Kommentar

Rentenkommission Das ist zu wenig

Stand: 27.03.2020 14:32 Uhr

Die Rentenkommission hat ihre Chance verpasst. Statt zu handeln, will sie keinem weh tun. Unbeantwortet bleibt: Wer soll die Rente künftig erarbeiten und wie sollen Menschen davon leben?

Ein Kommentar von Thomas Kreutzmann, ARD-Hauptstadtstudio

Logisch - Sozialpolitiker der Großen Koalition loben die Vorschläge der Rentenkommission. Sie seien ein wichtiges Signal, dass der Sozialstaat auch in Zeiten der Corona-Pandemie handlungsfähig ist. Das ist er wirklich, aber dieser Bericht trägt dazu wenig bei.

Denn noch kann niemand die kommenden wirtschaftlichen Einbrüche beziffern und was sie für die Rentenkasse und für Rentenhöhe und Rentenversicherungsbeiträge in den nächsten Jahren bedeuten.

Und dann ist da noch die aktuell drängendste Frage: Wie kann es Deutschlands gesetzliche Rentenversicherung verkraften, wenn jetzt immer mehr Ältere aus der Babyboomer-Generation in den Ruhestand gehen, während immer weniger Junge im Arbeitsleben die Renten für sie erwirtschaften sollen? Und zwar so, dass die Rentnerinnen und Rentner vernünftig über die Runden kommen.

Doch genau darauf geben die Kommission und Arbeitsminister Heil mit einem mutlosen "Irgendwie-weiter-so" keine entschiedenen Antworten.

Lange gearbeitet, aber zu wenig fürs Alter

Das Problem: Auch nach einem langjährigen Erwerbsleben und vielen Beitragsjahren reicht die gesetzliche Rente nicht wirklich für einen anständigen Lebensabend aus.

906 Euro monatlich gab es 2018 durchschnittlich an Altersrente - 1150 Euro für Männer und 709 Euro für Frauen. An diesen niedrigen Zahlen muss die Politik etwas ändern. Denn Gering- und Durchschnittsverdiener haben zu niedrige monatliche Einkommen, um auch noch nennenswerte Beträge in eine brauchbare private Altersvorsorge zu stecken - erst recht, wenn sie unter hohen Mieten stöhnen.

Empfehlungen, die keinem weh tun sollen

Leider war eine höhere Renten-Untergrenze für die "Kommission verlässlicher Generationenvertrag" kein entscheidendes Thema. Und auf die längst überfällige Aufnahme von Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung konnte man sich auch nicht einigen. Wie auch? Die Kommission war personell äußerst fein austariert zwischen Union und SPD, Arbeitgebern und Gewerkschaften: Patt.

Und genauso sehen auch die Abschlussempfehlungen aus. Sie sollen keinem allzu weh tun, um nur ja zu vermeiden, dass sich irgendein neuer Streit zwischen den Parteien der Großen Koalition entzündet. Das ist zu wenig. Chance verpasst.

Redaktioneller Hinweis

Kommentare geben grundsätzlich die Meinung des jeweiligen Autors und nicht die der Redaktion wieder.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. März 2020 um 14:30 Uhr.

Darstellung: