Auf Knien und mit in die Höhe gestreckter Faust bekunden Demonstranten auf dem Römerberg in Frankfurt ihre Solidarität mit den Anti-Rassismus-Protesten in den USA. | dpa
Kommentar

Deutschland Der Rassismus der gesellschaftlichen Mitte

Stand: 06.06.2020 04:16 Uhr

Bei der Polizei, auf dem Mietmarkt oder in Werbekampagnen: Der Rassismus in Deutschland reicht weit hinein in Milieus, die sich sonst gerne als liberal und weltoffen bezeichnen.

Ein Kommentar von Georg Restle, WDR

Schlimme Bilder sind das aus den USA. Ein schlimmer Rassismus und ein schlimmer Präsident, der seine Ku-Klux-Klan-Gesinnung wie einen Keil in die amerikanische Gesellschaft treibt.

Georg Restle

Alles weit weg? Hat nichts mit uns zu tun?... Haben wir da etwa ein Rassismus-Problem? Und wie!

Das Leuchtschild der "Mohren-Apotheke" in Frankfurt am Main. | dpa

Das Leuchtschild der "Mohren-Apotheke" in Frankfurt am Main. Bild: dpa

Der scheinheilige, unverhohlene Rassismus der Mitte

In der Politik sowieso, wo die größte Oppositionspartei im Bundestag ein Tummelplatz für Erz-Rassisten ist, die Deutsche nur mit reinem weißem Stammbaum so richtig Deutsch finden. Bei der Polizei, wo Menschen mit anderer Hautfarbe oder anderem Aussehen immer noch viel leichter ins Fadenkreuz geraten als der angeblich weiße Durchschnittsdeutsche.

In vielen Medien, wo fast täglich rassistische Stereotypen bedient werden, als seien Menschen nur deshalb gefährlicher oder krimineller, weil ihre Hautfarbe dunkler ist.

Im Alltag, wo Arbeitgeber und Vermieter dann doch lieber Menschen bevorzugen, die eher in ihr Bild des "klassischen" Deutschen passen - und wo Werbekampagnen für Aufruhr sorgen, nur weil darin zu wenig weiße Deutsche vorkommen.

All das ist Rassismus - und er reicht weit hinein in Milieus, die sich sonst ganz gerne mal als liberal und weltoffen bezeichnen. Da hört man ihn dann auch oft, diesen Satz: "Ich bin zwar kein Rassist, aber…" Genau hinter diesem aber offenbart er sich allerdings: Der scheinheilige, unverhohlene Rassismus der gesellschaftlichen Mitte. 

Aus Worten werden Parolen, aus Gedanken Ideologien

Sie finden das jetzt alles ein bisschen überzogen? Dann sprechen Sie doch mal mit Menschen dunklerer Hautfarbe über die vielen großen und kleinen Widerwärtigkeiten, denen sie in diesem Land immer wieder ausgesetzt sind.

Sie finden, man sollte Deutschland nicht mit den USA gleichsetzen? Da haben Sie recht. Aber das Krebsgeschwür des Rassismus breitet sich weltweit aus - und das schleichend.

Und dann werden aus Worten Parolen, aus Gedanken Ideologien und aus Vorurteilen Ausgrenzung und Gewalt. Ob in Minneapolis, in Hanau oder anderswo.  

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 05. Juni 2020 um 21:45 Uhr.