Kommentar

Chinas Mondlandung Meisterleistung und Prestige-Erfolg

Stand: 03.01.2019 15:07 Uhr

Mit der Landung seiner Mondsonde ist China eine technische Meisterleistung geglückt. Höchste Zeit, dass Europa sich vom Klischee der knuddeligen Pandabären und der billigen Plastikspielzeuge verabschiedet.

Ein Kommentar von Stefan Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Nach der erfolgreichen Landung dauerte es nur wenige Stunden, da schossen beim chinesischen Online-Versandhaus Taobao schon die ersten Modellbau-Landefähren vom Typ Chang'e 4 in die Verkaufscharts. Das Spielzeug-Modell kostet umgerechnet 15 Euro, für das edle Schmuckstück für die Vitrine zahlen Sammler mehr als 200 Euro.

Das zeigt: China ist stolz auf die erste weiche Landung einer Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes, und das zu Recht. Einen Telekommunikationssatelliten in die Erdumlaufbahn zu schicken, ist das eine. Eine Hightechsonde ohne direkte Funkverbindung präzise auf einem fremden Himmelskörper zu landen, das ist eine raumfahrttechnische Meisterleistung. Sie zeigt: China ist nicht nur auf dem Weg, eine Hightechnation zu werden, in vielen Bereichen ist sie es bereits.

Risiken beachten, Chancen nutzen

Höchste Zeit, dass wir das in Europa endlich begreifen und uns damit auseinandersetzen: mit den Risiken, die damit einher gehen - aber auch mit den Chancen. Stichwort Risiko: Die chinesische Staats- und Parteiführung tut so, als gehe es bei ihrem ambitionierten Raumfahrtprogramm  nur um wissenschaftliche Erkenntnisse zum Wohle der Menschheit.

Das ist natürlich Blödsinn. Es dient auch knallharten militärischen Zwecken. Doch das ist nichts Neues. Als sich im Kalten Krieg die UdSSR und die Vereinigten Staaten ihren spektakulären und sündhaft teuren Wettlauf zum Mond lieferten, geschah das zur Steigerung des Prestiges, aus wissenschaftlichen Gründen und natürlich dienten die Raumfahrtprogramme der beiden Großmächte eben auch der militärischen Forschung.

Bei China ist das genauso. Das bevölkerungsreichste Land der Welt wird mächtiger, einflussreicher und eben auch militärisch stärker, daran muss man sich gewöhnen. Dass das den anderen Raumfahrtnationen nicht gefallen muss, ist eine andere Frage. Die Führung in Peking hat angekündigt, dass sie bis 2030 auch chinesische Astronauten auf den Mond schicken will.

Die Staatsführung bestimmt

Das sollten die Amerikaner, die Russen und die Europäer ernst nehmen, denn China ist hier klar im Vorteil: Das Land ist eine Diktatur. Deswegen muss die Raumfahrtbehörde nicht auf so lästige Dinge wie Legislaturperioden oder wechselnde Mehrheiten im Parlament Rücksicht nehmen. Die Staats- und Parteiführung in Peking macht eine langfristige Ansage und Geld spielt keine Rolle.

Die NASA tüftelt währenddessen an einer neuen Raumkapsel, um endlich wieder aus eigener Kraft Astronauten ins All schicken zu können. Seit einigen Jahren werden diese per Anhalter mit den Russen ins All geschickt. Die wiederum leiden chronisch an Geldmangel. Und die europäische Raumfahrtagentur ESA muss immer wieder aufs Neue um politische Rückendeckung kämpfen.

Und deswegen liegen die Chancen in einer Zusammenarbeit. Höchste Zeit, dass sich alle Beteiligten - Europa, Russland, die USA und China - Gedanken machen, wie eine solche Zusammenarbeit im All künftig aussehen kann. Am Beispiel der Internationalen Raumstation ISS sieht man, dass eine Zusammenarbeit im All problemlos funktionieren kann, trotz politischer Streitigkeiten auf der Erde.

Chinas Mondlandung: Technische Meisterleistung und Prestige-Erfolg
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
03.01.2019 14:27 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Januar 2019 um 15:00 Uhr.

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