biden ist in diesem Szenario ein seniler Greis, eine Marionette in den Händen der extremen Linken. Und er, Trump, der einzige, der "zwischen dem amerikanischen Traum und der totalen Anarchie" steht.

Trump wird einfach Trump sein

Aber auch das wird noch nicht reichen. Trump wird bis November den Amerikanern einhämmern, dass nur er die USA vom Joch des Coronavirus befreien kann - durch den unbürokratischen Einsatz von Therapien, einen Impfstoff nur für die Amerikaner und durch die schnelle Rückkehr zum alten Leben. Und die rund 170.000 Toten? Es ist, wie es ist, sagt der Präsident. 

Der Parteitag diese Woche ist der Auftakt zur großen Trump-Show, zur großen Aufholjagd. Seine fast vollzählig versammelten Kinder werden bezeugen, dass ihr Vater ein guter, fürsorglicher Dad ist. Die vielen Redner werden ein patriotisches Feuerwerk zünden. Und Trump wird einfach Trump sein. 

Es kann immer noch anders kommen

Vielleicht dreht sich zum Wochenende schon die Stimmung ein bisschen in seine Richtung. Die große Hoffnung der Republikaner liegt aber auf den Fernsehdebatten im Herbst, in denen der Tele-Präsident seinen weniger agilen Gegner zur Strecke bringen soll.

Wer von außen auf dieses Szenario schaut, stellt fest: Ja, es kann funktionieren. Auch wenn alle Umfragen gerade für Biden sprechen und auch wenn eine Mehrheit der Amerikaner glaubt, dass Trump in der Corona-Krise versagt hat. Aber wenn uns dieses Jahr 2020 etwas gezeigt hat, dann das: Es kann immer noch anders kommen.

Kommentar: Auftakt zur Aufholjagd
Katrin Brand, ARD Washington
25.08.2020 11:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. August 2020 um 11:00 Uhr.

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