Alice Weidel, Max Otte und Tino Chrupalla | dpa
Kommentar

CDU-Mitglied Otte Die nächste Provokation

Stand: 26.01.2022 08:02 Uhr

Werteunions-Chef Otte ist plötzlich in aller Munde. Der CDU-Politiker sympathisiert schon länger mit der AfD, jetzt ist er endgültig in deren Schoss gerückt. Gewinner der Posse könnte der neue CDU-Chef Merz werden.

Ein Kommentar von Sabine Henkel, ARD-Hauptstadtstudio

Eines muss man diesem Max Otte lassen: Er weiß, wie man sich in Szene setzt. Gestern noch Randfigur - heute im Mittelpunkt des politischen Interesses. Gestern noch "No Name", heute "Blame Name" und vor allem einer, der die gesamte CDU in Rage bringt. Der Mann hat entweder ein überdimensioniertes Geltungsbedürfnis oder ein gestörtes Selbstbewusstsein. Zu groß oder zu klein - auf jeden Fall ein freies Radikal.

Sabine Henkel ARD-Hauptstadtstudio

In den Schoß der Rechtsradikalen

Immer wieder hat er die CDU provoziert, Angela Merkel auf das Übelste beleidigt, mit der AfD sympathisiert. Eine Provokation folgte der nächsten und jetzt das: Bewusst und gewollt fordert Otte die CDU auf, ihn rauszuwerfen. Anders kann man das gar nicht werten, was er da macht. Den von der CDU-Spitze geforderten Parteiaustritt hat er prompt zurückgewiesen, wissend, dass die CDU ihn nicht weiter dulden kann.

So steht er einmal im Rampenlicht, einmal dreht sich die CDU um ihn - der Mann muss es wirklich nötig haben. Jedes Mittel ist ihm recht: Immer weiter nach rechts rücken, bis er jetzt vollends im Schoß der Rechtsradikalen gelandet ist und Bundespräsident im Namen der AfD werden will.

Otte weiß ganz genau, dass er chancenlos ist - niemals wird er Bundespräsident werden. Er wird überhaupt gar nichts mehr werden in oder mit der CDU - sie will ihn so schnell loswerden und aus der Partei werfen, wie es nur geht. Die ersten Schritte sind schon eingeleitet. Und man muss sich fragen, was er überhaupt noch in der Partei will. Möglich, dass er träumte, mit der sogenannten Werteunion die CDU zu übernehmen und daraus eine stark rechtskonservative Partei zu machen. Aber was für eine Hybris. 

Geht Merz als Gewinner hervor?

Der AfD kommt Otte gerade recht. Mit Otte verschafft auch sie sich einen erhöhten Aufmerksamkeitspegel und bringt die CDU in Wallung. Das ist das was sie will.

Und wer hat am Ende was von diesem Theater? Friedrich Merz. Der kommende Parteichef hatte es ja schon vor Wochen angekündigt: Wenn irgendjemand aus der CDU die Hand hebt, um mit der AfD zusammenzuarbeiten, dann steht am nächsten Tag ein Parteiausschlussverfahren an. Genauso kommt es jetzt. Otte verhält sich parteischädigend im Sinne der CDU-Statuten. Merz kann sich jetzt noch vor der offiziellen Amtsübernahme als Parteichef als der starke Mann präsentieren, nach dem sich die CDU so sehr sehnt.

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Januar 2022 um 17:00 Uhr.